Raumplanung

Weder Verschandelung noch Freilichtmuseum

Die 22 Weinländer Gemeinden wollen ihre Ortsbilder gemeinsam entwickeln. Die Hoffnung: Mehr Tourismus, weniger Abwanderung, höhere Bodenpreise.

Riegel an Riegel: Hinter einem schmucken Ortsbild wie hier in Marthalen stecken viele Zielkonflikte.

Riegel an Riegel: Hinter einem schmucken Ortsbild wie hier in Marthalen stecken viele Zielkonflikte. Bild: Marc Dahinden

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Von Stammheim bis Flaach und von Feuerthalen bis Henggart: Die 22 Gemeinden des Weinlands teilen neben der Dichte an Rebbergen auch ein gemeinsames baukulturelles Erbe, mit charakteristischen Riegelhäusern, Weilern und Ökonomiegebäuden. Diese Einheitlichkeit soll gepflegt werden und erhalten bleiben, trotz Modernisierung und Wachstum.

Aus diesem Anlass kamen am Dienstagabend in Marthalen rund 40 Gemeindevertreter zusammen, um die «ganzheitliche Weiterentwicklung» der Weinländer Ortsbilder abzustimmen. Eingeladen hatte die Zürcher Planungsgruppe Weinland.

«Man findet in den Weinländer Ortsbildern ein Erbe vor, das es in den Städten nur ganz selten gibt»Lea von Moos, Raumplanerin

Im Kern ging es dabei um Zielkonflikte: Wie kann die Schönheit eines Ortskerns erhalten werden, ohne die Moderne und innovative Bauprojekte auszuschliessen? Wie kann die Geschichte eines Ortes anhand von Bauten erlebbar gemacht werden, ohne Historisierung zu betreiben und quasi ein Freilichtmuseum zu schaffen? Welche Angebote muss ein Ortskern beinhalten, um sowohl ländlich als auch urban Orientierte anzulocken?

Ortsbild stiftet Identität

Regionalplanerin Lea von Moos, welche für die Planungsgruppe Weinland als Beraterin tätig ist, fokussierte vor den Gemeindevertretern auf die Vorteile eines einheitlichen Ortsbildes: Dieses könne identitätsstiftend sein, den Tourismus und die regionale Vermarktung ankurbeln. «Man findet in den Weinländer Ortsbildern ein Erbe vor, das es in den Städten nur ganz selten gibt», sagte von Moos. Eine behutsame Weiterentwicklung könne so auch eine Wertsteigerung herbeiführen: «Im besten Fall steigen die Bodenpreise.» Und von Abwanderung betroffene Gemeinden könnten ihre Attraktivität steigern.

«Jedes neue Bauvorhaben in einer Gemeinde muss im Gesamtkontext des Dorfes betrachtet werden.»Niko Wolfromm, Amt für Raumentwicklung

Niko Wolfromm vom kantonalen Amt für Raumentwicklung zeigte praktische Lösungsansätze: «Jedes neue Bauvorhaben in einer Gemeinde muss im Gesamtkontext des Dorfes betrachtet werden.» Bevor eine Gemeinde ein Bauprojekt bewillige, gelte es folgende Fragen zu klären: Wie wirkt das Gebäude im Vergleich zum baulichen Umfeld? Und wie im Bezug auf den Strassenraum? Welche Typologie weist es auf und welche Formensprache? «Baugesuche sollten niemals nur technisch betrachtet werden, sondern immer auch vom gestalterischen Aspekt her.»

Wildes Parkieren

Eine Diskussionsrunde zeigte anschliessend, mit welchen konkreten Fragen sich die Weinländer Gemeindevertreter im Alltag herumschlagen. Eine häufige Klage betrifft die ungeordnete Parkierung im Dorf. So sind Tiefgaragen in und um die Ortskerne generell rar, viele Autos stehen einfach herum und das gibt kein gutes Bild ab. Auch stören sich viele an der Gestaltung der in die Dörfer führenden Kantonsstrassen, diese sei häufig unattraktiv und hinterlasse einen schlechten ersten Eindruck des Ortes. Zudem sei die Vorgabe, dass die Dörfer attraktiv bleiben und gleichzeitig nach innen verdichten müssen, grundsätzlich eine grosse Herausforderung.

Barbara Griesser, Gemeinderätin aus Marthalen und Gastgeberin, zeigte am Dienstagabend zudem auf, wie ihre Gemeinde versucht, ein vorbildliches Erscheinungsbild abzugeben. So hat Marthalen eine detaillierte Zonenplanung und führt sei Jahren über die allermeisten Gebäude ein Inventar. «Auf neue Bauvorhaben können wir rasch reagieren», sagte Griesser.

Die Planungsgruppe Weinland will für die Gemeinden nun eine Handlungsanweisung für alle genannten Probleme erarbeiten. Fachliche Unterstützung sollen die Gemeinden insbesondere bei der Ortskern-Entwicklung erhalten.

Erstellt: 04.04.2019, 17:11 Uhr

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