Illnau-Effretikon/Kyburg

«Der Treppensprint hat seine Tücken»

Sieben Frauen und 20 Männer sind am Samstag von Sennhof nach Kyburg gerannt – und haben 450 Treppenstufen überwunden. Ihnen gefällt der Teil des Kyburglaufs am besten, der anderen die letzten Kräfte raubt.

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Es ist Samstag, 11.40 Uhr. Im beschaulichen Kyburg deutet noch nicht viel darauf hin, dass sich zu den rund 200 Einwohnern bald etwa 1000 Personen mehr gesellen werden. Am Dorfrand sind die Parkplätze noch längst nicht alle besetzt. Die Feuerwehrleute, die den Verkehr regeln werden, treffen eben erst ein.

Kinder wärmen sich gemeinsam auf.

Es ist der Tag des 38. Kyburglaufes. Der Laufwettkampf, der für seine Treppe mit insgesamt 450 Stufen bekannt ist, die es am Ende des zehn Kilometer langen Hauptrennens zu überwinden gilt, zieht regelmässig bis zu 900 Laufbegeisterte an. Dieses Jahr gingen 765 an den Start.

159 Höhenmeter

Nur wenige wagen sich jeweils an den Treppensprint. Neben dem Hauptrennen ist das eine von sechs Streckenkategorien. Er ist zwar nur 1,3 Kilometer lang, zwischen Start und Ziel liegen aber 159 Höhenmeter. 20 Männer und sieben Frauen nehmen die Herausforderung an.

Um Punkt 12 Uhr starten sie am Tössufer in Sennhof, im Abstand von fünf bis zehn Sekunden. Auf einem kleinen Plateau, 50 Meter unterhalb des Treppenendes beim Schloss Kyburg, haben sich mehrere Zuschauer versammelt. Sie sind gekommen, um ihre Angehörige und Freunde anzufeuern. «Mit Gehen bist Du schneller als mit Laufen», sagt ein Vater zu seiner Tochter. Diese schaut, als sei sie von dieser Theorie nicht ganz überzeugt.

Schon fünf Minuten nach dem Start kommt der erste Läufer ins Blickfeld. Er nimmt die Stufen erst laufend, dann gehend. Seine Wangen sind gerötet, der Atem geht schwer. Bei jedem Schritt stützt er sich auf seinen Oberschenkeln ab. «Hopp, hopp, beiss durch», rufen die Zuschauer. «Du bist bald oben.» Der Läufer scheint das Publikum kaum wahr zu nehmen. Oben angekommen, beginnt er wieder zu laufen. Bis zum Ziel sind es noch rund 300 Meter.

Von Schwyz nach Kyburg

Derweil passiert um 12.10 Uhr die erste Frau die Zuschauer-Schar im Wald. Sie marschiert, den Blick zum Boden gerichtet. «Der Lauf war schön, hatte aber seine Tücken», wird sie später im Ziel sagen. Die 40-jährige Andrea Schuler aus Steinen (SZ) braucht gut 12 Minuten. Sie ist das erste Mal in Kyburg. «Ich habe eine neue Herausforderung gesucht.»

Als erste Frau bezwingt Andrea Schuler den Treppensprint des 38. Kyburglaufs.

Ein zufriedener Gesichtsausdruck nach dem Lauf auch beim 47-jährigen Bartosz Przydatek aus Zürich. «Es war anstrengend, aber wenn man’s geschafft hat, ist es schön.» Seine Kinder machen beim Schülerrennen mit. Und statt dass er einfach auf sie warte, habe er eben den Treppensprint gemacht. Er benötigt dafür gut 11 Minuten.

Am schnellsten schafft es der 34-jährige Jan Staubli aus Rüti. Nach 7 Minuten und 43 Sekunden ist er im Ziel. Steine Strategie? «Nicht zu schnell rein, möglichst neben der Treppe laufen und wenn es steil wird, gehen.»

Frauenanteil steigt an

OK-Chef Eric Sagarra, der selbst Läufer ist, konnte die Hauptstrecke erst am Sonntag unter die Füsse nehmen. Er trainiere oft in Kyburg, sagt er. Der 54-jährige Brüttemer hat es sich zum Ziel gesetzt, mehr Frauen für den Wettkampf zu begeistern. Seit 2016 steigt der Anteil wieder stärker an. Heuer lag er bei knapp 40 Prozent. Dazu beigetragen haben dürfte der letztes Jahr eingeführte Erlebnislauf. Die Teilnehmerinnen können in dieser Kategorie frei wählen, ob sie die leicht coupierte Fünf-Kilometer-Strecke gehend, joggend oder walkend zurücklegen. Es gibt auch keine Rang-, sondern nur eine Teilnehmerinnenliste.

Für viele ist der Anlass mittlerweile zum Treffpunkt geworden, an dem man Familie und Freunde sieht. So etwa für Roger Hartmann (41) aus Uster, der in Effretikon aufgewachsen ist und nun Jahr für Jahr seinen Bruder und seine Eltern in Kyburg trifft. Obwohl er den Treppensprint schon gewonnen hat, hat er sich diesmal für den 5,7-Kilometer-Panoramalauf angemeldet. «Ich bin nicht so zwäg, deshalb ist das eine gute Alternative.»

Erstellt: 10.11.2019, 15:43 Uhr

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