Embrach

Jagdschiessanlage Embrach: «Es ist ein schwieriges Gebiet dort»

Trotz gegenteiliger Bekundungen geht der Jagdschiessbetrieb in den geschützten Tössauen bei Embrach weiter. Aber der Kanton kündigt an, dass bald ein erster Teil des Gebiets saniert wird.

Schrothülsen und Bruchstücke von zerschossenen Tontauben liegen in den Tössauen, bei der Embracher Jagdschiessanlage Au tonnenweise verstreut herum.

Schrothülsen und Bruchstücke von zerschossenen Tontauben liegen in den Tössauen, bei der Embracher Jagdschiessanlage Au tonnenweise verstreut herum. Bild: Marc Dahinden

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Es hätte das Ende sein können. Ruhiger geworden ist es zwar, seit die Jäger ihre letzten Schiessübungen für dieses Jahr absolviert haben. Doch der Betrieb der Jagdschiessanlage Au, in einer bewaldeten Flussbiegung unterhalb von Embrach gelegen, geht in eine weitere Verlängerung.

Noch zu Beginn dieses Jahres hiess es, die dringend sanierungsbedürftige Anlage werde per Ende 2019 geschlossen. So hatten es Gemeinde und Kanton ausgemacht, nachdem schon der Schliessungstermin Ende 2015 nicht eingehalten wurde. Nun steht auf der Startseite der Schiessanlage im Internet in grosser roter Schrift über einer fast schon idyllischen Ansicht des verschneiten Areals aber: «Winterpause bis 3. März 2020.»

Bis die bundesrechtlich geschützten Tössauen vom Blei der verschossenen Munition aus über 50 Jahren Jagdschiessbetrieb gänzlich befreit sein werden, wird es noch Jahre dauern. Der Verein Pro Tössauen kritisiert schon lange, dass in so einem sensiblen Gebiet überhaupt noch geschossen werden darf. Aufsichtsbeschwerden seien im Sand verlaufen und noch immer türme sich der giftige Müll zerschossener Tontauben bis zu einem halben Meter hoch im Schutzgebiet. «Es ist ein Katastrophe», wettert Marianne Trüb, die sich an vorderster Front für die Tössauen einsetzt. «Es gibt viel zu viele Hintertürchen hier», reklamiert sie und zeigt sich enttäuscht, dass trotz grünem Regierungsrat bislang keine merkliche Verbesserung der Situation erkennbar sei.

Bis zur definitiven Stilllegung wird noch manch ein Schuss abgefeuert in der Au. Das hatte der Kanton bereits in einer Mitteilung am 1. April dieses Jahres eingeräumt. Denn man ist auf diesen Ort dringend angewiesen, weil die Zürcher Jäger regelmässig ihre Schiesstauglichkeit beweisen müssen. Nach der Schliessung anderer Standorte dient die Unterländer Anlage als wichtigster Übungsplatz.

Kein Tontaubenschiessen mehr

Dennoch wird nicht mehr wie bis anhin weiter geschossen an der Töss. So gibt es kein Tontaubenschiessen mehr vor Ort. Diese olympische Sportdisziplin «Trap» ist auch unter Sportschützen sehr beliebt. Der Leiter der Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich, Urs Philipp, geht für Embrach von einer Reduktion der Schusszahlen um rund 70 Prozent aus.

«Wir machen jetzt einen grossen Schritt vorwärts», ist er überzeugt. Am Donnerstag liess die kantonale Baudirektion, zu welcher sein Bereich gehört, verlauten, dass eine erste Etappe der Sanierung der Schiessanlage Au auf gutem Weg sei, bald umgesetzt zu werden. So hat die Zürcher Regierung die erforderlichen 14 Millionen Franken als gebundene Ausgaben bereits Ende November bewilligt.

«Alle Signale auf grün»

In Kürze soll die Auftragsvergabe an eine qualifizierte Totalunternehmung erfolgen. Angebote lägen bereits vor. «Es ist ein schwieriges Gebiet dort», sagt Philipp, «aber alle Signale stehen nun auf grün».

Noch in diesem Winter soll die Auftragsvergabe erfolgen, damit bis im Frühling 2020 ein konkretes Projekt erarbeitet und das erforderliche Baugesuch eingereicht werden kann. Falls alles klappt, würden im Herbst 2020 die eigentlichen Sanierungsarbeiten beginnen. Diese erste Etappe dürfte ein Jahr dauern. Da, wo weiter geschossen wird, lässt der Kanton ausserdem provisorische Kugelfänge errichten, damit keine Munition mehr im Boden landet.

Von Bülach abhängig

Auf die komplette Sanierung wartet man aber noch länger. Voraussichtlich ab 2025 soll der restliche Sondermüll aus der Uferböschung der Töss und dem umliegenden Wald geholt werden. «Wenn die Anlage bereits stillgelegt sein wird», schreibt die Baudirektion dazu. Das ist jedoch vom Bauerfolg der Ersatzanlage Widstud in einer Kiesgrube bei Bülach abhängig. Die Planung gehe «zügig voran» und es liege ein rechtskräftiger Gestaltungsplan vor. Allerdings ist in Bülach mit Einsprachen zu rechnen, was die Einschätzung der Baudirektion etwas unrealistisch erscheinen lässt. Denn die rechnet bereits per Ende 2020 mit einem möglichen Baustart der umstrittenen Ersatzanlage.

Was macht den Leiter der Jagdverwaltung aber so sicher, dass es denn bis 2025 wirklich klappen wird mit der Stilllegung und Sanierung der Embracher Anlage? – «Das wurde mit den Gemeinden so festgelegt und die altlastenrechtliche Situation zwingt uns dazu.» Aber Philipp räumt auch ein, dass der Druck hoch sei und es keine Alternative gebe, falls das Neubauprojekt in Bülach scheitere oder länger blockiert werden sollte. «Wir haben keinen Plan B.»

Erstellt: 05.12.2019, 10:30 Uhr

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