Flaachtal

Widerstand gegen Schulschliessungen schwierig

Berg am Irchel, Dorf und Volken, wo die Schliessung der Schulhäuser droht, sind gegenüber den zwei auserkorenen Schulstandorten Flaach und Buch am Irchel stimmenmässig in der Minderheit. Und Schützenhilfe von dort ist ein frommer Wunsch.

Blick auf das Dorf Berg am Irchel, das sein Primarschulhaus verlieren soll. Rechts im Mittelgrund ist Flaach zu sehen, das punkto Schulstandort mehr Glück hat

Blick auf das Dorf Berg am Irchel, das sein Primarschulhaus verlieren soll. Rechts im Mittelgrund ist Flaach zu sehen, das punkto Schulstandort mehr Glück hat Bild: Heinz Kramer

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Ungewohnt heftig waren die Proteste der Gemeinderäte aus Berg am Irchel und Dorf gegen die geplanten Schliessungen der Schulstandorte in ihren Gemeinden («Landbote» vom 26. und 29. November). Aus Volken, der dritten betroffenen Gemeinde, gibt es bislang keine offizielle Kritik.

Die Schulpflege der seit bald fünf Jahren fusionierten Schulgemeinde Flaachtal will die Schulhäuser in Berg am Irchel, Dorf und Volken schliessen und die Standorte in Flaach und Buch am Irchel konzentrieren und für rund sechs Millionen Franken ausbauen. Der Kanton ist nicht länger bereit, die zu kleinen Klassen im Flaachtal zu finanzieren. Mit der Konzentration der Schulstandorte sollen auf der Unterstufe und der Mittelstufe je eine Klasse abgebaut werden, um die vorgeschriebenen Klassengrössen zu erreichen.

Zwei Abstimmungshürden

Die Festlegung von Schulstandorten liegt zwar in der Kompetenz der Schulpflege. Doch über die Ausbauarbeiten in Buch am Irchel und Flaach entscheidet im Juni 2020 die Gemeindeversammlung und im vierten Quartal 2021 die Stimmbevölkerung der Schulgemeinde an der Urne. Zuerst geht es um den Projektierungskredit, dann um den Baukredit. Verläuft alles im Sinne der Schulpflege, gibt es ab 2024/2025 nur noch in Flaach und Buch am Irchel einen Schulbetrieb.

«Der Gemeinderat Flaach wird keine Stellungnahme abgeben. Es liegt an den Flaachtalern einen für die Schulgemeinde zukunftsweisenden Entscheid zu fällen.»Walter Staub, Gemeindepräsident Flaach

Aber wie realistisch ist es, dass die Schulbehörde an den zwei Abstimmungshürden scheitert und auch Dorf und Berg am Irchel ihre Schulen behalten können? Zwei gewichtige Faktoren sprechen dagegen. Erstens gibt es in Flaach und Buch am Irchel nicht nur die meisten Schulkinder, sondern auch die meisten Stimmberechtigten. Zweitens werden sich die Gemeinderäte dieser zwei Gemeinden nicht mit Dorf, Berg am Irchel und Volken solidarisieren, wie eine kleine Umfrage dieser Zeitung zeigt.

Zahlenmässig unterlegen

Die seit 1. Januar 2015 fusionierte Schulgemeinde Flaachtal umfasst die nicht fusionierten Politischen Gemeinden Berg am Irchel, Buch am Irchel, Dorf, Flaach und Volken. Betrachtet man die amtlichen Zahlen zu den Stimmberechtigten in diesen fünf Gemeinden vom Wahlsonntag 17. November, so zeigt sich: Die protestierenden Gemeinden Berg am Irchel und Dorf haben zusammen nur 934 Stimmberechtigte – Buch am Irchel und Flaach 1656. Und selbst mit den 247 Stimmbürgern aus Volken kommen die drei von den Schulhausschliessungen direkt betroffenen Gemeinden zusammen nur auf 1181 Stimmberechtigte. Diese rechnerisch ungünstige Ausgangslage könnten die Gegner der Standortschliessungen in Berg am Irchel und Dorf nur dann durchbrechen, wenn sie für die nächste Gemeindeversammlung im Juni und die Urnenabstimmung 2021 viel stärker mobilisieren als die Befürworter.

Ball bei den Stimmbürgern

«Wird sich der Gemeinderat von Buch am Irchel beziehungsweise Flaach solidarisch zeigen mit Berg am Irchel und Dorf und den jetzigen Plan der Schulpflege zur Ablehnung empfehlen respektive eine Überarbeitung des Vorhabens verlangen?» Diese Frage stellte der «Landbote» den Gemeindepräsidenten von Flaach, Walter Staub, und von Buch am Irchel, Hansruedi Mosch. «Der Gemeinderat Flaach wird keine Stellungnahme abgeben», antwortete Staub. Es liege an den Flaachtalern, «einen für die Schulgemeinde zukunftsweisenden Entscheid zu fällen».

«Dies ist das Problem!»

«Ich denke nicht, dass wir eine Stellungnahme abgeben können, da es alleine in der Hand der Schule Flaachtal liegt, wie sie die Zukunft plant», schreibt Mosch. «Daher denke ich, dass es wenig Sinn macht, Behördeninitiativen zu starten.» Es brauche hier vor allem die Eltern, die sich daran stören. Dass es seitens der betroffenen Gemeinden entsprechende Voten gebe, ist für Mosch verständlich. «Es ist nicht einfach, die Zukunft der Schule zu planen und dabei alle Wünsche zu erfüllen.» Er appelliert vielmehr an die Solidarität der grossen Gemeinden ausserhalb, des Kantons. Denn dass die kleinen Landgemeinden nicht dieselben Klassengrössen erreichen könnten wie Städte und grössere Gemeinden, das sei mehr als nur logisch – «dies ist das Problem!»

Erstellt: 09.12.2019, 17:17 Uhr

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