Endlager

Endlager: Kanton und Regionalkonferenz zeigen Bund wegen Grundwasser die Zähne

Die Differenzen zwischen dem Kanton Zürich und dem Bund punkto Grundwasser und Endlager verschärfen sich – und werden ausgefochten.

In der Bildmitte ist das Waldstück Isenbuck zu sehen. Für das Tor zum Endlager dort müssten Teile des Waldes gerodet werden, was der Bund ablehnt. Im Hintergrund rechts liegt Benken, am oberen linken Bildrand ist ein Stück des Rheins zu sehen.

In der Bildmitte ist das Waldstück Isenbuck zu sehen. Für das Tor zum Endlager dort müssten Teile des Waldes gerodet werden, was der Bund ablehnt. Im Hintergrund rechts liegt Benken, am oberen linken Bildrand ist ein Stück des Rheins zu sehen. Bild: Heinz Kramer

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Gleich drei Bundesbehörden traten am Samstag an der vierstündigen Vollversammlung der Regionalkonferenz auf. Die Vertreter des Bundesamtes für Energie (Bfe), des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) sowie des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorates (Ensi) versuchten in Andelfingen, mit ihrem Argumentarium zum Schutz des Grundwassers zu überzeugen.

Ihr Argument: Das oberirdische Tor zum unterirdischen Endlager stelle keine besondere Gefahr für das Grundwasser dar, die ausserdem beherrschbar sei.

Wichtig und sehr wichtig

Daher stellt das Grundwasser für den Bund kein stärker zu gewichtendes Gut dar als etwa ein Waldstück, welches für das Tor zum Endlager allenfalls gerodet werden müsste. Auch lehnt er die Unterscheidung des Kantons Zürich zwischen wichtigen und sehr wichtigen Grundwasservorkommen, dem sogenannten strategischen Interessengebiet Trinkwasserversorgung, ab.

Der «Landbote» berichtete in der Freitagsausgabe ausführlich über das Grundwasser im Zusammenhang mit den Standortvorschlägen für das Tor zum Endlager. Die Regionalkonferenz wird im Februar 2020 über die Vorschläge der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) befinden.

Den Wortmeldungen aus der Vollversammlung nach zu urteilen, gelang es den drei Bundesvertretern am Samstag nicht, die Mehrheit der gut 100 Personen der Regionalkonferenz zu überzeugen. Vor allem der Vertreter des Kantons Zürich, Kurt Nyffenegger vom Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel), fand deutliche Worte gegen die Argumente der Bundesvertreter.

«Darum wehren wir uns»

Ob Basler Chemie, atomares Zwischenlager im Aargau oder der Zürcher Flughafen: In seinem Argumentarium nennt der Bund solche Beispiele, um zeigen, wie unproblematisch der Bau solcher Anlagen auch über dem Grundwasser sein soll.

Nyffenegger griff das Beispiel des Flughafens auf. Zwar liege dieser teils über Grundwasser. Doch sei das dortige Vorkommen «in keiner Art und Weise» so wichtig wie jenes des Rheingrundwasserstroms, das der Kanton Zürich als strategisches Interessengebiet festgelegt hat und daher besonders schützen will. «Da werden Äpfel mit Birnen verglichen, das geht gar nicht», ärgerte sich Nyffenegger. Man wolle das sehr wichtige Interessengebiet bei Rheinau im Sinne des Vorsorgeprinzips nicht mit einer solchen Anlage belasten, «darum wehren wir uns».

«Da werden Äpfel mit Birnen verglichen, das geht gar nicht.» Kurt Nyffenegger vom Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) an der Regionalkonferenz

Die Nagra machte im Frühling einen Standortvorschlag in dem Gebiet, obwohl die Regionalkonferenz diesen vor Jahren bereits abgelehnt hatte.

«Auf Granit beissen»

Argumentative Feuerunterstützung erhielt Nyffenegger als Vertreter des Kantons Zürich aus der Vollversammlung. So unterstützte zum Beispiel ein Konferenzmitglied aus dem Thurgau das Zürcher Anliegen, den Rheingrundwasserstrom höher zu gewichten und somit stärker zu schützen als kleinere, weniger wichtige Grundwasservorkommen.

Ein Miglied aus dem Kanton Schaffhausen meinte: Wenn man an anderen Orten das Vorsorgeprinzip massiv ritze, etwa für die Basler Chemie, «dann ist das kein Grund, es auch hier zu tun».

Und Andreas Jenni, Gemeindepräsident der direkt betroffenen Gemeinde Rheinau, prognostizierte den anwesenden Bundesvertretern: «Sie werden bei uns in der Grundwasserfrage auf Granit beissen.»

Wald wichtiger als Wasser?

In die Defensive gedrängt, argumentierten die Vertreter des Bundes mit den bestehenden Gesetzen, die in der ganzen Schweiz und für alle Bauten über Grundwasser gleich angewendet werden müssten. «Sonst wirft man uns Behördenwillkür vor», sagte der Bafu-Vertreter. Auch sei die Gewichtung der einzelnen Güter – «ein heisses Eisen» – nicht Sache der Verwaltung, sondern eine Frage des politischen Ermessens.

An der Vollversammlung war immer wieder von Wald die Rede und dessen Schutzwürdigkeit im Vergleich zum Grundwasser – aber warum?

Für die Antwort ist ein Blick zurück notwendig: Seit 2012 wurden mehrere Standorte für das Tor zum Endlager vorgeschlagen und wieder verworfen, darunter auch einer im Waldstück Isenbuck. Der Ort im Wald hätte zwei grosse Vorteile: Die Atomanlage läge nicht über zu schützendem Grundwasser. Und sie wäre, dank der Bäume aussenrum, kaum sichtbar.

Der Nachteil: Wald müsste gerodet werden, daher das Nein des Bundes. Es sollte, heisst es in seinem Argumentarium, «nicht Wald gerodet werden, nur um dadurch eventuell einer höchst unwahrscheinlichen Beeinträchtigung des Grundwassers ausweichen zu können».

Doch genau das forderte Kantonsvertreter Nyffenegger stellvertretend für viele Konferenzmitglieder: Wald könne man anderswo aufforsten, «das Grundwasser aber kann man nicht verpflanzen».

Erstellt: 16.11.2019, 17:05 Uhr

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