Weinland

Für den Biber wird es bald zu eng im Weinland

Dem Biber gefällt es im Kanton Zürich, er breitet sich immer weiter aus. Vor allem im Norden sind die für den Biber günstigen Lebensräume bereits ziemlich voll. Deshalb wandert der scheue Nager nach Süden. Erstmals wurde auch ein Tier auf dem Gebiet der Stadt Zürich nachgewiesen.

Der Biber breitet sich im Kanton Zürich immer weiter aus.

Der Biber breitet sich im Kanton Zürich immer weiter aus. Bild: zvg / Christian & Bettina Kutschenreiter

Insbesondere im nördlichen Kantonsteil besiedelten in den letzten Jahren sowohl Einzeltiere als auch ganze Biberfamilien laufend neue Gewässerabschnitte. «80 bis 85 Prozent aller Biber im Kanton haben sich im Weinland angesiedelt», sagte Jürg Zinggeler von der Jagd- und Fischereiverwaltung am Dienstag in Neftenbach vor den Medien.

Inzwischen leben im Kanton Zürich gegen 400 dieser scheuen Nagetiere. «Der Bestand wird weiter zunehmen», sagte Zinggeler. Je mehr Gegenden revitalisiert würden, desto besser könne sich der Biber entwickeln und ausbreiten. Im Norden des Kantons sei das Potenzial für neue Reviere aber allmählich erschöpft.

Die Karte bietet einen Überblick zu allen Biberrevieren im Winter 2016/2017. Für genauere Informationen auf die Symbole klicken. Die roten Symbole stehen für Familienreviere, die grünen Symbole für Einzel-/Paarreviere. Quelle: Amt für Jagd und Fischerei Kanton Zürich.

Doch im Süden dürfte sich der einst ausgestorbene Nager in den nächsten Jahren weiter ausbreiten, wie das neuste Biber-Monitoring der Baudirektion zeigt. Alle drei Jahre lässt die Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich erheben, wo und in welcher Zahl sich Biber im Kanton angesiedelt haben.

Biber bei der Werdinsel

Während im Norden des Kantons die Anzahl Reviere stabil blieb, nahm sie im Süden zu. «Die Biber kommen entlang der Limmat vom Kanton Aargau her Richtung Zürich», sagte Zinggeler. So wurde bei der Werdinsel in der Stadt Zürich auch erstmals ein Tier auf städtischem Gebiet entdeckt. Vermutlich ein Einzeltier, wie Zinggeler sagte.

Er könnte ein Vorbote sein für weitere Tiere, die sich Richtung Stadt und See nähern. «Es ist eine Frage der Zeit, bis wir dieses Nagetier auch im Zürichsee antreffen werden», sagte der Adjunkt der Jagd- und Fischereiverwaltung. Auch die Sihl, die Reppisch, der Pfäffikersee und die Eulach sind bisher nicht besetzte Gewässer. Der Biber-Bestand stieg in den letzten drei Jahren um 29 Prozent auf rund 400 Tiere, die Zahl der Reviere kletterte um 22 Prozent auf 106. Damit hat die Population stärker zugenommen als in der Vorperiode. Die Zunahme der Reviere hat sich aber verlangsamt.

Neue Reviere entstanden im Einzugsgebiet der Glatt sowie entlang der Reuss, der Limmat und der Töss. Ganz neu besiedelt wurden die Kempt, die Töss oberhalb von Winterthur und der Bolsternbach bei Kollbrunn. Die freiwilligen Helferinnen und Helfer beobachteten dabei deutlich mehr neue Familienreviere als Einzel- beziehungsweise Paar-Reviere.

Kostengünstige Revitalisierung

Helfen Revitalisierungen dem Biber sich auszubreiten, ist er aber auch selber sehr aktiv in diesem Geschäft: «Er hilft uns, diese kostengünstig umzusetzen», sagte Wolfgang Bollack von der Zürcher Baudirektion. Und Urs Wegmann von der Biber-Fachstelle betonte: «Ausserdem trägt er einen grossen Teil zur Artenvielfalt bei.»

Mit seinen Hauptbeschäftigungen Bäume fällen, Stauen und Graben schafft der Biber Totholz und neue Gewässer - und damit Lebensräume für neue Tiere. «Überall, wo der Biber auftaucht, finden wir danach eine Vielzahl von Arten, die vorher nicht da waren», sagte Wegmann.

Als Beispiele nannte er etwa den Eisvogel, die Geburtshelferkröte, die Ringelnatter oder auch Wattvögel. Doch nicht immer gräbt und baut der zweitgrösste Nager Europas an Stellen, wo der Mensch es gerne hätte, wie der Leiter der Fachstelle erklärte. Dies könne auch zu Konflikten führen.

So untergräbt der Biber zuweilen auch Strassen und Wege. «Dann müssen wir ihn in die Schranken weisen», sagte Wegmann. In Neftenbach war dies etwa nötig, weil der Nager in den künstlichen angelegten Weihern der Strassenabwasserbehandlungsanlage zu stauen begann und damit das System durcheinanderbrachte.

Wie in der kanadischen Wildnis

Den Fachleuten gelang es, mit Hilfe von mit Kieselsteinen gefüllten Petflaschen, die über dem Zufluss des Weiher aufgehängt wurden, den Biber am Zugang zu hindern. Stattdessen baute er weiter vorne am Bach einen riesigen Damm, durch welchen ein neuer, natürlicher Weiher entstand. «Wie der Biber, sind auch seine Dämme geschützt», betonte Wegmann.

Als einmaliges Beispiel in der Schweiz für die Ansiedlung der Biber nannte er den im Waldstück Niederholz bei Marthalen in den letzten Jahren entstandenen Bibersee und die märchenhafte Auenlandschaft. «Da wähnt man sich fast in der kanadischen Wildnis», sagte Wegmann. (mst/sda)

Erstellt: 28.11.2017, 15:27 Uhr

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