Lindau

Das Elektrizitätswerk soll auch als AG der Gemeinde gehören

Am 19. Mai entscheiden die Lindauer über die Rechtsform ihres Elektrizitätswerks.

Lindau entscheidet am 19. Mai über die Rechtsform des Elektrizitätswerks.

Lindau entscheidet am 19. Mai über die Rechtsform des Elektrizitätswerks. Bild: Heinz Diener

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Vor etwa 20 Jahren konnten die Lindauer über Mittag nicht waschen. «Der Strom für die Maschinen war zu Spitzenzeiten gesperrt», erinnert sich Werkvorstand Hanspeter Frey. Dies, um die Stromspitze zu glätten, wie er am Montag vor rund 35 Anwesenden an einer Informationsveranstaltung ausführte. Also um zu verhindern, dass zu jener Zeit übermässig viel Strom verbraucht wurde. Die Verbraucher profitierten dadurch von günstigerem Strom.

Heute können die Bezüger zu jeder Zeit aus jeder Steckdose Strom beziehen. Und nicht nur das. «Der Strommarkt hat sich geöffnet und öffnet sich weiter», sagte Frey. «Auch der Wettbewerbsdruck nimmt immer mehr zu.» Es gelte daher, für das gemeindeeigene Elektrizitätswerk (EW) eine neue Organisationsform zu finden, die ein rasches Handeln ermögliche. Denn wenn sich die Stromlieferanten meldeten, «dann haben wir gerade mal zwei Stunden Zeit, um uns zu entscheiden», sagte Frey.

Kein Verkauf

Der Gemeinderat will deshalb aus einem öffentlich-rechtlichen Betrieb eine privatrechtliche Aktiengesellschaft machen. Das EW bliebe aber im Besitz der Gemeinde. Es soll also weder verkauft noch privatisiert werden. Am 19. Mai stimmt das Volk über das Geschäft an der Urne ab.

Wir machen das EW fit für die Zukunft»Bernard Hosang, Gemeindepräsident Lindau

Mit der Umwandlung in eine AG würden klare Verantwortlichkeiten geschaffen, führte Gemeinderat Frey weiter aus. Die politische und strategische Führung würden getrennt, die finanzielle optimiert. Einwohner und Gemeinde erhielten einen tieferen Einblick in die wirtschaftliche Situation des Unternehmens. «Wir machen das EW fit für die Zukunft», fasste Gemeindepräsident Bernard Hosang das Vorhaben zusammen.

Im fünfköpfigen Verwaltungsrat würden zwei Gemeinderäte sitzen. Die Zahl der EW-Mitarbeiter bliebe gleich. Die Angestellten erhielten privatrechtliche Verträge, ihre Arbeitsbedingungen würden sich in den nächsten zwei Jahren nicht ändern, ebenso wenig die Verträge mit Kunden und Lieferanten. Heute ist das über 110 Jahre alte EW im Werkhof in Winterberg eingemietet. Das soll so bleiben.

In der anschliessenden Frage- und Diskussionsrunde blieben kritische Voten weitgehend aus. Eine Anwesende wollte etwa wissen, was mit dem EW passiere, wenn das Volk die Vorlage an der Urne ablehne. «Nichts», antwortete der Werkvorstand. Der Betrieb werde zwar träg bleiben, aber deswegen nicht untergehen. Ein anderer Votant fragte, wie weit diese Rechtsform bei EW verbreitet sei. «Es ist ein Weg, der vermehrt gegangen wird», sagte Frey. Von den 600 EW in der Schweiz hätte rund die Hälfte eine selbstständige Rechtsform.

Bürger bestimmt

Jemand machte sich Sorgen, dass das EW dereinst doch noch verkauft werden könnte. «Was ist, wenn der Gemeinderat in vier Jahren wieder anders zusammengesetzt ist?», fragte der Mann. Einem Verkauf wie auch einer Änderung des Reglements oder Erhöhung des Kapitals müsste der Stimmbürger zustimmen, wie Frey sagte. Erwirtschaftet das EW einen Gewinn, dann geht er an die Gemeinde. Rund 300000 Franken im Jahr erhält diese ausserdem für Konzessionsabgabe, Steuern, Zinsen und als Dividende.

Zum Schluss machte eine Anwesende dem Gemeinderat ein Kompliment: «Es ist gut, dass das EW im Besitz der Allgemeinheit bleibt.» Gut ist für die Kunden wohl auch, dass sich mit der Rechtsform weder Tarife noch Preise ändern. (Landbote)

Erstellt: 16.04.2019, 17:28 Uhr

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