Wila

Volk soll über Erbschaft bestimmen

Der Gemeinderat Wila will die rund 3,6 Millionen Franken aus dem Nachlass von Jakob Schoch in eine Sonderrechnung überführen. Damit will man Projekte unterstützen, die sonst nicht finanzierbar wären.

Jakob Schoch bescherte der Gemeinde Wila 2013 einen unerwarteten Geldsegen. Nun soll die Bevölkerung entscheiden, was mit den 3,6 Millionen aus seinem Nachlass passiert.

Jakob Schoch bescherte der Gemeinde Wila 2013 einen unerwarteten Geldsegen. Nun soll die Bevölkerung entscheiden, was mit den 3,6 Millionen aus seinem Nachlass passiert.

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Wenn es nach dem Wilemer Gemeinderat geht, soll die Erbschaft des 2013 verstorbenen Jakob Schoch bald in eine Sonderrechnung überführt werden. Gemeinsam mit einer Projektgruppe hat er ein entsprechendes Reglement erarbeitet.

In einer Mitwirkungsveranstaltung konnte die Bevölkerung am Donnerstagabend nun ihre Meinung dazu äussern, wobei gerade einmal zwölf Einwohner erschienen sind. Das Erbe beläuft sich auf Grundeigentum im Wert von rund 3,4 Millionen Franken, dazu kommen flüssige Mittel im Wert von rund 250 000 Franken.

Projekte ab 10 000 Franken

Schoch sieht in seinem Testament eine Verwendung für gemeinnützige Zwecke vor. «Wir halten eine neue Sonderrechnung dabei für die beste Option, da die Bevölkerung so ein grösseres Mitspracherecht hat als zum Beispiel bei einer Stiftung», sagt Gemeinderat Simon Mösch. Ausserdem sei so keine zusätzliche Struktur notwendig und man müsse auch keine separate Buchhaltung führen.

«Es ist schwierig zu sagen, ob man eine Turnhalle mit dem Geld finanzieren könnte.»

Fredi Gerber, 
Finanzberater

Die Sonderrechnung müsste jährlich von der Gemeindeversammlung bewilligt werden. Die Mittel der Sonderrechnung könnten für Projekte mit Gesamtkosten ab 10 000 Franken verwendet werden. «Wir wollen Projekte unterstützen, die sonst nicht finanzierbar wären», sagt Mösch.

Die Entscheidung, welche Gesuche man bearbeiten will, liegt läge beim Gemeinderat. Widerkehrende Beiträge aus der Sonderrechnung seien ausgeschlossen. Auch wolle man keine Projekte unterstützen, die eigentlich mit Steuermittel zu finanzieren wären.

Neue Turnhalle im Gespräch

Dabei kam bei einem Anwesenden die Frage auf, ob man mit der Erbschaft zum Beispiel den Bau einer Dreifach-Turnhalle finanzieren könnte. Schliesslich sei dies ja eine Aufgabe der Gemeinde.

«Auch Arbeitsstunden können als  Eigenleistung gelten.»Simon Mösch, 
Gemeinderat Wila

«Es ist schwierig zu sagen, ob man dafür Geld einsetzen würde», sagte Fredi Gerber, der die Projektgruppe zur Erarbeitung des Reglements als Berater begleitet hat. So müsse eine Schulturnhalle sowieso gewisse Standards erfüllen. Für alles was darüber hinausgeht, sei die Sprechung von Geldern theoretisch möglich.

50 Prozent Eigenleistung

Fest steht jedenfalls, das Antragssteller immer auch eine Eigenleistung von 50 Prozent einbringen müssen. Damit sei aber nicht zwingend ein finanzieller Beitrag gemeint. «Auch Arbeitsstunden können als Eigenleistung gelten», erklärt Mösch. Damit will der Gemeinderat sicherstellen, dass finanzierte Projekte auch tatsächlich umgesetzt werden.

Die Anträge müssten zudem schriftlich anhand eines Formulars erfolgen. Die Frist sei jeweils der 30. Juni des Vorjahres, damit genügend Zeit für eine entsprechende Budgetierung bleibt.

Das vererbte Grundeigentum bleibt vorerst im Besitz der Gemeinde. Allfällige Projekte würden bis zu einem Verkauf durch langfristige Darlehen finanziert werden. Ob die Grundstücke überhaupt verkauft werden, wird sich frühestens nach dem Erstellen einer neuen Immobilienstrategie zeigen.

Am 25. November wird das Wilemer Stimmvolk an der Urne dann über die Gründung einer Sonderrechnung, wie auch über die Einführung des entsprechenden Reglements befinden.

(Der Landbote)

Erstellt: 13.07.2018, 16:16 Uhr

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