Bassersdorf

Einigung macht nur halb glücklich

Die Begegnungszone im Dorfzentrum bleibt befahrbar und die Parkplätze sollen neu angeordnet werden. Darauf hat sich eine breit abgestützte Arbeitsgruppe im Grundsatz geeinigt. Nun liegt es am Gemeinderat, dies umzusetzen. Doch nicht alle sind zufrieden, so gibt es weiterhin Kritik.

Die Parkplätze (links) sollen neu längs angeordnet werden.

Die Parkplätze (links) sollen neu längs angeordnet werden. Bild: Sibylle Meier

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Die Lösung im Parkplatzknatsch von Bassersdorf klingt simpel: Neu soll im Zentrum längs parkiert werden, nicht mehr quer zur Fahrtrichtung. Die zwölf bisherigen Parkplätze auf dem Postplatz werden in vier Längsparkfelder umgewandelt, die restliche Fläche begrünt. Weitere sechs Parkplätze werden separat entlang der Strasse markiert.

Ausserdem ist geplant, die Portale an den Zufahrten zum Dorfkern besser zu kennzeichnen. ­Damit soll den Automobilisten unmissverständlich angezeigt werden, wo die Begegnungszone genau beginnt. Dazu seien auch bunte Gestaltungselemente auf dem Belag geplant. Diese Neuerungen verkündet der Gemeinderat in seiner Mitteilung zum Abschluss der Verhandlungen des runden Tisches Postplatz.

Drei Sitzungen waren einberufen worden. Der Gemeinderat hatte dazu die unterschiedlichsten Teilnehmer eingeladen. Somit sassen Anwohner, Gewerbetreibende, politische Parteien, Petitionäre, Inputgeber, Verkehrsplaner, Polizei und Verwaltung sowie einzelne Gemeinde­räte am runden Tisch.

Vieles bleibt allerdings beim Alten. Die Begegnungszone wird weiter bestehen und auch die Parkgebühren auf den künftig nur noch zehn statt zwölf oberirdischen Parkplätzen gelten weiterhin ab der ersten Minute. Der Behindertenparkplatz vor der Apotheke wird dort belassen.

Manch eine Idee abgewiesen

Weiter wird auch kein Einbahnverkehr eingeführt. Alle Strassen rings um Post und Bank herum bleiben weiterhin im Gegenverkehr befahrbar. Die Einbahnargumente hielten dem erklärten Ziel der Behörden, mehr Sicherheit zu schaffen, nicht stand, heisst es in der Mitteilung des Gemeinderates. Die verkehrstechnische Abteilung der Kantonspolizei, die für Strassensigna­lisationen zuständig ist, hatte mehrere solche Vorschläge von manchem Vertreter am runden Tisch abgewiesen.

In einer Facebook-Gruppe zum Thema Postplatz hatte namentlich der 25-jährige Bauzeichner Ylli Doko genau so ein Regime mit Zufahrt nur von der Dorfstrasse zum Postplatz vorgeschlagen, wo er die Parkplätze schräg angeordnet hätte, damit der Parkverkehr nur in eine Richtung rollen würde. «Ich war nicht der Einzige mit dieser Idee. Wir diskutierten lange darüber. Aber die Polizei meinte, dass ein Einbahnregime in einer Begegnungszone prinzipiell nicht gehe und schräge Parkplätze statistisch gesehen gefährlicher seien als längs angeordnete.»

Auch die SVP hätte sich ein Einbahnregime und schräg gestellte Parkfelder gewünscht, gibt Ortsparteipräsident Dieter Scheuermeier zu verstehen. Dennoch könne er mit der getroffenen Lösung leben. Ob das Zentrum nun sicherer werde, bezweifelt er. Denn auch seitliche Parkfelder führten zu gefährlichen Parkiermanövern. Überhaupt sei man bei der SVP etwas irritiert von der kurzfristigen Verkündung der Einigung eineinhalb Wochen vor den Kommunalwahlen. «Das ist wohl wahltaktisch so angesetzt», vermutet Scheuermeier. Die bisherigen Gemeinderäte, die den ganzen Knatsch im letzten Sommer mit den Steinquadern und der Sperrung des Postplatzes erst verursacht hätten, könnten sich so gar noch als «lösungsorientiert» inszenieren.

Viel Unmut – und Hoffnungen

Gemeindepräsidentin Doris Meier (FDP) weist diesen Verdacht zurück: «Die Terminsuche fand unter den Beteiligten statt, die Beschlussfassung im Gemeinderat wird nach den Wahlen sein.» Sie betont indes, wie am Ende über zwei Varianten gerungen wurde. «Nach drei intensiven Sitzungen waren sich fast alle einig, dass die bestmögliche Lösung gefunden worden ist.» Wie viel diese etwa kostet, sagt sie aber nicht. Nur so viel: «Es fand eine Kostenabschätzung statt, die nun verfeinert wird und auch abhängig davon ist, welche Umsetzungsmassnahmen der Gemeinderat beschliesst.»

Gar nicht zufrieden ist die Linke. Bei der Schlussabstimmung habe sich der SP-Vertreter als Einziger der Stimme enthalten und vehement gegen die getroffene Entscheidung protestiert. In ihrer Mitteilung halten die Sozialdemokraten mit Kritik denn auch nicht zurück. «Das Resultat bleibt unausgewogen und einfallslos.» Ausserdem sei die Gruppenzusammensetzung, die Moderation sowie Methodik zur Lösungsfindung «falsch gesetzt» gewesen. «Der Langsamverkehr, der Vortritt geniessen sollte in der Begegnungszone, bleibt durch unberechenbare Parkmanöver weiterhin stark beeinträchtigt», kritisiert die SP. Zudem fehle es noch immer an einer gestalterischen Verbindung zwischen dem Platz vor der Bank und der Post sowie dem Dorfplatz.

Begegnungszone mit neuen Längsparkfeldern (Quelle: Maps.zh.ch)

Viel positiver tönt es vom Apotheken-Inhaber Heinz Thürig. «Wir begrüssen die nun gefundene Lösung. Alle relevanten Beteiligten haben einen Schritt aufeinander zugemacht.» Zudem sei nun ein vernünftiger Kompromiss erzielt worden, der alle Bedürfnisse bestmöglich berücksichtige. «Die Lösung dient dem Gewerbe, den Anwohnern und ­allen Verkehrsteilnehmern der Begegnungszone», findet Thürig.

Von den Verantwortlichen waren bislang keine genauen Pläne oder Skizzen erhältlich. Man wolle bei der Umsetzung nicht auf einzelne Striche und deren Lage auf irgendeiner Skizze behaftet werden, war gestern aus dem Gemeindehaus zu hören. Aus der offiziellen Mitteilung und den mündlichen Erklärungen geht jedoch hervor, wie die Parkfelder künftig ungefähr angeordnet sein dürften (siehe Plan).

Edi Hofmann, ein sogenannter Inputgeber am runden Tisch, meint: «Ein positives Ergebnis ist, dass über die heute getroffene Lösung in einem Jahr Bilanz gezogen wird und Optimierungen zugelassen werden.» Genauso tönt es auch von der SVP und auch Ylli Doko hofft auf mögliche Nachbesserungen, falls dies nötig würde.

Erstellt: 05.04.2018, 00:06 Uhr

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