Bezirk Pfäffikon

Massive Mehrkosten beim Ausbau des Sozialdienstes

Aus drei Standorten soll einer werden: Der Sozialdienst Bezirk Pfäffikon braucht mehr Platz und soll zentralisiert werden. Das wird die Gemeinden fast doppelt so viel kosten wie heute.

Der Effretiker Standort des Sozialdienstes soll aufgehoben werden. Foto: Madeleine Schoder

Der Effretiker Standort des Sozialdienstes soll aufgehoben werden. Foto: Madeleine Schoder

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Die Fälle nehmen zu, ebenso die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Darum ist der Platz an den drei Standorten des Sozialdienstes Bezirk Pfäffikon knapp geworden. Dieser organisiert etwa Beistandschaften für Betagte (siehe Box) und belegt Räume in Pfäffikon und Effretikon. 26 Personen sind insgesamt beschäftigt.

Um dem Raumproblem Abhilfe zu schaffen, sollen die Büros nun an einem Ort zentralisiert werden. Denn ein Ausbau an den bestehenden Standorten sei nicht möglich, heisst es in der Weisung zur Urnenabstimmung, die am 9. Februar in allen Gemeinden des Bezirks stattfindet. Den Grundsatzentscheid hat der Vorstand des Zweckverbandes 2018 gefällt.

Man habe verschiedene Standorte in Fehraltorf, Illnau-Effretikon und Pfäffikon evauliert. Nur einer habe sich als ideal erwiesen, und zwar jener an der Sophie-Guyer-Strasse 9 in Pfäffikon, steht in der Weisung weiter.

Er sei zentral und in der Nähe des Bahnhofes gelegen. Reserven für einen weiteren Ausbau seien vorhanden und die Anforderungen bezüglich Sicherheit, Hindernisfreiheit, Diskretion und Datenschutz erfüllt. Die Arbeitsabläufe könnten vereinfacht und die Attraktivität für potenzielle Arbeitnehmer gesteigert werden.

Vertrag für 15 Jahre

Der Zweckverband würde sich auch am neuen Standort einmieten. Die Dauer des Mietvertrags ist auf mindestens 15 Jahre ausgelegt. Die jährlichen Mehrkosten gegenüber heute sind jedoch beträchtlich. Bezahlen die Verbandsgemeinden für Mietkosten inklusiveNebenkosten heute 165000 Franken im Jahr, so sind es neu 320000 Franken. Darin sind Umzugs-, Unterhalts- und Umbaukosten mit eingerechnet.

Das entspricht Mehrkosten von 155000 Franken, was praktisch einer Verdoppelung gleichkommt. Der Betrag wird unter den zehn Verbandsgemeinden gemäss der Anzahl Einwohner und geführten Fälle aufgeteilt (siehe Tabelle). Die höchsten Mehrkosten hätte Illnau-Effretikon mit knapp 46000 Franken zu tragen.

Die Rechnungsprüfungskommission (RPK) der Gemeinde Pfäffikon, die auch die Geschäfte des Zweckverbandes Soziales Bezirk Pfäffikon prüft, lehnt den Antrag ab. Die Mehrkosten seien beträchtlich, damit sei der Grundsatz der Sparsamkeit verletzt, schreibt das Prüforgan in seinem Abschied. Auch übersteige die Mietfläche am neuen Ort den errechneten Bedarf. «Der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit ist verletzt.» Und schliesslich sei die Laufzeit des Mietvertrages zu lang. «15 Jahre sind für Büroräumlichkeiten sehr unüblich», sagt die RPK. Das finanzielle Risiko sei «erheblich», könne sich doch das Geschäft oder die Zusammensetzung des Zweckverbandes und somit auch die Fallzahl ändern. «Dies verstösst gegen den Grundsatz der Zweckmässigkeit.»

«Auf Kosten sitzen bleiben»

Deshalb empfiehlt auch die SVP Illnau-Effretikon ihren Wählern, das Geschäft abzulehnen, wie die Partei in einer Mitteilung schreibt. «Bei einem möglichen Austritt einer Gemeinde aus dem Zweckverband birgt die unübliche vertragliche Bindung die Gefahr, dass die verbleibenden Mitglieder auf den Kosten sitzen bleiben.»

Zudem würde ein externes Gutachten belegen, dass auch in den kommenden 15 Jahren kein Stellenausbau nötig sein werde. In Anbetracht dieser erheblichen Risiken sei die Vorlage deshalb abzulehnen.

Der Verbandsvorstand rechtfertigt die hohen Mehrausgaben damit, dass an einem der Standorte in Pfäffikon bisher sehr günstige Mietkonditionen galten, weil die Liegenschaft dem Kanton gehört. Und: «Wenn man die Möglichkeit hat, alle Zweigstellen an einem Ort unterzubringen und längerfristig plant, macht es Sinn, noch ausbaufähig zu sein», sagt Barbara Schmid, Präsidentin des Verbandsvorstands.

Auch würden die Fallzahlen wegen der gesellschaftlichen und demografischen Entwicklung weiter zunehmen und komplexer werden. So führte der Sozialdienst 638 Fälle im Jahr 2018. Vier Jahre zuvor waren es noch 556 Fälle. Mit 15 zu 2 empfiehlt der Vorstand, das Geschäft anzunehmen.

Damit die Vorlage als angenommen gilt, müssen ihr die Mehrheit der Stimmbürger sowie die Mehrheit der Verbandsgemeinden zustimmen. Bei einem Ja würden die Umbauarbeiten am neuen Ort im Juni starten, im März 2021 könnten die neuen Räume bezogen werden. Bei einem Nein gäbe es die Optionen, einzelne Räumlichkeiten dazuzumieten oder die Zweigstellen nur teilweise zusammenzulegen, wie Schmid sagt.

Erstellt: 15.01.2020, 12:09 Uhr

Vor mehr als 50 Jahren gegründet

Die Politischen Gemeinden des Bezirkes Pfäffikon haben sich vor über 50 Jahren zu einem Zweckverband zusammengeschlossen, um gemeinsam einen Sozialdienst zu führen. Die Kommunen erfüllen damit ihre gesetzliche Pflicht, genügend Berufsbeistände und -beiständinnen zur Verfügung zu stellen.

Seit dem 1. Januar 2013 gehört auch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde des Bezirkes Pfäffikon (Kesb) mit Sitz in Illnau dazu. Der Sozialdienst führt im Auftrag der Kesb die gesetzlichen Massnahmen im Erwachsenenschutz durch. Das ist vor allem das Organisieren von Beistandschaften für Betagte sowie körperlich oder psychisch beeinträchtigte Menschen.

Der Dienst bietet Erwachsenen auch eine Beratung und Hilfe bei persönlichen, finanziellen und sozialen Problemen an. Ebenso ist eine Beratungsstelle für Suchtkranke angegliedert.

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