Klimademo Hettlingen

In Hettlingen ist fünf vor zwölf

Zum ersten Mal fand eine Klimademo in Hettlingen statt. Die Erwartungen der jungen Organisatorinnen wurden übertroffen.

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Irgendwo schreit ein Hahn. Die Strassen sind bis auf ein paar wenige Autos leer. Ein älteres Ehepaar macht gerade einen Spaziergang auf dem Feldweg. Und ein Radfahrer bringt das Brot vom Beck nach Hause. Die Gemeinde Hettlingen scheint an diesem Samstagmorgen noch etwas verschlafen zu sein. Eine junge Familie ist jedoch bereits auf den Beinen und geht den Weg zum Feuerwehrlokal.

Hier findet heute die erste Klimademo in Hettlingen statt. Schweizweit wird an 30 Orten auf dem Land demonstriert. Das Ziel: die Landbevölkerung für die Demos und Streiks zu mobilisieren.

Michèle von Allmen aus Hettlingen hat die Demo mitorganisiert und geleitet. (Video: Elena Willi)

Auf dem Platz vor dem Feuerwehrlokal in Hettlingen haben sich um 10 Uhr gut 100 Leute versammelt. Viele Familien mit Kindern, einige Jugendliche und betagtere Leute haben ihre selbstgebastelten Plakate mitgebracht und sind bereit, im 3000-Seelen-Dorf Lärm zu machen.

Dabei im eigenen Dorf

«Ich wünsche mir, dass die Kinder auch in Zukunft im Regen tanzen können», steht auf einem Plakat in Form einer Wolke, das ein Mann in die Höhe streckt. Seine Tochter ist eine der sechs Organisatorinnen, welche die Land-Demo in Hettlingen geplant haben. «Wir haben uns gegenseitig für dieses Thema begeistert», sagt der Vater. Allerdings habe er das Demonstrieren bis anhin seiner Tochter überlassen. «Im eigenen Dorf möchte ich aber dabei sein», sagt er.

«Ich wünsche mir, dass die Kinder auch in Zukunft im Regen tanzen können»Plakat an der Klimademo in Hettlingen

Ähnlich geht es anderen Hettlingerinnen und Hettlingern. «Es sind vor allem Leute aus dem Dorf erschienen», sagt Michèle vom Allmen, die die Demo leitet. Zuvor hatte sie auf 30 Personen gehofft, ihre Erwartungen wurden weit übertroffen. «Ich bin begeistert und auch nervös, weil so viele hier sind.»

Bereits vorab haben die Organisatorinnen mit vielen Familien gerechnet und deswegen ein kinderfreundliches Programm zusammengestellt. Anders als man es aus der Stadt kennt, werden vor dem Feuerwehrlokal keine langen Reden gehalten. Dafür tritt eine bebrillte junge Frau vor die Menge. Ihr Name ist Futura, sie kommt aus dem Jahr 2030.

Ein anderer Ort

«In 10 Jahren wird Hettlingen ein anderer Ort sein», sagt die Frau aus der Zukunft. Wenn wir den Klimawandel nicht aufhalten würden, werde man das überall auf der Welt spüren. Damit auch andere im Dorf etwas von der Bewegung mitbekommen, haben sich die Organisatorinnen einen Slogan ausgedacht: «Oooh, hey, Klimawandel ade!», rufen sie und die Menge macht es ihnen gleich.

Die Hettlingerinnen und Hettlinger spazieren zwar eher ruhig, doch von den Lärmmachern animiert, sind auch sie mit vollem Körpereinsatz dabei: «Ufe mit de Klimaziel», man streckt sich und dann folgt: «Abe mitem Co2», man geht in die Knie. Der Weg führt vorbei an der Primarschule, dann weiter zur reformierten Kirche. Auch der Kirchturm setzt ein Zeichen für den Klimawandel. Bis am Montag steht die Uhr dort auf fünf vor zwölf. «Die Organisatorinnen haben dafür einen Antrag bei der Kirchpflege gestellt, den wir gerne gutgeheissen haben», sagt die reformierte Pfarrerin Hettlingens Esther Cartwright, die ebenfalls mitdemonstriert.

Die Streikenden ziehen durch Hettlingen. (Video: Elena Willi)

Am Ende des Klimaspaziergangs findet sich die Truppe beim Brunnen in der Nähe des Volgs ein. Dort ergreifen die Organisatorinnen erneut das Wort: «Geht wählen und nehmt eure Verantwortung wahr», sagen sie an die Erwachsenen gerichtet. Die Parlamentswahlen im Oktober seien entscheidend für die Klimapolitik. Die Antwort der Menge ist ein grosser Applaus.

Erstellt: 31.08.2019, 14:28 Uhr

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