Verurteilt

Kindsmissbrauch im Elternbett

Wegen sexueller Handlungen mit Kindern stand am Dienstag ein Mann vor Gericht. Reue zeigte er nicht.

Ein Mann musste sich vor dem Bezirksgericht Münchwilen wegen Kindsmissbrauch verantworten.

Ein Mann musste sich vor dem Bezirksgericht Münchwilen wegen Kindsmissbrauch verantworten.

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Es ist Usus vor Gericht, dass dem Angeklagten nach den Plädoyers von Anklage und Verteidung die Möglichkeit gegeben wird, ein Schlusswort zu halten. Oft sind dann Entschuldigungen zu hören, Worte der Reue, bevor sich das Gericht zur Urteilsfindung zurückzieht. Nicht so am Dienstag beim Prozess wegen Kindsmissbrauch vor dem Bezirksgericht Münchwilen. Der angeklagte Familienvater sagte zwar knapp, er habe im Bezug auf seine Tochter einen «Seich» gemacht und sie liege ihm am Herzen. Dann aber beklagte er sich wortreich über seine 26 Tage in U-Haft, über die Kindesschutz-Behörden oder seine Existenzängste aufgrund von Zivilforderungen.

Dass er zuwenig Reue und Einsicht zeige, wurde ihm zuvor von der Thurgauer Staatsanwältin vorgehalten. «Er sieht sich als Sündenbock, bemitleidet nur sich selber», hiess es beispielsweise. Dabei bestritt er den gravierendsten Teil der ihm vorgeworfenen Taten nicht einmal.

«Er sieht sich
als Sündenbock,
bemitleidet nur
sich selber.»
Aus dem Plädoyer
der Staatsanwältin

Laut der Anklage hat der in der Region wohnhafte Mann in den Jahren 2013 und 2014 sexuelle Übergriffe gegen die eigene Tochter begangen. Das Mädchen, das damals am Übertritt in die Pubertät stand, legte sich jeweils am Morgen ins Elternbett. Der Vater zog die Tochter bei mehreren dieser Gelegenheiten nahe an sich, fasste ihr an die Scheide oder massierte ihr die Brüste. In einem Fall soll er seinen erigierten Penis zwischen ihre Pobacken gelegt haben. Die Tochter gab dem Vater laut Anklageschrift klar zu verstehen, dass sie dies nicht wolle. Er hörte jedoch erst auf, als sie jeweils aufstand und das Elternzimmer verliess. Weitere Vorfälle ereigneten sich im Zimmer der Tochter oder auch beim gemeinsamen Fernsehschauen. Bekannt wurde der Missbrauch, als die mittlerweile erwachsene Tochter wegen einer Depression und suizidalen Gedanken eine Klink aufsuchte und sich dort offenbarte, Jahre nach den Taten.

Auch den Sohn angefasst

Die Übergriffe bestritt der Mann, mit Ausnahme von Details, weder bei den vorgängigen Einvernahmen noch am Dienstag vor Gericht. Die Staatsanwältin machte ihm jedoch den Vorwurf, die Taten gleichzeitig zu relativieren. Die Tochter sei ja wieder ins Bett gekommen, sagte er. «Dann kann sie ja nicht so schockiert gewesen sein.»

Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann, der in Zürich einem gutbezahlten Job nachgeht, auch Übergriffe gegen den deutlich jüngeren Sohn vor. Auch dieser legte sich häufig ins Elternbett. In mindestens fünf Fällen soll der Vater dem Sohn dann an den Penis gefasst und die Vorhaut nach vorne und hinten geschoben haben. Der Beschuldigte räumte zwar auch diese Vorfälle ein, verneinte aber einen Zusammenhang mit der eigenen sexuellen Befriedigung. Es sei einzig darum gegangen, dies beim Sohn auszuprobieren und zu sehen, ob «alles in Ordnung» sei.

Genugtuung für Tochter

Dem widersprach die Richterin bei der Urteilsverkündung. Der Vater habe sowohl mit der Tochter als auch mit dem Sohn seine sexuellen Bedürfnisse befriedigen wollen. Das Gericht Münchwilen sprach den Mann, der noch immer mit seiner Frau und dem Sohn zusammenlebt, wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern schuldig. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt, allerdings bedingt mit einer Probezeit von zwei Jahren. Seiner Tochter muss er eine Genugtuung von 8000 Franken zahlen. Die Richterin kritisierte die «Ausreden» des Vaters, immer wieder verstecke er sich hinter Ausflüchten und zeige weder Einsicht noch Reue. Dabei habe er doch das «Urvertrauen seiner Kinder zerstört». (Landbote)

Erstellt: 18.05.2019, 13:06 Uhr

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