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Mit Menschlichkeit der Gewalt trotzen

«Disturbing the Peace» heisst ein Dokumentarfilm über die Mitglieder der «Combatants for Peace». Er berichtet von ihrer Vision eine friedvolle Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts zu bewirken. Am Montag bewegte er die Besucher des Neuen Kinos in Freienstein zutiefst.

Die Mitglieder der «Combatants for Peace» (hier die palästinensische Seite) am Zaun, der Westjordanland und Jerusalem trennt, an der friedlichen Demontration im Jahr 2014 während des Gaza Krieges.
Die Mitglieder der «Combatants for Peace» (hier die palästinensische Seite) am Zaun, der Westjordanland und Jerusalem trennt, an der friedlichen Demontration im Jahr 2014 während des Gaza Krieges.
zvg

Im Zentrum stehen Suliman, Chen, Shifa, Mohammed, Jamel, Avner und andere aussergewöhnliche Menschen, die einer einmaligen gesellschaftlichen Bewegung in Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten angehören – «Combatans for Peace», in der sich ehemalige Kämpfer von beiden Seiten für eine gewaltfreie Lösung des Konflikts einsetzten. Viele von ihnen sind Gründer der 2006 entstanden Bewegung. 2017 wurde sie für den Friedensnobelpreis nominiert und an ihren Demonstrationen inzwischen Tausende Menschen zählen kann.

Die beiden amerikanischen Regisseure Stephen Apkon und Andrew L. Young drehten während zweieinhalb Jahren den Dokumentarfilm «Disturbing the Peace» (2016, Den Frieden stören) über die Combatans for Peaceund ihren Einsatz. Apkon, der für das Human Rights Festival nach Zürich gereist war, nahm die Einladung des Fördervereins Neues Kino an, und zeigte seinen Film am letzten Montag in Freienstein vor knapp 50 Besuchern.

Erschütternde Erzählungen

Archivmaterial von nie endenden Vergeltungsschlägen beider Seiten, Interviews mit den Beteiligten und nachgespielte Szenen aus ihrem Leben wurden zu einer Collage im Film zusammengefügt, welche die Unbeugsamkeit dieser Menschen gegen scheinend allmächtige und uneinsichtige politischen Mächte ausdrücken.

Alle Beteiligten, ob ehemalige Terroristen oder Elitekämpfer der Israelischen Armee erzählen «Disturbing the Peace» von den erschütternden Erfahrungen, die sie an der Möglichkeit einer gewaltsamen Lösung zweifeln liessen. Sie sahen, wie Blutlachen von Kindern vom Boden aufgewischt wird, haben getötet und führten Befehle aus, die sie am Sinn der akzeptierten Realität zweifeln liessen.

«Ziel des Filmes ist es, zu versuchen zwei angeblich polarisierende Narrative im selben Raum darzustellen.»

Stephen Apkon, Regisseur

Oder Jamel, der als 16-jähriger den Tod seines zwei Jahre jüngeren Bruder miterleben muss, als dieser während der Ausgangsperre vom Israelischen Militär von einenm Schuss in den Rücken getroffen wird. Er erzählt von seiner Mutter, die am Fernsehen die israelischen Mütter der an einer Schule getöteten Kinder beweint, weil «der Schmerz jeder Mutter gleich sei.»

Chen und Avner erzählen von ihren Erfahrungen im israelischen Militär und der Unsinnigkeit von Befehlen, die über dem Leben von Kindern und Menschenwürde stehen.

Status Quo durchbrechen

Viele Besucher in Freienstein bedankten sich bei Regisseur Stephen Apkon für die unparteiische Darstellung des Konflikts. Ziel des Films sei, sagte Apkon, zu versuchen «zwei angeblich polarisierende Narrative im selben Raum darzustellen.» Denn alle Beteiligen hätten erkannt, dass man dem Gegenüber Menschlichkeit zusprechen müsse, um den Kreis der Gewalt zu durchbrechen und diese Gemeinsamkeit der Nährboden für eine gewaltfreie Lösung sei. Er hoffe, mit dem Film eine andere Sicht auf den Konflikt zu ermöglichen. An allen Filmvorführungen im Nahen Osten sei es zu berührenden Begegnungen beider Seiten gekommen.

Der Titel der Dokumentation bezieht sich auf einen im Film gezeigten Vorfall an einer friedlichen Demonstration während des Gaza-Krieges 2014. Nachdem sich beide Konfliktparteien nach einem Treffen an der Mauer in Westjordanland verabschiedet hatten und ihres Weges ziehen wollten, fuhr das israelische Militär vor und verhaftete von der israelischen wie auch der palästinensischen Gruppe je eine Person. Die Begründung – «disturbung the peace», also Friedensstörung. «Man fragt sich dann, wessen Frieden sie den stören», bemerkte Apkon und hatte auch gleich die Antwort darauf. «Den des Status Quo, der den Mächtigen die Macht sichern will.»

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