Lindau

Die Einwohnerzahl im Ort könnte sich fast verdoppeln

Ab 2021 sollen auf einer grünen Wiese in Winterberg 250 neue Wohnungen entstehen.

Die Tabakscheune im Gebiet Ölwis/Blankenwis in Winterberg soll abgebrochen werden und Mehrfamilienhäusern Platz machen.

Die Tabakscheune im Gebiet Ölwis/Blankenwis in Winterberg soll abgebrochen werden und Mehrfamilienhäusern Platz machen. Bild: Peter Würmli

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25 Gebäude, 250 Wohnungen, 470 Parkplätze und bis zu 800 zusätzliche Einwohner zu den 950 bestehenden: Das sind die Eckdaten der geplanten Überbauung auf der letzten grossen Baulandreserve von Lindau. Die Parzelle liegt im Ortsteil Winterberg und soll voraussichtlich ab 2021 etappenweise überbaut werden. Sie liegt zwischen Post- und Schnällböcklerstrasse, südlich der Alterssiedlung und des Dorfladens (siehe Grafik).

Am Mittwochabend haben Grundeigentümer und die Gemeinde über das Richtprojekt informiert, auf dessen Grundlage der Gestaltungsplan erarbeitet werden soll. Ein Gestaltungsplan erlaubt es den Bauherren, von der geltenden Bau- und Zonenordnung abzuweichen. Sie müssen im Gegenzug aber «etwas mehr bieten», wie es Raumplaner Fabio Trussardi vor den knapp 70 Interessierten ausdrückte.

So verlangt etwa der Gemeinderat, dass sich die neuen Gebäude gut in die Umgebung einfügen, dass keine stereotype Überbauung entsteht, bei der alle Häuser gleich aussehen, dass es einen Mehrzweckraum für die Bevölkerung gibt und dass die Alterssiedlung mit einem Neubau ergänzt wird, in dessen Erdgeschoss der Dorfladen einziehen kann.

Aussicht auf Berge

Man habe aus den im vergangenen Herbst präsentierten Vorschlägen einer Testplanung die besten Ideen in einem einzigen Projekt vereint, sagte Dieter Stutz, Siedlungsplaner der Atlantis Unternehmungen AG, eines der beiden beteiligten Planerbüros. Für das Gebiet ist im regionalen Richtplan eine mittlere Dichte vorgesehen. «Wir sind im unteren Rahmen dieser Vorgaben geblieben», sagte Stutz. «Wir wollen die Aussicht auf die Berge zelebrieren.»

Auf der grünen Wiese sollen unterschiedliche Flachdachhäuser entstehen, je nachdem, wo sie platziert sind. In der Mitte des Areals sind sie höher (fünf Geschosse, inklusive Attika), gegen die Ränder hin tiefer (drei Geschosse, inklusive Attika). Es sind Miet- und Eigentumswohnungen vorgesehen, die zwischen zweieinhalb und sechseinhalb Zimmer haben. Eine zentrale Wohnstrasse ist gleichzeitig auch der Hauptplatz, der sich für Veranstaltungen eignet.

Ländliches Wohnen

Im Westen sehen die Planer ländliches Wohnen vor, wo der angrenzende Obsthain ins Baufeld hinein verlängert wird. Im Osten, gegen die Einfamilienhäuser hin, entsteht eine Siedlung mit Gärten und Zierbäumen und im Süden soll es Hochparterrewohnungen geben, von denen man über eine Treppe direkt zum Zentrum gelangen kann, wo auch Schrebergärten angedacht sind.

In drei sogenannten Ankergebäuden finden Alterswohnungen und Laden, eine Schnitzelheizung sowie ein Kleingewerbe sowie ein Allzweckraum für die Bevölkerung Platz. Die Zufahrt soll an zwei Orten über die Poststrasse erfolgen. Die dazu präsentierten Daten liessen manchen Anwesenden am Mittwoch aufhorchen: Zu den Spitzenzeiten werden 120 Fahrzeuge aus den Tiefgaragen ein- und ausfahren.

«Kann das die Poststrasse überhaupt schlucken?»


«Sie kann.»

«Kann das die Poststrasse überhaupt schlucken?», fragte ein Anwohner. «Sie kann», antwortete Raumplaner Trussardi. Weitere Punkte, die die Winterberger beschäftigen, sind die hohe bauliche Dichte, die verhältnismässig lange Bauzeit von bis zu sieben Jahren sowie die Flachdächer, die dem Dorfcharakter nicht Rechnung trügen. Dazu sagte Daniel Hänni, Vertreter der HLP Architekten und damit des zweiten Planerbüros: «Mit Satteldächern wären die Gebäude viel wuchtiger geworden.»

Die IG Zukunft Winterberg, die sich aus gut 30 Anwohnerinnen und Anwohnern zusammensetzt, will des Projekt kritisch begleiten, um eine für den Ort verträgliche Lösung zu erwirken. Einige ihrer Fragen konnten auch an einer separaten Infoveranstaltung nicht beantwortet werden, wie sie in einer schriftlichen Stellungnahme verlauten lässt. Etwa, auf welcher rechtlichen Grundlage die kantonale Vorgabe der mittleren Dichte basiert. Die lange Bauzeit sei eine Belastung für die Bevölkerung und es brauche Massnahmen, um sie erträglicher zu machen, findet die IG. Das letzte Wort zum Gestaltungsplan hat das Volk, voraussichtlich an der Gemeindeversammlung vom Juni 2020.

Erstellt: 11.07.2019, 20:31 Uhr

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