Wila

Inneren Bildern hat sie ein Gesicht gegeben

Mit ­Tierdarstellungen und Notenschulen für Kinder hat sich die Illustratorin ­Alexandra Fink einen Namen gemacht. Jetzt hat die Wilemerin eine Novelle ihres Bruders in Schabkartontechnik bebildert.

Die Sonne des Südens tut dem Protagonisten in Patrick Thalis Novelle gut. Im Zürcher Niederdorf hingegen wird er von Betrunkenen verlacht.

Die Sonne des Südens tut dem Protagonisten in Patrick Thalis Novelle gut. Im Zürcher Niederdorf hingegen wird er von Betrunkenen verlacht. Bild: Alexandra Fink

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Sie geben die Schauplätze der Geschichte «Die Krise» sehr atmosphärisch wieder. Waren Sie zum Arbeiten an den ­erwähnten Orten, in Zürich, in Porquerolles?
Alexandra Fink: Nein, ich war noch nie auf der südfranzösischen Insel, und auch für Zürich hatte ich Fotovorlagen. Mein Bruder hat mir eine Menge ­Material übergeben, weil ich die ­Orte realistisch darstellen wollte. Die Traumszenen sind aus meiner Vorstellung; sie sind unrealistischer. Ich kann gar nicht sagen, welche Technik mir besser gefällt: frei zu arbeiten oder ab der Vorlage, ich mag eigentlich beide.

Wie lange haben Sie für die 21 Illustrationen gebraucht?
Sie sind im letzten Winter entstanden, ins­gesamt habe ich zwei, drei Monate daran gearbeitet. Man kann sagen, dass ich fünf, sechs Stunden an einem Bild arbeite. Im Original ist es A5, also nicht viel grösser als im Buch.

Die Schwarzweissarbeiten ­erzeugen eine etwas ­beklemmende Stimmung.
Ja, ich fand, die Schabkartontechnik passt gut zu der melancholischen Geschichte, denn sie wirkt etwas düster. Heutzutage sind auch viele Comics so gestaltet. Ich finde die Wirkung des Schwarzweisskontrastes noch stark.

Wie genau funktioniert die Schabkartontechnik?
Man nimmt einen schwarzen Karton, den man so auskratzt, dass eine weisse Fläche erscheint. Ich musste die Technik etwas ausprobieren; am Schluss konnte ich es besser als am Anfang – was man dem Buch hoffentlich nicht ansieht! Ich musste herausfinden, welches Messerchen besser geeignet ist. Es wird schnell stumpf.

Der Text lag also schon fertig vor, als Sie begonnen haben.
Die Geschichte stand bereits. Sie beschreibt die Krise eines Mannes, der in seinem Alltag keinen Sinn mehr erkennen kann. Wir hatten schon länger die Idee, so etwas zusammen zu probieren. Mein Bruder hat mir den Text ­fertig übergeben, aber ich habe selbst die Stellen ausgewählt, wo ich fand, dass ein Bild passt.

Sie haben gar keine Buchvernissage gemacht.
Nein, wir haben unser gemeinsames Werk noch nicht der Öffentlichkeit vorgestellt. Wir sind beides Typen, die sich nicht darum reissen. Mit Blick auf die Kombination von Illustration und Novelle ist es ein Nischenprodukt, das zu machen uns aber beiden grossen Spass gemacht hat. (Landbote)

Erstellt: 13.02.2017, 16:05 Uhr

Die Krise

Das fünfte Buch des Zürchers Patrick Thali schildert das innere Dilemma eines Mannes auf Selbstfindung. Ein Versicherungsfachmann aus Zürich «erleidet» eine Scheidung. Er kann nicht allein sein und stürzt sich von einer Beziehung in die nächste, noch bevor er die vorhergehende verarbeitet hat. Der Erzähler kehrt seine Gedanken nach aussen und scheint einen Reifeprozess zu durchlaufen. Das ist literarisch schon eleganter beschrieben worden, die Geschichte entfaltet aber ihren Sog. Thali bietet dem Leser genügend Projektionsfläche, nicht zuletzt wegen der stimmungsvollen Ortsbeschreibungen. (gsp)

Patrick Thali: Die Krise Selbst publiziert bei Books on Demand, im Buchhandel erhältlich. 120 Seiten. 24,50 Franken.

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