Bauma

Auf alten Fässern den Hang runter

Am Sonntag sind in Sternenberg die waghalsigen Fassdaubenfahrer den Hang runtergebrettert. Ein herrlich-nostalgisches Vergnügen, selbst ohne Weinfassleisten unterm Schuhwerk.

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Einer kommt rasant daher, zischt zwischen Toren ins Ziel, zack, verwirft er den Stock, «Sapperlott», ruft er und strahlt. Es ist Hans Schiesser, einer vom heimischen Fassdaubenclub, dem FDC Schindlet. Dass seine schnellen 38 Sekunden ein prima Resultat sind, das weiss er wohl. Ob es für den Sieg reichen wird?

Durch dicke Schneeflocken blinzelt, wer den Sternenberger Rossböhl-Wald hochschaut, Berge von Neuschnee, über den Menschen allen Alters auf kurzen Brettern sausen: Fassdauben, das sind Leisten, leicht gebogen, weil sie ausgedienten Weinfässern entnommen sind. Uralte Vorboten der Ski aus einer Zeit, in der sie den Menschen ins Tal halfen, um da ihre Besorgungen zu erledigen. Wie damals kraxeln die Fassdaubenfahrer ohne Hilfsmittel den Berg hoch, runter helfen ein Stecken aus Haselholz und Mut, rasch landet auf dem Hosenboden, wen das Gleichgewicht verlässt.

Schnaps statt Skischuh

«Tipps? Da gibt es keine Tipps. Rauf und los, runter», sagt Mike Mitchell, seit neun Jahren Präsident des FDC Schindlet, zufrieden mit dem, was er hier gerade erlebt: «Das ist so, wie es wohl auch damals war, das macht Freude.» Damals, bevor es technisch perfektioniertes Hochleistungsmaterial für Spitzensportler gab. Damals und heute geht es nicht allein ums Gewinnen, wenn die Clubs sich messen. Die Clubs, das sind neben dem in Sternenberg und leicht ausgefranst aufs Tösstal in 30 Aktiv- und 20 Passivmitglieder verteilt Mitchells Schindletler und ein paar zähe Konkurrenten: Da ist etwa der hartnäckige Club Schattenhang, alle heissen sie Blöchlinger und sind brandgefährlich, wie im Zelt beim Ziel zu vernehmen ist. Und da sind die vom FDC Poo-Alp, auch da gibt es Favoriten. Ganz nur ums Dabeisein scheint es eben doch nicht zu gehen.

«Tipps? Da gibt es keine Tipps. Rauf  und los, runter.»Mike Mitchell, Präsident
Fassdaubenclub Schindlet

Wirklich gar keine technischen Kniffs also, die es sich zu beachten lohnt? Wichtig ist die tiefe Hocke, wie Christoph Müggler aus Bichelsee zu berichten weiss. Zwar sei er Anfänger, aber eins sei klar: «Du musst dich auf den Stecken stützen.» Er ist mit seinem Kumpel im Stall der Furrers, den 20 Helfer zu einer Festbeiz umfunktioniert haben, die Frauen haben Suppen gemacht, Gerste und Kürbis, daneben ein gutes Dutzend herrlicher Kuchen. Auf dem Grill trotzen Würste dem Wetter.

Haselfladen als Trophäe

Wärmt man sich oben auf? «Mit einem Schnaps», sagt Müggler, das Startwasser, ein Sternenberger Zwetschgenbrand, ist inbegriffen: 10 Franken kostet die Teilnahme samt Ausrüstung für Erwachsene, 7 Franken für Kinder, deren elf von 55 Teilnehmern am Start sind. Fünf sind Frauen. Rund 200 Zuschauerinnen und Zuschauer sind gekommen.

Tipps hat Müggler auch keine. Einzig einig ist man sich darüber, dass es gutes Schuhwerk braucht, Bergschuhe, die Halt geben. Skischuhe sind verboten. Und Gamaschen, damit der Schnee nicht nervt im Schuh. Ein jeder nimmt am Ende einen Trostpreis heim: eine Tasse, die das Wagnis mit einem Bild bezeugt. Die drei vom Podest erhalten Baumerfladen. Heute bekommt Hans Schiesser einen, aber nicht den grössten, sapperlott, er hat den dritten Rang eingefahren. Gewonnen hat Christian Halbheer vom FDC Poo-Alp: 36,38 Sekunden, damit haarschaf schneller als Pfäffli. Silber geht an Beat Pfäffli, auch er gehört zum FDC Schindlet. (Landbote)

Erstellt: 07.01.2019, 08:46 Uhr

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