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Die Schule könnte zum Stolperstein werden

Im Herbst stimmen die Stammertaler Gemeinden darüber ab, ob sie fusionieren sollen. Nun ist über die Zukunft der Schule ein offener Streit entbrannt, der die Fusion gefährden könnte.

Blick ins Stammertal: Werden die vier Gemeinden im Tal auf 2019 fusionieren?
Blick ins Stammertal: Werden die vier Gemeinden im Tal auf 2019 fusionieren?
Barbara Truninger

Kaum war die einstündige Präsentation zu den Fusionsabklärungen fertig, kam es zum Eklat. Er habe heute Abend zwei Hüte auf, sagte Christoph Farner am Informationsabend vom Mittwoch in Oberstammheim. Unzweideutig nahm er aber Stellung zum Entschluss der Stammertaler Behörden, im Herbst nur noch über eine Fusionsvariante abstimmen zu lassen. Nämlich über den Zusammenschluss der drei Politischen Gemeinden und der Schulgemeinde zu einer sogenannten Einheitsgemeinde. «Wenn wir mündig sind, dann brauchen wir keine Behörde, die uns das vorschreibt», sagte Farner, der sich eine zweite Variante ohne die Schulgemeinde wünscht. Und eine solche Wahlmöglichkeit sei einst auch versprochen worden, behauptete er.

«Haut mir den ‹Nuggi› raus»

Das Brisante: Christoph Farner ist nicht nur Oberstammer Bürger, sondern auch Mitglied der Stammertaler Schulbehörde, die an eben diesem Entschluss mitgewirkt hat. Doch mittragen will Farner ihn nun offensichtlich nicht: «Es haut mir den ‹Nuggi› raus, wenn ich höre, dass die Behörden unisono dieser Meinung gewesen seien», sagte Farner. Denn die Schulbehörde sei «nicht wahnsinnig scharf gewesen auf nur eine Variante». In einer Einheitsgemeinde ist es der Schule nämlich nicht mehr möglich, sich bei Bedarf mit einer benachbarten Schulgemeinde zusammenzuschliessen. Anschlussverträge oder Zweckverbände mit anderen Schulgemeinden wären aber nach wie vor möglich.

Es fehle etwas das «politische Sensorium», fuhr Christoph Farner fort. Denn die Bürger hätten das Recht, über zwei Varianten abzustimmen. Ausserdem: Bei der Fusion der drei Politischen Gemeinden ohne die Schulgemeinde seien nur drei statt vier Ja nötig. Ein Vorgehen in Etappen verringere also das Risiko, dass die Fusion als Ganzes scheitere. Und ein Zusammenschluss mit der Schule sei auch später noch möglich.

«Zu spät»

Der Auftritt von Christoph Farner sorgte für Ärger bei den Behörden der Politischen Gemeinden. Welchen Hut er denn heute Abend aufhabe, wollte Werner Haltner, Gemeindepräsident von Unterstammheim, von ihm wissen. Beide, antwortete Christoph Farner. Denn das Gesetz über die politischen Rechte und Pflichten richte sich sowohl an den Stimmbürger als auch an das Behördenmitglied. Die Behörden, fuhr Haltner fort, hätten sich entschieden, nur noch eine Fusionsvariante zur Abstimmung zu bringen. Und sie hätten dies auch schon mehrmals öffentlich kundgetan. Sie erhoffen sich bei einer Einheitsgemeinde mehr Synergieeffekte als wenn nur die drei Politischen Gemeinden fusionieren würden. Diesen Entscheid zum jetzigen Zeitpunkt noch umzukehren, «das ist meiner Meinung nach zu spät», sagte Haltner. Nach ihm ergriff auch Martin Farner, Gemeindepräsident von Oberstammheim, das Wort. «Mich verwundert es, dass ein Schulpfleger, der in einer Kollegialbehörde sitzt, sich hier drin so äussert zu diesem Thema.» Noch deutlicher wurde daraufhin Martin Farners Amtskollege aus Waltalingen, Martin Zuber. «Du wirfst uns vor, dass wir intransparent seien. Ich verwahre mich gegen diesen Vorwurf.» Sowohl in der Steuerungsgruppe als auch in der Behördenkonferenz sei man transparent und offen gewesen. Man habe zwar hart diskutiert. Aber jetzt zu sagen, man verheimliche etwas, «das ist eine Sauerei».

Die Diskussion um die Entwicklungschancen der Stammertaler Schule ebbte nicht ab. Bei der Frage, ob mit oder ohne die Schule fusioniert werden soll, sei «der Mist offenbar geführt», sagte ein weiterer Bürger. Es sei schade, dass den Stimmbürgern nicht zugetraut werde, über diese Frage zu entscheiden. Und wenn die Behörden in einer Einheitsgemeinde klare Vorteile sehen, dann bräuchten sie ja auch keine Angst vor einer Abstimmung mit zwei Fusionsvarianten zu haben, meinte er.

«Das fände ich schade»

«Sehr, sehr unglücklich» sei es, dass die Leute keine Wahl hätten, sagte ein weiterer Bürger. «Das ist ein emotionales Defizit.» Und die Fusion könnte deswegen scheitern, meinte er, «das fände ich schade». Auch ein weiterer Stimmbürger störte sich daran, nicht über zwei Fusionsvarianten abstimmen zu können – es seien schliesslich alles mündige Bürger.

Am 11. Mai wird es eine weitere Informationsveranstaltung geben, wobei das Thema Schule im Fokus stehen wird. Zudem werden Vertreter von Seuzach und Zell von ihren Erfahrungen mit der Einheitsgemeinde erzählen.

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