Rheinau

«Wir schliessen Menschen nicht einfach weg»

Die Klinik Rheinau verzeichnete am Tag der offenen Tür guten Zulauf. Die psychiatrische Klinik ist hier seit 150 Jahren verankert und verfügt über grosse Akzeptanz,wie Steffen Lau, Chefarzt der Forensischen Klinik, erklärt.

Die Psychiatrische Klinik Rheinau feiert Jubiläum: Am Tag der offenen Tür stand Steffen Lau, Chefarzt der Forensischen Klinik, Rede und Antwort.

Die Psychiatrische Klinik Rheinau feiert Jubiläum: Am Tag der offenen Tür stand Steffen Lau, Chefarzt der Forensischen Klinik, Rede und Antwort. Bild: Marc Dahinden

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«Ich schätze es, in Rheinau zu sein, weil hier die Akzeptanz aufgrund der langen Zeit, in der sich die Klinik hier befindet, gross ist», sagt Steffen Lau. Er ist Chefarzt der Forensischen Klinik, also jenes Teils der Institution, in dem die psychisch kranken Straftäter untergebracht sind. Nur so sei es überhaupt möglich, über eine Erweiterung nachzudenken, ist er überzeugt. Und diese ist in Planung: Bis im Jahr 2023 soll das Zentrum für Stationäre Forensische Therapie (ZSFT) in Rhein­au, welches das grösste seiner Art in der Schweiz ist, um 39 Klinikplätze aufgestockt werden. Heute weist das ZSFT drei Sicherheitsstationen mit 27 Behandlungsplätzen sowie vier Massnahmestationen mit 52 Behandlungsplätzen auf.

Tiefe Rückfälligkeitsrate

Der Forensiktrakt unweit der Hauptstrasse nach Rheinau hat ein schweizweit einzigartigesSicherheitsniveau. «Doch wir schliessen die Menschen nicht einfach nur weg», betont Lau. «Die Art, wie wir hier arbeiten, kann Vorbildcharakter haben.» Ihm zufolge weist die Forensische Klinik eine tiefe Rückfälligkeitsrate von unter zehn Prozent auf. Im Bereich der einschlägigen und gefährlichen Patienten liege sie sogar noch niedriger.

Geöffnet war auch die offene Massnahmenstation, wo der 28-jährige D. C. lebt. Kein Zutritt wurde zum Sicherheitstrakt gewährt. Bild: Marc Dahinden

Der Rundgang durch den Forensiktrakt beschränkt sich aus Sicherheitsgründen auf die offene Massnahmestation. Hier bewohnt der 28-jährige D. C. ein kleines Zimmer, in dem es ein Lavabo, ein Bett und einen kleinen Bürotisch mit Playstation und einem Schachcomputer hat. Er befinde sich seit 2013 in der Klinik Rheinau, erzählt D. C. Am 26. Oktober werde er die Klinik aber verlassen dürfen. Dann ziehe er in eine betreute Wohngruppe im Kanton Thurgau. «Ich war nur ein halbes Jahr auf der geschlossenen Abteilung», erzählt er weiter. Hier in der offenen Massnahmestation, die er für einen Tagesurlaub auch verlassen dürfe, sei er gut vorwärtsgekommen. «Das ist viel besser als U-Haft, jetzt kann ich ohne Psychose leben.»

«Natürlich gibt es Fälle, bei denen auch wir an die Grenze stossen.»Steffen Lau,
Chefarzt Forensische Klinik

Auch der 21-jährige Serientäter, der unter dem Pseudonym Carlos bekannt wurde, war bis vor kurzem in der Forensischen Klinik Rheinau untergebracht. Laut «SonntagsZeitung» wurde er nun in eine andere Klinik verlegt, die über zwei Hochsicherheitstrakte verfüge. Ist die Klinik Rheinau mit ihm an ihre Grenzen gestossen? Über konkrete Einzelfälle könne er nicht reden, sagt Chefarzt Lau. «Aber natürlich gibt es Fälle von destruktiver Dissozialität, bei denen auch wir mit unserer baulichen, technischen und personellen Ausstattung an die Grenze stossen.»

Rund 1000 Besucher

An diesem Tag der offenen Tür nutzen rund 1000 Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, sich in der Klinik Rheinau umzusehen. Neben der Forensischen Klinik befindet sich hier auch das Zentrum für Integrative Psychiatrie, das Patienten behandelt, die lange und oft hospitalisiert sind. Neben Fachvorträgen können die Besucher auch Therapiegesprächsgruppen und Filmvorführungen beiwohnen.

Die Klinik Rheinau wurde nach der Schliessung des Klosters vor 150 Jahren gegründet. In den frei gewordenen Gebäuden auf der Insel wurde 1867 die Heil- und Pflegeanstalt eingerichtet. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Platz dort zu eng und die Klinik wurde auf das heute bestehende Gelände am Dorfrand erweitert. Die Räumlichkeiten auf der Klosterinsel hat die psychiatrische Klinik hingegen im Jahr 2000 aufgegeben. (Landbote)

Erstellt: 18.09.2017, 10:39 Uhr

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