Berufsmeisterschaft

«Wir haben keinen Schoggi-Job»

Fünf junge Frauen aus der Region messen sich am Samstag an der Kantonalen Berufsmeisterschaft FaBest 2019. Sie alle absolvieren eine Lehre zur Fachpersonen Betreuung.

Die fünf Kandidatinnen arbeiten in Kitas in der Region.

Die fünf Kandidatinnen arbeiten in Kitas in der Region. Bild: Symbolbild Caro

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Ein bisschen nervös sei sie schon, sagt Alina Keiser. «Kurz vor dem Wettbewerb wird es dann sicher noch schlimmer.» Die 19-Jährige wohnt in Andelfingen und absolviert ihre Ausbildung zur Fachfrau Betreuung (FaBe) in der Kita Schnäggehuus in Winterthur. Heute tritt sie zusammen mit vier anderen jungen Frauen aus der Region Winterthur an der kantonalen Berufsmeisterschaft FaBest in Zürich an.

Sie alle befinden sich im dritten Lehrjahr in ihrer Ausbildung zur Fachfrau Betreuung (FaBe). Sie arbeiten in Kinderkrippen, Alterszentren oder Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen. Insgesamt 15 Frauen und ein Mamm aus dem ganzen Kanton messen sich an der Meisterschaft, die vom Berufsverband Organisation der Arbeitswelt Soziales Zürich (OdA S) organisiert wird. Die besten vier dürfen im nächsten Jahr am Final teilnehmen, der voraussichtlich in St. Gallen stattfindet

Vorurteile abbauen

Neben Alina Keiser kämpfen aus der Region Winterthur auch Delia Niederer aus Neftenbach, Martina Jucker aus Weisslingen, Derenisse Batlle Castillo aus Winterthur und Joelle Damay aus Illnau-Effretikon um den Titel. Und alle haben ein klares Ziel: Sie wollen gewinnen. Doch es geht ihnen um mehr als um den Sieg: «Ich möchte vor allem Vorurteilen abbauen», sagt Martina Jucker, die ihre Lehre in einem Hort in Zürich absolviert. «Wir haben keinen Schoggi-Job.» Oft bekomme sie zu hören, dass sie den ganzen Tag ja nur spiele und bastle. «Aber unser Beruf beinhaltet so viel mehr, das möchte ich der Öffentlichkeit an der Meisterschaft zeigen.»

Dieses Ziel hat auch Delia Niederer, die in einer heilpädagogischen Schule in Winkel in der Kinderbetreuung arbeitet. «Es gibt bei uns auch schwierige Tage», sagt sie. Denn es gehe nicht nur darum, die Kinder zu hüten. «Wir möchten sie fördern und ihnen etwas fürs weitere Leben mitgeben.»

Reagieren wie gelernt

Als Betreuerin in einer Kindertagesstätte hat Alina Keiser ihren Traumberuf gefunden. «Ich wollte schon immer mit Kindern arbeiten», sagt sie. Deren Entwicklung zu verfolgen, bereite ihr Freude und auch die Arbeit im Team schätze sie sehr. Dass sie an der Meisterschaft auch Aufgaben aus den Bereichen Alter oder Menschen mit Behinderungen lösen muss, habe ihr zunächst Eindruck gemacht. «Aber ich weiss ja eigentlich, wie ich mit Menschen umgehen muss», sagt sie. «Ich werde einfach so professionell handeln, wie ich es die letzten drei Jahre gelernt habe.»

«Ich weiss ja
eigentlich, wie ich mit Menschen
umgehen muss.»
Alina Keiser, Lernende FaBe in der Winterthurer Kindertagesstätte Schnäggehuus

Joelle Damay aus Illnau-Effretikon möchte sich selbst und anderen ihr Können beweisen, sagt die 20-Jährige. Auf die Meisterschaft arbeitet sie seit dem ersten Lehrjahr hin. «Damals habe ich erfahren, dass es das gibt und hab mir zum Ziel gesetzt, im dritten Lehrjahr mitzumachen.» Damay arbeitet in Zürich in der Irchelkrippe mit Babys und Kleinkindern. Die Arbeit sei abwechslungsreich, einen Job am Computer könne sie sich nicht vorstellen.«Und auch wenn ich morgens mal mit dem falschen Bein aufgestanden bin, habe ich sofort ein Lächeln im Gesicht, wenn ich zu den Kindern komme.» Es sei schön, wenn sie den Kindern etwas beibringen und sie fördern könne. Wenn es mit dem Sieg nicht klappen sollte, sieht sie in der Teilnahme eine wichtige Erfahrung. «Ich will dort vor allem auch Neues lernen.»

Gerne im Wettbewerb

Vor den Aufgaben hat Derenisse Batlle Castillo keine Angst. «Aber ich bin natürlich aufgeregt.» Auch sie möchte der Öffentlichkeit ihren Beruf näher bringen. «Und ich habe gerne Wettbewerbe», sagt sie. Batlle Castillo arbeitet in den Alterszentren der Stadt Winterthur, derzeit in Oberwinterthur. Die Betreuung von Betagten würde ihr liegen. «Ich versuche sie zu motivieren, dass sie ihren Alltag mitgestalten.»

Beim Wettbewerb müssen alle Teilnehmerinnen drei Aufgaben lösen. Diese wurden von einem überregionalen Fachteam entwickelt. Eine Aufgabe können die jungen Berufsfrauen vorbereiten, von den beiden anderen wissen sie im Voraus wenig. Schauspieler helfen dabei, Szenen aus dem Berufsalltag nachzustellen. Die angehenden FaBes müssen professionell darauf reagieren.

Es können Aufgaben aus allen drei Vertiefungen, sprich Kinder, Alter oder Menschen mit Behinderungen vorkommen. Eine Fachjury beurteilt das Können der angehenden Berufsleute. Ziel sei es, den Beruf FaBe in Zukunft auch an den Swiss Skills, den nationalen Berufsmeisterschaften, zu etablieren, sagt Bea Linder, Kommunikationsverantwortliche der OdA S. Die Ausbildung gibt es seit 2005. «Aber viele denken immer noch, dass es sich um Pflegerinnen handelt», sagt Linder. Dabei liegt der Fokus der Fachpersonen bei der psychosozialen Betreuung der Menschen. Sie meistern mit Kindern, alten Menschen oder Behinderten den Alltag und unterstützen sie in deren Entwicklung und Wohlbefinden.

Die Meisterschaft FaBest 2019 ist öffentlich und findet heute Nachmittag von 13.30 bis 17 Uhr an der Förrlibuckstrasse 60 in Zürich statt, www.oda-soziales-zh.ch

Erstellt: 08.11.2019, 17:02 Uhr

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