Wila/Winterthur

Er trompetet für den Flughafen Zürich

Hansjörg Luchsinger aus Wila musiziert im Orchester Flughafen Zürich. Dort angestellt war er zwar nie, er hat aber in Basel schon Flugzeuge beladen. Am Freitag tritt er mit der Big-Band und einem Streichorchester in Winterthur auf.

Hansjörg Luchsinger (auf der Leinwand in gelb, 1.v.l.) spielt am Flughafen-Fest mit dem Orchester Flughafen Zürich auf.

Hansjörg Luchsinger (auf der Leinwand in gelb, 1.v.l.) spielt am Flughafen-Fest mit dem Orchester Flughafen Zürich auf. Bild: PD

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Hansjörg Luchsinger spielt Trompete, seit er elf Jahre alt ist. Und das kam so: «Wir haben in den Sechziger-Jahren am Samstagabend deutsche Shows am Fernsehen geschaut», erzählt der heute 65-Jährige. «Und da trat Hazy Osterwald mit seinem Sextett auf.» Er fand den Schweizer Musiker, Sänger und Orchesterleiter mit seinen Musikern «eine glatte Truppe». Seitdem habe er ebenfalls Trompete spielen wollen. «Bis mir mein Vater eine zu Weihnachten schenkte.»

Heute spielt Luchsinger, der mit seiner Frau in einem Einfamilienhaus in Wila lebt, unter anderem im Orchester Flughafen Zürich. Und das mittlerweile schon seit rund zwölf Jahren. Anfänglich bestand das Orchester ausschliesslich aus Flughafen-Mitarbeitern, doch das hat sich mit den Jahren geändert (siehe Infobox). Auch sein 34-jähriger Sohn ist inzwischen dabei und spielt ebenfalls Trompete. Luchsinger hat zwar selbst nie am Flughafen Zürich gearbeitet, dafür aber in Basel-Mulhouse, wo er während seines Studiums zum Sekundar- und Gymnasiallehrer in den Semesterferien die Flugzeuge be- und entlud sowie die Kabinen putzte.

Informatiker ausgebildet

Als Angestellter der IT-Firma NCR in Wallisellen stieg er dann oft am Flughafen Zürich in einen Flieger, um in Deutschland und Österreich Informatiker auszubilden oder in England und Holland selbst Kurse zu besuchen. Er war nach dem Studium in die Informatik eingestiegen, nachdem er seinen Plan, Pilot zu werden, begraben musste. Bei der theoretischen Aufnahmeprüfung zum Militärpiloten hatten seine Geografiekenntnisse nicht ausgereicht.

Das Orchester Flughafen Zürich im März 2017. Video: PD via Youtube.

Nun, als Pensionierter, gehört der Flughafen noch immer zu seinem Leben. Er ist Bühne und Ausgangspunkt für mittlerweile private Reisen zugleich. Mit dem Flughafen-Orchester tritt er mehrmals im Jahr dort auf. 2007 stiess er zum Ensemble, weil ein Trompeter ausgefallen war – und blieb. «Es ist jeweils schön zu sehen, wie immer mehr Passanten stehen bleiben und uns zuhören», sagt er. So etwa während eines Frühlings- oder Adventskonzerts.

Solisten aus der ganzen Welt

Etwa die Hälfte der gut 20 Mitglieder der Big-Band-Formation sind Berufsmusiker. «Ich war von der hohen Qualität und dem abwechslungsreichen Repertoire sofort begeistert», sagt Luchsinger. Und: Es falle einem leichter zu spielen, wenn jeweils im gleichen Instrumentenregister ein Profimusiker engagiert sei. Zum Repertoire des Orchesters gehören unter anderen Stücke aus den Sparten Rock, Jazz, Swing und Pop.

Seit Anfang September bereiten sich der Wilemer und seine Bandkollegen auf zwei besondere Konzerte vor: Unter dem Label «Strings & Wings on Tour» treten sie in Winterthur und St. Gallen mit dem Kammerensemble «Zurich Virtuosi» auf. Das sind zwölf Solisten aus der ganzen Welt, die in Zürich leben. Für Luchsinger ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen, «den ich gar nie hatte, weil er so unwahrscheinlich ist», wie er sagt. In der Schweiz gebe es keine Big Band, die so auftrete.

Den Einsatz verpasst

Mit «so» meint er die Zusammensetzung. Das James-Last-Orchester hatte eine ähnliche. Und Luchsinger ist ein grosser Fan des deutschen Bandleaders und Komponisten, der 2015 starb. Während seines Studiums habe er abends beim Lernen unter anderem immer wieder die gleichen zwei Schallplatten von der James-Last-Welttournee aus den Jahren 1972/73 gehört, erzählt er und lächelt.

An den «Strings & Wings»-Konzerten müssten sie nicht gross anders spielen, als sie es sich gewohnt seien, sagt Luchsinger. Denn die Streichinstrumente würden mit Mikrofonen verstärkt. Vor einer Woche haben die beiden Orchester erstmals einen Tag lang zusammen geprobt. «Wir Trompeter waren derart fasziniert, als drei Solisten der Virtuosi aufspielten, dass wir unseren Einsatz verpassten», erzählt Luchsinger. Doch Sandro Oberholzer, Dirigent und Gesamtleiter der Konzertreihe, habe es glücklicherweise mit Humor genommen.

Erstellt: 10.11.2019, 16:12 Uhr

Trompeter Hansjörg Luchsinger wohnt in Wila. (Bild: M. Dahinden)

Der Zürcher Flughafen verbindet die Band-Mitglieder

Das Orchester Flughafen Zürich wurde 2003 gegründet, zu einer Zeit, in der schlimme Ereignisse den Flughafen durchschüttelten: Terroristen hatten die USA angegriffen, die Swissair war niedergegangen und der Irakkrieg tobte. Einige Mitarbeitende beschlossen deshalb, unter dem Motto «Musik verbindet» eine Big-Band ins Leben zu rufen.

Sie sollte den Zusammenhalt unter den Mitarbeitenden fördern und als Botschafterin des Flughafens Zürich im In- und Ausland dienen. Mittlerweile verfügt das Orchester über ein breites Repertoire an Swing-Musik aus aller Welt und ist am Flughafen wie auch in Kloten und Rapperswil an Konzerten zu hören. Auch an speziellen Anlässen wie Jubiläen, Empfängen und feierlichen Einführungen von neuen Flugverbindungen spielt sie auf.

Anfänglich bestand die rund 20-köpfige Band nur aus Flughafen-Mitarbeitern. Heute sind neben einem Piloten etwa auch musikbegeisterte Einwohner von Anrainergemeinden mit dabei. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Berufen: der Reinigung, der Logistik und dem kaufmännischen Bereich. Seit 2015 steht die Band unter der Leitung von Sandro Oberholzer.

Unter dem Titel «Strings & Wings on Tour» werden künftig regelmässig Konzerte mit den Zurich Virtuosi stattfinden. Letztere stehen unter der künstlerischen Leitung von Irina Pak.

Die nächsten Konzerte finden am 15. November um 19.30 Uhr im Stadthaussaal in Winterthur und am 17. November um 17 Uhr in der Tonhalle St. Gallen statt. Gespielt wird gehobene Unterhaltungsmusik mit Werken aus der klassischen Musik, des Jazz, mit Filmmelodien sowie Pop- und irischen Folksongs. (neh)

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