Sicherheit

«Ihr werded mi no kennelerne»

Drohungen gegen Verwaltungsangestellte kommen immer wieder vor, kürzlich wurden zwei Täter aus der Region verurteilt. Nicht nur in Notfällen sondern auch bei der Prävention bietet die Kapo den Gemeinden Hilfe an.

Auch in der Gemeinde Pfungen kam es zu Drohungen. Der Bedroher muss nun mit dem Gewaltschutz zusammenarbeiten.

Auch in der Gemeinde Pfungen kam es zu Drohungen. Der Bedroher muss nun mit dem Gewaltschutz zusammenarbeiten. Bild: mad

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Betreibungsamt Zell an einem Dienstagmorgen im letzten April: Ein Mann wird vorstellig, es geht um Krankenkassenprämien. Erst diskutiert er mit den Betreibungsbeamten, dann wird der Schweizer aggressiv. Er werde ihnen «die Fresse polieren» und sie «windelweich schlagen». Der Mann beschädigt einen Stuhl und tritt gegen eine Tür, er verlässt das Haus mit der Drohung: «Ich weiss, wann ihr Feierabend habt.»

Nur zwei Wochen später rastet auch im Sozialamt Pfungen ein Mann aus. Während eines sogenannten Sozialgesprächs mit einer Gemeindeangestellten eskaliert die Situation, der Mann aus der Türkei droht, die Angestellte werde «bluten» und verlässt das Gebäude. Drei Monate später kehrt er zurück, ohne Gesprächstermin. Laut einem aktuellen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland schrie er in der Schalterhalle: «Ihr Scheiss-Schwiizer werded mi no kennelerne. Ihr werded no merke, zu was ich fähig bin.»

Zwei Fälle, ein Straftatbestand: Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte. Der Mann aus Zell, der vorbestraft ist, erhielt eine unbedingte Geldstrafe von 3600 Franken. Der Bedroher aus Pfungen erhielt eine bedingte Freihheitstrafe von vier Monaten und muss nun mit dem kantonalen Gewaltschutz zusammenarbeiten. Bei seiner späteren Verhaftung wurden diverse Messer, ein Dolch und eine Softairgun eingezogen.

Kapo erstellt Risikoprofil

Was soll eine Gemeinde tun, wenn ihren Mitarbeitenden Gewalt angedroht wird? Die zentrale Anlaufstelle ist die Kantonspolizei, auch wenn man nicht in jedem Fall die Notrufnummer wählen muss. Die Kapo bietet allen Behörden im Kanton auch bei niederschwelligen Drohungen ihr Bedrohungsmanagement an. Sie erstellt ein Risikoprofil und zeigt Handlungsvarianten auf, wie mit einem Bedroher umgegangen werden kann.

Natürlich haben wir damals diverse bauliche und elektronische Massnahmen umgesetzt, die der Sicherheit der Mitarbeitenden dienen»Stephan Brügel, Gemeindeschreiber Pfungen

Die Kapo ist aber auch präventiv tätig und berät Behörden bei der Konzipierung ihrer Räume im Hinblick auf mögliche Gefahren. Da geht es beispielsweise um den Einbau von Trennscheiben in Schalterhallen oder die Schaffung geeigneter Fluchtwege.

Diese Dienste nahm auch die Gemeinde Pfungen 2016 in Anspruch, wie Gemeindeschreiber Stephan Brügel sagt. Damals bezog das Sozialsekretariat neue Büros, eine Fachperson der Kantonspolizei war dabei. «Natürlich haben wir damals diverse bauliche und elektronische Massnahmen umgesetzt, die der Sicherheit der Mitarbeitenden dienen», sagt Brügel.

Im Notfall funktioniert

Als es nun diesen Frühling und Sommer tatsächlich zu einer ernsten Bedrohungssituation kam, funktionierte laut Brügel das Gewaltschutzmanagement. «Die Mitarbeitenden haben sofort mit der Kantonspolizei Kontakt aufgenommen und diese hat ohne Verzug Massnahmen in die Wege geleitet.»

«Ein Sozialklient war wütend und schlug mir ins Gesicht, so dass eine Wunde genäht werden musste.»Stephan Brügel, Gemeindeschreiber Pfungen

Zell und Pfungen sind keine Einzelfälle. Angestellte des öffentlichen Diensts wurden in den letzten Jahrzehnten immer häufiger bedroht, das zeigen die polizeilichen Kriminalstatistiken. Im Kanton Zürich stagnieren die Fälle auf hohem Niveau, bei jährlich etwa 550 Straftaten.

Der Pfungemer Gemeindeschreiber Brügel erlebte übrigens vor fünf Jahren selbst eine Bedrohungssituation: «Ein Sozialklient war wütend und schlug mir ins Gesicht, so dass eine Wunde genäht werden musste.»

Auch in Winterthur ist das Thema aktuell. Im Sicherheitskonzept ist die Rede von einer «markanten Zunahme von Drohungen gegen städtische Mitarbeitende». Nun werden die Angestellten noch besser für bedrohliche Situationen geschult. Ein prominenter Fall betraf gar eine Stadträtin: Barbara Günthard-Maier wurde von einem Taxi-Fahrer vor fünf Jahren mit dem Tod bedroht. Er wurde später verurteilt.

Ein Fall aus Wiesendangen landete kürzlich ebenfalls vor Gericht. Ein Mann soll in der Gemeindeverwaltung angekündigt haben, mit seinem Sturmgewehr wiederzukommen. Er sprach allerdings von einem «schlechten Scherz» und wurde auch freigesprochen. Dennoch zeigte auch dieser Fall, wie ernst die Behörden heute Drohungen gegen ihre Mitarbeiter nehmen.

Erstellt: 14.09.2019, 08:36 Uhr

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