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Fast alle Hundehotels sind ausgebucht

Wer niemanden hat, der auf sein Haustier aufpasst, wird in Heimen oder Pensionen kaum mehr einen Platz finden. Freie Kapazitäten hat allenfalls noch der Vermittler im Internet.

Sarah Zellweger betreut in ihrer Pension in Kemptthal über die Sommerferien bis zu 35 Hunde.
Sarah Zellweger betreut in ihrer Pension in Kemptthal über die Sommerferien bis zu 35 Hunde.
Madeleine Schoder

In den Sommerferien sei am meisten Betrieb, sagt Sarah Zellweger, Besitzerin der Hundebetreuung Meissholz in Kemptthal. Seit gestern und bis Samstag trudeln bei ihr die Gäste ein für die erste Ferienwoche. «Wir sind ausgebucht», sagt Zellweger. Üblicherweise halte sie während der Schulferien einen ihrer 35 Plätze frei, für Stammkunden die spontan verreisten. Nicht aber im Sommer, sagt die Tierpflegerin und Tierarztgehilfin. Und wenn ausnahmsweise doch ein Platz frei werde, sei dieser normalerweise einen Tag später wieder besetzt.Herzzerreissende Szenen bei der Abgabe eines Hundes erlebe sie hie und da, sagt Zellweger. «Da gibt es schon mal Tränen.» Es seien oft die Kinder, die es dem Hund schwierig machten, weil sie ihn nicht loslassen wollten. Das Tier hingegen realisiere erst später, dass die Besitzer weg seien.

Auf dem Gelände einer ehemaligen Schreinerei hält Zellweger ihre Feriengäste in Gruppen. Das sei gleichermassen artgerecht und effizient, sagt sie. Hunde seien von Natur Rudeltiere und bildeten mit ihren Besitzern Ersatzrudel. Sie halte die Hunde deshalb auch während ihres Aufenthalts zusammen. «Bei mir darf ein Hund richtig Hund sein», sagt Zellweger. Die Tiere spielten viel und schmusten. «Ab und zu wird aus dem Spiel Ernst und aus dem Chiefeln ein Chrebel.» Echte Probleme gebe es aber nur selten. Im Gegenteil sei schon vorgekommen, dass ein Hund beim Abholen signalisierte habe, lieber da bleiben zu wollen, als nach Hause zu gehen, sagt Zellweger. Das sei aber die Ausnahme, zumeist gebe es ein Freudengeheul.

Volles Haus beim «Oberhaupt»

Die Belegung ihrer Pension schwanke stark, sagt Zellweger. Zwischen den Ferien gebe es Löcher. Ihren Betrieb führt sie seit bald 20 Jahren. Das sei auch möglich, weil ihr Mann selbstständig arbeite. «Er hilft mit, wenn viel Betrieb ist und arbeitet sonst für sich.» So – und dank treuer Kunden – sei es möglich, die Hundepension erfolgreich zu führen. Einen Ferienplatz gibt es bei Zellweger ab 29 Franken pro Tag.

Das ganze Jahr über kaum freie Plätze hat Beda Oberhänsli. Auch sein Konzept ist auf Gruppenhaltung ausgelegt. Oberhänsli lebt in Dorf in einem Bauernhaus mit viel Umschwung. Die Gasthunde und die eigenen Hunde dürfen Haus und Garten komplett in Beschlag nehmen. Dabei ist Oberhänsli das «Oberhaupt», sowohl seiner beiden Tschechoslowaischen Wolfshunde als auch der fünf bis acht Hunde, die er täglich betreut. Mit der ganzen Meute unternimmt er mal längere, mal kürzere Spaziergänge über Wiesen und Felder, abhängig vom Wetter und der Verfassung der Hunde. Dabei könne es schon einmal wild zu und her gehen, sagt Oberhänsli, etwa wenn ein junger Rüde seine Position in der Gruppe noch sucht.

