Illnau-Effretikon

«5G war der Auslöser für meine Kandidatur»

Susanne Baumann will für die Integrale Politik im Herbst einen ersten Nationalratssitz erobern. Die Kyburgerin, die sich gegen eine Handyantenne im Kirchturm wehrte, glaubt an ein «ganzheitliches Menschenbild».

Susanne Baumann kandidiert auf der Liste der Integralen Politik für den Nationalrat im Herbst.

Susanne Baumann kandidiert auf der Liste der Integralen Politik für den Nationalrat im Herbst. Bild: PD

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Susanne Baumann ist in Kyburg keine Unbekannte. Sie trat im vergangenen Herbst an die Öffentlichkeit, als die Swisscom bei der reformierten Kirchgemeinde eine Anfrage für eine Handyantenne im Kirchturm platzierte. Das Thema ist zwar noch auf der Pendenzenliste der Kirchenpflege, in der Priorität aber nach hinten gerutscht. Noch ist nichts entschieden.

Baumann, die auch Mitglied der Kirchgemeinde ist und als Selbstständige Führungskräfte coacht, sammelt Informationen rund um das Thema Mobilfunk. Sie verfasst einen Newsletter, den sie regelmässig an Interessierte verschickt. Darin kommen Befürworter wie auch Gegner zu Wort. Letzter Stand in Kyburg: Der ortsansässige Gemeinderat Thomas Schumacher will bei der Swisscom abklären lassen, ob das Gebiet Allmend ausserhalb des Dorfes als Standort infrage käme.

Die 44-jährige Kyburgerin will nun auch auf anderen Ebenen Einfluss nehmen, wie sie sagt. Deshalb kandidiert sie für die Integrale Politik als Nationalrätin. Die Partei wurde 2011 in der Schweiz gegründet und hat landesweit mittlerweile über 1000 Mitglieder. Die Zürcher Sektion will zum ersten Mal an den Nationalratswahlen teilnehmen. 400 Unterschriften sind nötig, damit die Partei eine Liste einreichen kann. 600 sind zusammen gekommen. «Ein Meilenstein», sagt sie.

Weder links noch rechts

Auslöser für ihre Kandidatur waren die 5G-Antennen. Das Thema ist derzeit allgegenwärtig, nicht nur in den Medien. «Es gibt aber noch ganz viele andere Themen, bei denen ich etwas ändern möchte», sagt Baumann. In das traditionelle Links-Rechts-Schema lässt sie sich nicht pressen. Betrachtet man das politische Profil von Kandidierenden der Partei aus anderen Kantonen an den letzten Nationalratswahlen 2015, so fällt auf, dass sie sich vor allem für mehr Sozialstaat und mehr Umweltschutz engagieren. Baumann war bis vor Kurzem Mitglied der GLP, ist mittlerweile aber ausgetreten.

«Wir fahren gerade unsere Welt an die Wand.»Susanne Baumann

Was sie an den konventionellen Parteien stört, ist: «Dass sie keine Metaebene kennen und den Menschen nicht als Ganzes in ihre politischen Entscheidungen einbeziehen.» Als «Ganzes» meint sie nicht nur Kopf und Körper, sondern auch Seele und Herz. Gemäss dem Kredo der Integralen Politik setzt sie auf Dialog, «bei dem man sich zuhört und nicht nur für sich selbst schaut, sondern das Gesamtwohl vor Augen hat».

Die Werte der Partei entsprechen ihr. «Es ist, als hätte ich sie selbst geschrieben.» Kaum jemand aber kennt die Partei. Deshalb will jetzt auch die Zürcher Sektion vermehrt an die Öffentlichkeit treten. Denn die Mitglieder sind überzeugt: «Wir fahren gerade unsere Welt an die Wand.» Und das gelte es zu verhindern. Denn es dürfe nicht sein, dass Lehrpersonen ausbrennen und haufenweise Menschen an Depressionen erkranken würden.

Mensch und Tier im Einklang

Sie hat eine klare Vorstellung davon, wie die Welt auszusehen hätte: Menschen, Tiere und Pflanzen leben im Einklang. Das tönt manchmal etwas abgehoben und esoterisch. Doch Baumann hat auf konkrete Fragen auch ganz konkrete Antworten. Sie stellt sich nämlich nicht grundsätzlich gegen Mobilfunkantennen, sondern fordert lediglich strahlungsfreie Zonen. «Es braucht Rückzugsorte», sagt sie. Der Mensch soll selbst entscheiden können, wo er lebt. Und Kyburg solle eine strahlungsfreie Zone sein.

«Wir leben in einer Zeit, in der sich vieles ändern kann.»Susanne Baumann

Das Rahmenabkommen zwischen der Schweiz und der EU befürwortet sie. Denn es gehe darum, dass verschiedene Völker friedlich zusammenlebten. «Und dafür braucht es Regeln.» Cannabis solle legalisiert werden. Denn: Es kann schmerzlindernd wirken. Der Mensch solle deshalb selbst entscheiden können, ob er es konsumiert oder nicht.

Warum also nicht einer etablierten Partei beitreten, bei der sie eher gewählt würde, und ihre Meinungen dort vertreten? Das habe sie sich überlegt. «Doch eine klassische Partei hat ihre Positionen. Sie wird deshalb immer nach Argumenten suchen, mit denen sie sie vertreten kann.» Rein statistisch gesehen, hätten sie keine Chance auf einen Sitz. «Doch wir sind offen für Wunder.» Und die gebe es. «Denn wir leben in einer Zeit, in der sich vieles ändern kann.»

Erstellt: 09.07.2019, 16:01 Uhr

Die Partei

Das ist Integrale Politik

Die Integrale Politik steht für eine Wirtschaftsordnung, welche die Freiheit des Einzelnen im Rahmen sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit gewährleistet. Sie setzt sichfür eine tiefgreifende Erneuerung der Gesellschaftund einen Bewusstseinswandel in der Politikein.

In einer Parteibroschüre heisst es: «Integrale Politik sucht respektvoll den gemeinsamen Beweggrund in gegensätzlichen politischen Forderungen und vereint alle lebensdienlichen Aspekte politischer Positionen von rechts bis links zu einem neuen Ganzen.» Die Kyburger Nationalratskandidatin Susanne Baumann erklärt dies so: Die Mitglieder ihrer Partei würden sich bei einem Thema gedanklich und emotional in jede Position versetzen, um am Ende eine «weisere Vorlage» zu entwickeln, die allen dienlich und dadurch mehrheitsfähig ist.

Die politische Kleinpartei wurde 2011 in Bern gegründet. 2015 nahmen Kandidierende aus dem Bezirk Affoltern an den Zürcher Kantonsratswahlen teil. Bei den Nationalratswahlen 2015 erreichte die Partei einen Wähleranteil von 0,08 Prozent. (neh)

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