Bezirksgericht

Betrunkener ohne Ausweis durchbrach Polizeikontrolle

Wenige Hundert Meter bis zum Restaurant waren einem Mann zu weit. Er nahm das Auto, obwohl er keinen Führerschein besass. Als die Polizei ihn auf dem Nachhauseweg kontrollieren wollte, hielt der betrunkene Fahrer nicht an.

«Ich wollte mich einfach der Kontrolle entziehen», sagte der Angeklagte vor Gericht.

«Ich wollte mich einfach der Kontrolle entziehen», sagte der Angeklagte vor Gericht. Bild: Symbolbild/Keystone

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«Es ist mir jetzt noch ein Rätsel, was mir dabei durch den Kopf ging», sagte der Angeklagte am Bezirksgericht Winterthur immer wieder reumütig, als die Richterin bei Details zum Fall nachzuhaken versuchte. Der Mittvierziger aus der Region hat bereits mehrere Verkehrsdelikte auf dem Kerbholz. 2004 wurde er mit 2,19 Promille am Steuer erwischt, sieben Jahre später hatte er 1,15 Promille intus, als er ein Fahrzeug lenkte. Das letzte Urteil stammt von 2013, als er mehrfach ohne Haftpflichtversicherung gefahren war. Sein Ausweis wurde ihm zuletzt im Herbst 2015 entzogen.

«Zu faul, um zu laufen»

Trotzdem fuhr er nach diesem Entzug «zwei-, dreimal pro Woche» auf einer Strecke von drei bis vier Kilometern in seiner Wohngemeinde umher. «Ich war zu faul, um zu laufen und hoffte, dass ich auf diesen kurzen Strecken nicht erwischt werde», sagte er.

Vor gut einem Jahr wollte ein Freund mit ihm ein Bier trinken gehen. Wiederum nahm der Angeklagte das Auto. Dabei betrug die Distanz zum Restaurant weniger als einen halben Kilometer. Zuhause hatte er bereits Weisswein getrunken, im Restaurant blieb es nicht bei einem Bier. «Zwei, drei werden es schon gewesen sein», sagte er. In seinen Sinnen habe er sich nicht beeinträchtigt gefühlt. 2,01 Promille sollte der Bluttest der Kantonspolizei später anzeigen.

Denn auf der kurzen Autofahrt nach Hause geriet der Beschuldigte prompt in eine Verkehrskontrolle. Die Richterin zitierte den Polizisten, der mit einer orangen Stablampe auf der Strasse stand: «70 Meter vor mir hat das Fahrzeug abrupt abgebremst, danach fuhr es im Schritttempo auf mich zu. Es schien, als ob der Fahrer einen Weg an mir vorbei suchte, das Auto bewegte sich seitlich leicht hin und her.»

Polizist sprang zur Seite

Der Angeklagte wusste, dass er eigentlich nicht fahren durfte: «Ich wollte mich einfach der Kontrolle entziehen.» Obwohl ein Polizist auf der Strasse stand, hielt er sein Fahrzeug nicht an. Der Beamte sprang zur Seite, das Fahrzeug wich aufs Trottoir aus und rollte im Schritttempo einen halben Meter am Polizisten vorbei. «Ich hab sicher niemanden gefährden oder gar verletzen wollen.» An den Sprung des Polizisten konnte er sich vor Gericht nicht mehr erinnern. «Ich hätte gebremst, wenn der Beamte stehengeblieben wäre», sagte er. Als er an der Kontrolle vorbei war, beschleunigte er wieder. Wenige Hundert Meter später war er zu Hause. «Es war so doof, ich wusste genau, dass ich hinter meiner Wohnungstür auf die Polizei warten kann», sagte er rückblickend. Wenige Minuten später wurde er verhaftet und sein Auto beschlagnahmt.

Acht Monate bedingte Haft

Die Staatsanwaltschaft forderte für Fahren ohne Ausweis, Fahren in angetrunkenem Zustand, vorsätzliche grobe Verletzung der Verkehrsregeln und einer versuchten Vereitelung einer Alkoholkontrolle eine bedingte Haftstrafe von acht Monaten während einer Probezeit von vier Jahren. Ausserdem sollte eine bedingte Geldstrafe in der Höhe von 1800 Franken aus dem Jahr 2013 in eine unbedingte umgewandelt werden. Die Probezeit von vier Jahren wurde aufgrund des aktuellen Vergehens nicht eingehalten. Das erste Urteil von 2004 war für den aktuellen Fall nicht mehr relevant.

Das Gericht erhöhte in seinem Urteil die Probezeit um ein wei­teres Jahr auf die Maximaldauer von fünf Jahren. Als «allerletzte Chance» bezeichnete die Richterin das Urteil. Sie betonte, dass er den Polizisten durch sein Manöver gefährdet habe, auch wenn das nicht seine Absicht gewesen sei. Bedingung für die bedingte Haftstrafe ist die Teilnahme am Lernprogramm Training für alkoholauffällige Verkehrsteilnehmer (TAV) und an den Nachkon­trollgesprächen beim Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich. Am TAV hatte der Angeklagte bereits nach der Verurteilung 2004 erfolgreich teilgenommen und blieb danach sieben Jahre straffrei. «Sie haben das schon einmal geschafft, wir glauben an Sie.»

Ausserdem muss er sich bei einer entsprechenden Institution einer fachtherapeutischen Behandlung unterziehen, um sein Alkoholproblem in den Griff zu kriegen. Bricht er die Behandlungen ab, muss er mit einem Vollzug der Haftstrafe rechnen.

Die Kosten für die Verhandlungen übernahm das Gericht einstweilen auf die eigene Kasse, da der arbeitslose Sozialhilfeempfänger derzeit über wenig Einkommen verfügt. Das Auto wurde vom Staat verwertet. «Wenn Sie jemals wieder Auto fahren möchten, müssen sie trocken sein», sagte die Richterin und fügte hinzu: «Ich sage Ihnen ade, nicht auf Wiedersehen.» (Landbote)

Erstellt: 16.02.2017, 16:55 Uhr

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