Waldwirtschaft

Weinländer Forstbetriebe verkaufen aus Not Tausende Fichten nach China

Das gab es noch nie: Da die Sägereien mit Borkenkäferholz überschwemmt sind, sieht sich mehr als jedes 3. Forstrevier im Kanton gezwungen, viele Bäume nach Asien zu verschiffen. Oft ein Verlustgeschäft.

Gigantische Mengen: Entrindete Holzstämme werden von der Zürichholz AG für die Verladung in Frachtcontainer parat gemacht.

Gigantische Mengen: Entrindete Holzstämme werden von der Zürichholz AG für die Verladung in Frachtcontainer parat gemacht. Bild: PD

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Die Situation ist vor allem im Weinland dramatisch: Die dortige Borkenkäfer-Population hat in diesem Jahr extreme Ausmasse angenommen. Mehrere Tausend Fichten (Rottannen) sind bereits gefällt worden, viele Tausend weitere werden in den nächsten Wochen noch gerodet.

Aufgrund des aktuellen Mehraufwandes hat der Kleinandelfinger Gemeinderat jetzt gar eine temporäre Stelle für die Administration der Käferholzarbeiten bewilligt.

«Es ist ein Kampf gegen Windmühlen»

Der für Kleinandelfingen zuständige Revierförster Olivier Bieri spricht von «einem Kampf gegen Windmühlen». Doch um den Schaden in Grenzen zu halten, «müssen alle befallenen Bäume, soweit es die Kapazitäten zulassen, gefällt und aus dem Wald transportiert werden».

Die Frage ist nur: Wohin mit den gefällten Bäumen? Denn da die Sägereien momentan mit Käferholz überschwemmt sind, bleiben viele Zürcher Waldbesitzer auf ihrem Holz sitzen. «Vor allem im Weinland», sagt Marco Gubser, Leiter Tagesgeschäfte der Holzhandelsfirma Zürichholz AG in Wetzikon. Er hat einen guten Überblick über die aktuelle Situation. Denn das Holzhandelsunternehmen gehört den öffentlichen und privaten Zürcher Waldeigentümern.

Käferholz ist in Asien gefragt

Weil nicht nur der regionale, sondern auch der europäische Holzmarkt gesättigt ist, bietet die Zürichholz AG den besorgten Forstbetrieben seit kurzem einen neuen Absatzkanal an. In China und anderen asiatischen Ländern ist das Käferholz aus der Schweiz offenbar sehr gefragt.

Wie Revierförster Olivier Bieri bestätigt, sind allein aus den Wäldern in Andelfingen, Kleinandelfingen, Adlikon und Thalheim in jüngster Zeit circa 3000 Kubikmeter geschältes Holz über die Zürichholz AG in Container verladen und nach Asien verschifft worden.

«Wir haben aktuell 2000 Kubikmeter Käferholz, ausschliesslich Fichten, über die Zürichholz AG nach Asien verkauft», sagt auch Christian Bottlang, Leiter des Forstreviers Stammertal. Knapp 30 der insgesamt 78 Forstreviere im Kanton Zürich machen derzeit vom Asien-Exportangebot der Zürichholz AG Gebrauch.

Zwar werden so rasch Tausende befallene Fichten aus dem Wald geschafft, doch der Verkauf lohnt sich in der Regel nicht. Gerade mal 30 Franken gibt es pro Kubikmeter Holz für den Export. «Die Holzernte verursacht hingegen Kosten von 35 bis 40 Franken», sagt Förster Bottlang. Mit anderen Worten: Die Waldbesitzer zahlen drauf.

Erstellt: 22.08.2019, 18:23 Uhr

Sägereien produzieren mehr, als sie brauchen können

Der Borkenkäfer bringt die Holzwirtschaft in Bedrängnis. Die Sägereien in der Region werden bereits seit dem vergangenen Jahr mit sogenanntem Käferholz (vor allem Fichten) überschwemmt. «Auch unsere Sägerei ist übervoll mit diesem Holz», sagt Robert Schaub senior vom Traditionsunternehmen Robert Schaub AG in Andelfingen. «Wir produzieren derzeit gar mehr, als wir brauchen können.» Wenn sein Unternehmen das bearbeitete Käferholz an die Kunden verkauft, erzielt er momentan nur eine sehr bescheidene Marge, «da Mehraufwand in der Verarbeitung und schlechtere Ausbeute den günstigeren Einkaufspreis aufheben».

«99,9 Prozent des Fichtenholzes, das derzeit auf dem Markt ist, ist Käferholz», sagt Schaub. «Ich bin schon lange im Holzgeschäft tätig, aber ich mag mich nicht erinnern, dass es schon mal einen Käferbefall in einem ähnlich hohen Umfang gegeben hat.» Es verwundere ihn deshalb nicht, dass die Waldwirtschaft versuche, das Fichtenholz via Händler «zu noch schlechteren Konditionen» in den asiatischen Raum zu verkaufen, sagt Schaub. Er geht davon aus, dass sein Betrieb auch 2020 noch viel Holz, das vom Borkenkäfer befallen ist, bearbeiten wird.

Natürlich sei die Marge nicht gross, sagt auch Ernst Kägi, Inhaber der Sägerei Kägi AG in Lufingen. «Dennoch finden wir in der Schweiz genügend Abnehmer für das Käferholz.» Er verkaufe nicht nur an Baumeister, sondern auch an die Stadt Zürich. Sein Holz werde zum Beispiel für das Theater Spektakel verwendet. «Das Käferholz ist viel besser als sein Ruf.»

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