Lindau

«Ich baue Krippen, wie es in der Bibel steht»

Seit 40 Jahren baut Hanspeter Beer Krippen. Nun geht er in Pension und verkauft seine letzten Werke.

Ob aus Holz oder aus Wurzeln, Hanspeter Beers Krippen sind schlicht, aber mit stimmungsvollen Details.

Ob aus Holz oder aus Wurzeln, Hanspeter Beers Krippen sind schlicht, aber mit stimmungsvollen Details. Bild: Marc Dahinden

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«Ich bin ein simpler Krippenbauer», sagt Hanspeter Beer über sich selbst. Seine handgemachten Krippen sind aus Holz gezimmert und mit einem kleinen Lämpchen ausgestattet. «Bei mir gibt es keinen Schnickschnack wie Schnee oder ähnliches.» Denn Schnee hätte es bei Josef und Maria ohnehin nicht gegeben. «Ich baue Krippen, wie es in der Bibel steht», sagt Beer.

Nach 40 Jahren soll nun aber Schluss mit dem Krippenbauen sein. «Die Zeit ist reif, damit aufzuhören.» Seine letzten 40 Krippen verkauft der Pensionär nun zu günstigen Preisen, wie er selbst sagt. «Ich möchte vor allem, dass sie in gute Hände kommen.» Für Beer steht sozusagen die zweite Pension an, jedoch nicht ganz freiwillig: «Aus gesundheitlichen Gründen gebe ich mein Hobby jetzt auf.» In letzter Zeit musste der Krippenbauer immer häufiger wegen seiner Diabetes ins Spital. «Jetzt möchte ich die Zeit einfach noch etwas mit meiner Frau geniessen.»

Mit viel Liebe zum Detail baute Hanspeter Beer seine Krippen. Bild: mad

Alle Krippen stehen aber nicht zum Verkauf. «Eine Wurzelkrippe möchte meine Frau nicht mehr hergeben.» Dafür hat Beer im Wald eine Wurzel mit dem Bickel ausgegraben und sie dann mit einem Hochdruckreiniger auf Vordermann gebracht. Es ist das zweite Jahr, in dem die Krippe zu Beers Weihnachten dazugehört.

Etwas beisteuern

Die zu verkaufenden Holzhäuschen stehen im Hausgang des alten Bauernhauses. «Wir liefern auch Figuren dazu», sagt Beer. Das sei nicht üblich, aber ein netter Service für seine Kundschaft. «Weil die Nachfrage da war, fing ich an, Figuren in verschiedenen Grössen dazuzukaufen.»

Auch Krippenfiguren bietet Hanspeter Beer an. Bild: mad

Schon in der Schule ging der heute 75-Jährige am liebsten in den Handwerksunterricht. Zum Krippenbauen habe ihn aber seine Frau inspiriert. «Sie hat immer so schöne Gestecke mit Kerzen und Weihnachtskugeln gemacht. Da habe ich mir gedacht, ich könnte auch etwas beisteuern.» Mit seinen ersten Werken ging Beer an eine Weihnachtsausstellung in Bischofszell: «Ich war überrascht, wie gut es lief.» Innerhalb weniger Stunden seien alle seine Krippen weg gewesen. «Da wusste ich, jetzt muss ich richtig loslegen.»

Drei bis fünf Tage arbeitete der Pensionär jeweils an den Holzhäuschen, je nach Grösse konnte es auch mal länger dauern. «Wenn ich nicht mehr weiter kam, habe ich eine Pause eingelegt.» Für sein Hobby hatte sich Beer extra ein Atelier gemietet.

Strahlende Augen

Auch der Glaube spielt beim Krippenbauer ein zentrale Rolle. «Ich hatte immer das Gefühl, es entsteht eine besondere Kraft, wenn ich in meinem Atelier gearbeitet habe.» Seine fertigen Werke erfüllen ihn mit Stolz. «Besonders wenn ich strahlende Kinderaugen sehe, die meine Krippen bewundern, erfüllt mich das.»

Hanspeter Beer baut seine Krippen nicht nur aus Holz, sondern verwendet auch Wurzeln. Bild: mad

Weihnachten ist für Beer eine besinnliche Zeit. Auch das Guetzlibacken darf dabei nicht fehlen. «Meine Frau macht den Teig und ich helfe beim Ausstechen.» Natürlich dürfen auch die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum nicht fehlen. Dieses Jahr wünscht sich Beer allerdings etwas, das nicht verpackt werden kann: «Mein grösster Wunsch diese Weihnachten ist Gesundheit.»

Krippenverkauf: Hanspeter Beer verkauft seine letzten Krippen an der Dorfstrasse 43 in 8410 Grafs­tal. Telefon: 052 233 32 55

Erstellt: 29.10.2019, 17:01 Uhr

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