Freienstein-Teufen

Fiktives Volkstribunal arbeitet echte Verbrechen auf

«Das Kongo Tribunal» des Schweizer Theaterregisseurs Milo Rau ist ein Dokumentarfilm, der die Kriegsverbrechen im Kongo aufarbeitet. Produzent Olivier Zobrist stellte den Film im Neuen Kino Freienstein vor.

Obwohl das Tribunal nur fiktiv war, sagten einige Zeugen aus Angst vor Repressalien nur anonym aus.

Obwohl das Tribunal nur fiktiv war, sagten einige Zeugen aus Angst vor Repressalien nur anonym aus. Bild: Vinca Film

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Der seit 20 Jahren andauernde Kongokonflikt ist einer der blutigs­ten Wirtschaftskriege der Menschheitsgeschichte. Rund sieben Millionen Menschen sind ihm zu Opfer gefallen. Eine korrupte Regierung, verschie­dene Rebellenmilizen und Inter­essen von internationalen Rohstoffunternehmen sorgen für eine ­totale Straflosigkeit im Land und für Armut in der Bevölkerung.

Der Trailer zum Film (Quelle: Youtube)

Dabei wäre der Kongo reich, denn kaum ein Land hat mehr Bodenschätze. Vor allem in der östlichen Provinz Kivu ­be­findet sich das weltweit ­reichste Vorkommen an Coltan, das für Elektro­geräte benötigt wird.

In den Osten ist 2015 der Schweizer Theaterregisseur ­Milo Rau gereist, um ein einzigartiges Projekt zu verwirklichen. In seinem Dokumentarfilm «Das Kongo Tribunal» hält er ein einmaliges ziviles Volkstribunal ab und lässt zum ersten Mal Zeugen und Opfer, Vertreter von Interessengruppen, Analytiker, Aktivisten zu Wort kommen. Mitproduziert wurde der Film von der Schweizer Produktionsfirma Langfilm, die Olivier Zobrist mitführt. Im Neuen Kino Freien­stein zeigte er das Werk über 70 Besuchern.

Rohstoffkrieg und Massaker

Im Film werden von Rau sym­bolisch drei von unzähligen Fällen von Verbrechen gegen die Bevölkerung behandelt. Zu Wort kommen Experten wie Anwalt Jean-Louis Gilissen, der schon am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gegen Verbrechen in Kongo vorging, und der Schweizer Soziologe Jean Ziegler sowie kongolesische Untersuchungsleiter, Anwälte und Aktivisten.

Im Fall Banro geht es um die Frage, ob das kanadische Bergbau­unternehmen Banro, wel­ches seit Jahren im Ostkongo Gold abbaut­, von der politischen Instabilität während des Krieges pro­fitiert hat. Der zweite Fall han­delt ebenfalls von internatio­nalen Interessen und erörtert, inwie­fern Men­schen­rechts­ver­letzun­gen durch Unternehmen toleriert und nicht belangt werden­, weil Kongos Rohstoffe für Europa unerlässlich sind.

Es kommen einfache Menschen zu Wort, die von Zwangsumsiedlungen und Massen­entlassungen nach der Minenübernahme der Konzerne brutal betroffen wurden oder denen durch vergiftete Umwelt wegen der Rohstoffverarbeitung jegliche Lebensgrundlagen genommen wurden. Lokale Vertreter von Minenarbeitern und poli­tische Aktivisten berichten von einem undurchdringlichen Netz an Korruption und Ignoranz zuguns­ten der Mächtigen. Der dritte Fall berichtet von einem Massa­ker an der Bevölkerung des Dorfes Mutarule, wo in der Nähe sowohl die UNO-Mission wie das kongolesische Militär sta­tio­niert waren und in keiner Weise eingegriffen haben und auch später jegliche Verantwortung an einer Mitschuld abstritten.

Plattform für Opfer

Produzent Olivier Zobrist sprach nach dem Film über die eindrücklichen Premieren im Kongo, an die er mitgereist sei. «Die Reaktionen haben uns überwältigt.»

In dem Film gehe es nicht hauptsächlich um Verurteilung, da es ja ein fiktives Tribunal sei, «sondern darum, den Menschen eine Plattform zu geben, über ihre Situation und Erlebnisse zu reden und zu wissen, dass sie zum ersten Mal auch angehört werden». Es laufen Bestrebungen in Zusammenarbeit mit den kongole­­si­schen Untersuchungsleitern, weitere solche Tribunale für die Bevölkerung entstehen zu lassen. Auch kleinere Konsequenzen gab es seitens der Regierung. Zwei lokale­ Minister, die im Tribunal aussagten, wurden kurz darauf entlassen. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 11.01.2018, 09:27 Uhr

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