Bezirksgericht

Bajonett bringt Vermieter in Bredouille

In einer geräumten Mietwohnung fand ein Vermieter ein Bajonett. Er legte das militärische Messer in den Kofferraum seines Autos. Später geriet er in eine Polizeikontrolle – und stand gestern vor Gericht.

Ein altes Bajonett der Schweizer Armee.

Ein altes Bajonett der Schweizer Armee. Bild: Markus Brupbacher

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Er wollte letzten Juli nachschauen, ob sein zuvor ausgezogener Mieter die Wohnung in Winterthur vollständig geräumt hatte – Keller und Estrich inklusive. Da fand der Vermieter auf dem Dachboden ein Bajonett, das man einem Sturmgewehr 57 der Schweizer Armee als Hieb- und Stichwaffe aufsetzen kann.

Der Deutsche, der seit 40 Jahren in der Schweiz lebt, legte das Bajonett in den Kofferraum seines Autos. Zwei Tage später wurde er bei Wiesendangen von der Polizei kontrolliert, weil er und sein Sohn – schwatzend im Auto – zu langsam unterwegs waren. Alles war in Ordnung. Ausser, dass die Beamten das Bajonett im Kofferraum fanden. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage, weil der Mann mit dem Transport des Bajonetts gegen das Waffengesetz verstiess.

Nicht richtig durchgelesen

«Ich war erstaunt über den gefundenen Dolch», sagte der Mann gestern vor dem Bezirksgericht Winterthur. «Auch hatte ich keine Verwendung dafür, damit kann man ja nicht einmal einen Apfel schälen.» Er habe das Bajonett daher loswerden wollen. Doch die neue Adresse des Mieters habe er nicht gehabt und auch nicht gleich herausgefunden. Darum wollte er die Waffe später ins Zeughaus bringen. Aber wegen der bevorstehenden Renovation des Wohnhauses sei er anderweitig beschäftigt gewesen und habe sich vorerst nicht weiter um das Bajonett gekümmert. Er sagte, dass es bis zur Polizeikontrolle zwei Tage im Kofferraum gelegen habe. In der polizeilichen Einvernahme, die er unterschrieben hatte, war die Rede von fast zehn Tagen. Das stimme nicht, sagte der Mann gestern. Er habe das Dokument wohl nicht richtig durchgelesen.

«Ich bin kein Metzger»

Er hätte das Bajonett laut Waffengesetz nicht tragen respektive nicht im Auto transportieren dürfen, sagte die Richterin. «Das habe ich doch nicht gewusst, dass das strafbar ist. Ich bin Coiffeur, kein Metzger, was soll ich damit?» Aber er habe vermutet, dass es etwas mit dem Militär zu tun habe, weshalb er das Bajonett ja auch ins Zeughaus habe bringen wollen.

«Ich hatte keine Verwendung dafür, damit kann man ja nicht einmal einen Apfel schälen.»der Beschuldigte

Nach der halbstündigen Befragung hielt der Verteidiger sein Plädoyer, die Staatsanwaltschaft war nicht anwesend. Er beantragte, von einer Bestrafung abzusehen, oder allenfalls eine geringe Busse wegen Fahrlässigkeit auszusprechen. Der Beschuldigte sei ein «ehrlicher Finder mit gutem Willen». Er hätte die Waffe auch einfach in einen öffentlichen Abfalleimer werfen können. Es sei im hoch anzurechnen, dass er stattdessen die Waffe dem Besitzer habe zurückgeben respektive sie ins Zeughaus habe bringen wollen. Als deutscher Staatsbürger habe er in der Schweiz keinen Militärdienst geleistet. Sein Leumund sei perfekt, «ein unbescholtener Bürger». Das Waffengesetz sei derart komplex: «Ich möchte einen Schweizer Bürger finden, der all dies wüsste», sagte der Verteidiger.

Das Gericht beriet das Urteil fast eine Stunde lang. Danach hat es den Mann schuldig gesprochen wegen fahrlässiger Übertretung des Waffengesetzes. Er muss eine Busse von 2000 Franken bezahlen, einen Eintrag ins Strafregister gibt es aber keinen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe von 4800 und eine Busse von 900 Franken gefordert. «Sie haben zwei Tage gegen das Waffengesetz verstossen», sagte die Richterin. Eine Übertretung, eine Unvorsichtigkeit sei es gewesen, kein Vergehen, aber doch eine Fahrlässigkeit. Der Mann will das Urteil akzeptieren.

Erstellt: 27.02.2019, 19:34 Uhr

Schweizer Waffengesetz: Welche Messer sind verboten?

Das Waffengesetz ist als Laie nicht einfach zu verstehen und intuitiv nicht leicht nachvollziehbar. Bei den Messern gelten als Waffen Schmetterlingsmesser, Wurfmesser und einhändig bedienbare Messer mit automatischem Mechanismus, bei einer Gesamtlänge über 12 und einer Klingenlänge über 5 Zentimetern. Dolche mit symmetrischer Klinge unter 30 Zentimetern gelten ebenfalls als Waffe. Dazu gehören auch die Dolche und Bajonette der Armee (siehe Artikel respektive Bild). Ohne Bewilligung dürfen sie nicht in der Öffentlichkeit getragen und damit auch nicht transportiert werden. Aber sie dürfen ohne Bewilligung erworben werden, allerdings nicht gewerbsmässig. Der Transport von Waffen auf direktem Weg vom Wohnort zu Schiessübungen, zum Waffenhändler, zu Kursen, bei einem Wohnsitzwechsel und dergleichen ist erlaubt. Wer also eine Waffe zur Polizei oder zum Zeughaus bringt, um sie dort abzugeben, der macht sich nicht strafbar. Nicht als Waffen gelten Messer, zweihändig bedienbare Klappmesser, einhändig manuell bedienbare Klappmesser ohne automatischen Mechanismus, Dolche mit asymmetrischer Klinge und Samurai-Schwerter. Im Gesetz gibt es noch die Kategorie der gefährlichen Gegenstände wie Hämmer, Äxte, Fahrradketten, Scheren oder Schraubenzieher. Das Tragen und Mitführen solcher Gegenstände ist verboten, wenn nicht glaubhaft gemacht werden kann, dass dies durch die bestimmungsgemässe Verwendung oder Wartung der Gegenstände gerechtfertigt ist. (mab)

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