Seine Ausbildung und die lange Erfahrung mit der Gruppenhaltung helfe, die Hunde kontrolliert zu führen, sagt Oberhänsli. Sein Konzept stösst auf grosse Nachfrage. «Ich bin seit Jahren ausgebucht», sagt der selbstständige Unternehmer. 100 Anfragen erhält Snoopys World jährlich, nur vereinzelt findet sich eine Lücke für ein Neumitglied. Er erkenne nach zwei, drei Minuten, ob ein Hund zu ihm und der Gruppe passe, sagt Oberhänsli. Zumindest zwei Tage und eine Nacht muss ein neuer Gasthund probeweise bei ihm gewesen sein, bevor er ihn für die Ferien aufnimmt.

Auch Oberhänsli erhält vor den Sommerferien mehr Anfragen. Kommende Woche betreut er neben den Tages- auch fünf Gasthunde, die alle seit Langem die Ferien bei ihm verbringen. Die günstigste Betreuung kostet 60 Franken pro Tag. Vergeben werden die freien Plätze weit im Voraus, bevorzugt an Stammkunden, sagt Oberhänsli. «Wer erst drei Wochen vor den Ferien nach einem Platz sucht, liegt falsch.»

Freie Plätze im Internet

Tierbetreuer mit freien Kapazitäten finden sich wohl am leichtestens noch via die Internetseite Care.com. 1800 Betreuerinnen und Betreuer aus der Region bieten laut Sprecher Dirk Kasten auf dem Vermittlungsportal ihre Dienste an. Wie viele davon Ferienhunde übernehmen, lässt sich nicht eruieren, doch geben die Betreuer Auskunft darüber in ihren Profilen. Die Kunden können die Betreuer bewerten, dazu auch mehr oder weniger Dankesworte schreiben. Durchschnittlich kostet eine via das Portal gebuchte Betreuerin 21 Franken pro Stunde, die Grundgebühr von 27 bis 99 Franken pro Monat geht an Care.com. Zu beachten ist, dass die Betreuer nicht beim Portal angestellt sind und Abmachungen etwa zu Haftpflicht- und Unfallversicherung direkt zwischen Betreuer und Tierbesitzer erfolgen. Laut Kasten wird aber kontrolliert, ob die Betreuer über die nötigen Ausbildungen und Bewilligungen verfügen.

Ohne Zeit keine Vertrauen

Als Tierbetreuer auch schon ganz kurzfristig Aufträge übernommen hat André Förster. Der Inhaber der Haustierbetreuung Home Alone aus Pfungen hat noch wenig Kapzität frei in den Sommerferien. Er bevorzugt es, wenn sich Kunden frühzeitig melden. «Es kann eigentlich gar nicht früh genug sein», sagt er. Ein Vorgespräch sei nämlich unverzichtbar. Etwas Vertrauen müsse ja da sein, bevor man einem Betreuer die Wohnungsschlüssel in die Hand drücke, damit dieser für die Katze oder das Meerschweinchen sorgt und die Pflanzen giesst, sagt Förster. Sei das Vertrauen aufgebaut und wisse ein Kunde sein Tier in guten Händen, dann könne dieser seine Abwesenheit auch mal kurzfristig mitteilen.

Home Alone bietet Hundespaziergänge (eine Stunde: 56 Franken) an, allerdings nicht wenn der Besitzer länger als ein Tag abwesend ist. Bei Katzen hingegen sei das kein Problem, sagt Förster. Er übernimmt Betreuungen von bis zu drei Monaten Dauer. Dabei würden nach Möglichkeit weitere Familienmitglieder und Nachbarn eingebunden, damit die Katze genügend Streicheleinheiten und Aufmerksamkeit erhält. Viele seiner Kunden seien froh, für die regelmässige Versorgung und fachgerechte Pflege einen Profi dabei zu haben, sagt Förster. Ausserdem sei es wichtig, dass eine Lösung organisiert sei, für den Fall dass die Betreuungsperson selbst aus irgendwelchen Gründen kurzfristig ausfalle. «Wir halten für jeden Auftrag Ersatz bereit.»

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