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Todesschütze vom Asylzentrum bekommt wohl mildere Strafe

Zu neun Jahren Haft hat das Obergericht einen Schweizer Fitnessinstruktor verurteilt, weil er im Embracher Durchgangszentrum einen tunesischen Asylbewerber erschossen hatte. Nun hat sich der Schütze vor Bundesgericht erfolgreich gegen das Urteil gewehrt.

Hier erschoss ein Fitnessinstruktor im Dezember 2012 einen tunesischen Asylbewerber: Durchgangszentrum Embrach.
Hier erschoss ein Fitnessinstruktor im Dezember 2012 einen tunesischen Asylbewerber: Durchgangszentrum Embrach.
Fabian Boller

Mit zwei tödlichen Pistolenschüssen streckte ein Schweizer Fitnessinstruktor im Embracher Durchgangszentrum für Asylbewerber einen tunesischen Asylbewerber nieder. Der Vorfall ereignete sich am 1. Dezember 2012, beschäftigte nun aber das Bundesgericht. So wurde der zur Tatzeit 23-jährgie Schweizer in erster Instanz vom Bezirksgericht Bülach zu einer Haftstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilt.

Das Gericht ging von einer Notwehrsituation aus, weil der Tunesier nach einer verbalen Auseinandersetzung auf den Schweizer zugerannt war, und beurteilte die Schussabgabe als einen «Notwehr-Exzess». Sowohl der Täter wie auch die Staatsanwaltschaft zogen das Urteil danach ans Obergericht weiter. Dieses erhöhte die Gefängnisstrafe auf neun Jahre. So hätte der geübte Schütze das Notwehrrecht überschritten. Der Mann hätte einen Warnschuss abgeben oder auf die Beine des Angreifers zielen können, hielt die zweite Instanz fest.

Widersprüchliches Urteil

Der Schweizer legte danach beim Bundesgericht Beschwerde ein. Die Lausanner Richter hiessen diese nun teilweise gut. So hätte das Obergericht zwar anerkannt, dass der Täter seine Schüsse aus Angst unkontrolliert abgegeben hatte. Im Urteil ging es dann aber wieder von zwei gezielten Schüssen auf den Oberkörper aus. Diesen Widerspruch bemängelt das Bundesgericht in seinem Urteil.

Der Fall wird nun an das Zürcher Obergericht zurückgewiesen. «Die Vorinstanz wird unter Berücksichtigung ihrer tatsächlichen Feststellungen eine neue Strafzumessung vorzunehmen haben», schreibt das Bundesgericht. Damit kann der Fintessintruktor auf eine mildere Haftstrafe hoffen.

Fotos mit Waffe und Freundin

Hintergrund der Tat war damals offenbar ein Streit um die serbische Freundin des Täters. Diese lebte in der Asylunterkunft und fühlte sich vom Tunesier belästigt. Der Todesschütze zeigte sich von Anfang an geständig und gab an, in Panik geraten zu sein. Ein psychiatrisches Gutachten bescheinigte ihm tatsächlich eine verminderte Zurechnungsfähigkeit für den Moment der Schussabgabe.

Bis zu dem tödlichen Vorfall war der Täter ein Waffennarr, der leidenschaftlich entsprechende Videogames spielte. Auf Fotos liess er sich zudem stolz mit seiner Waffe und seiner Freundin ablichten.

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