Bezirksgericht

Als er sie würgt, sagt er: «Stirb, stirb!»

Ein Mann schlägt seine Ehefrau im letzten Sommer und bedroht sie mit dem Tod. Am Freitag stand er deshalb vor dem Pfäffiker Bezirksgericht. Seine Frau habe ihm verziehen, sagte er.

Der Angeklagte will sich nicht mehr an die Tat erinnern.

Der Angeklagte will sich nicht mehr an die Tat erinnern. Bild: Keystone

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Die Frau sieht nur noch Blitze, als ihr Mann sie im Schlafzimmer mehrmals mit der flachen Hand gegen den Kopf schlägt. Sie liegt auf dem Bett, er auf ihr und würgt sie. «Stirb, stirb!», sagt er zu seiner Ehefrau.

Der untersetzte Enddreissiger, wie seine Frau vor rund zehn Jahren aus Südasien geflohen, trinkt an jenem Abend im letzten Sommer über den Durst. Als er nach Hause kommt, ist er wütend, seine Frau beschimpfte er während eines Telefonats kurz davor als «Hure». Denn eigentlich hatte sie ihm das Trinken verboten. Sie hätten sich öfter gestritten, meistens über Geld.

«Meine Tochter hat mir erzählt, dass ich meine Frau geschlagen habe.» Der Angeklagter konnte oder wollte sich vor Bezirksgericht nicht an die Tat erinnern

Nach der Würgattacke packt er sie laut Anklageschrift an den Füssen und zieht sie vom Bett. Als der Rettungsdienst eintrifft, bricht die Frau vor der Wohnung zusammen. Auf dem Weg in den Notfall kann sie jedoch stabilisiert werden. Am Ende trägt sie Schürfungen an Wange und Knie, einen Bluterguss am Oberarm und eine Verschiebung des Kehlkopfs davon. Immer wenn sie den Mund öffnet, hat sie Schmerzen.

Kaum Erinnerungen

Am Freitag, als sich der Beschuldigte vor dem Bezirksgericht Pfäffikon für diese Tat verantworten muss, sagt er mithilfe eines Übersetzers: «Meine Tochter hat mir erzählt, dass ich meine Frau geschlagen habe.» Er könne sich nicht genau an alles erinnern. Dieser Satz fällt bei ziemlich jeder Nachfrage der Richterin. Er bestreitet die Aussagen seiner Frau aber auch nicht. Als die Richterin ihn fragt, weshalb er das getan habe, schweigt er mehrere Sekunden lang, streicht sich über den Bart und antwortet: «Ich habe darauf keine Antwort.»

Mittlerweile lebt das Ehepaar mit seinen Kindern wieder zusammen in der Region. Die Kinder hätten sich das so gewünscht und die Frau habe ihm verziehen. Nach der Attacke hatte ihn die Polizei für sieben Wochen in Untersuchungshaft gesteckt. Der Verteidiger sprach in seinem Plädoyer davon, dass dieser Aufenthalt seinem Mandanten «sehr zugesetzt» habe. Er habe realisiert, dass er nun aufpassen müsse.

«Ich habe darauf keine Antwort.»Der Angeklagte auf die Frage; warum er es getan hat

«Heute trinke ich nicht mehr», sagt er der Richterin. Als sie nachhakt, seit wann er trocken sei, antwortet er: «Ab und zu trinke ich schon noch, aber ich kaufe nicht mehr harassenweise Bier und trinke es.» Seine Arbeitsstelle hat der Beschuldigte nach der Untersuchungshaft ebenfalls wieder erhalten. «Wenn ich ein schlechter Mensch wäre, hätte man mich bestimmt nicht wieder angestellt», sagte der Beschuldigte. Der Verteidiger bestritt die Schläge, die Beschimpfung und die Drohung ebenfalls nicht. Er verwies aber auf die von Verwandten arrangierte Ehe der Beiden und den übermässigen Alkoholkonsum seines Klienten: «Dass das fast zwingend in einem Eklat enden musste, ist nachvollziehbar.»

Streit mit Nachbarin

Vor Gericht wurde auch noch ein zweiter Fall behandelt: Einige Monate zuvor war der Mann mit einer Nachbarin aneinander geraten. Vorausgegangen war Unordnung in der Waschküche. Die Nachbarin vermutete die Töchter dahinter und forderte sie zum Putzen auf. «Als ich mich nach Feierabend zuhause umzog, kam meine Tochter weinend zu mir», schilderte der Beschuldigte die Szene. Sie sagte ihm, dass die Nachbarin die Familie als Schweine und Hunde bezeichnet haben soll.

Der Beschuldigte fühlte sich in seiner Ehre verletzt, wollte sich das nicht bieten lassen, suchte die Nachbarin auf und bezeichnete sie mit seinen spärlichen Deutschkenntnissen als «Scheiss-Lehrerin». Weshalb? «Ich war wütend und habe ihren Namen nicht gewusst», sagte er vor Bezirksgericht. Sein Verteidiger sprach von einer Provokation der Nachbarin, bei der man verständlicherweise wütend werde. Die Tatsache, dass sein Mandant «in Unterhosen und Unterhemd» die Nachbarin aufgesucht habe, sei Beleg für die prompte Reaktion des Beschuldigten. Auch Drohungen seien keine vorgefallen, wie die Nachbarin behaupte, das belege ein Nachbar, der die Situation beobachtet habe. «Lautes Reden und ein Mahnfinger sind zwar unschön, aber keine Drohung», sagte der Verteidiger.

Der Beschuldigte stand bei beiden Taten bereits unter Bewährung. Denn bereits vor rund zwei Jahren war er wegen gewerbsmässigen Betrugs zu einer für zwei Jahre bedingten Geldstrafe von 5400 Franken und einer zwingenden Busse von 500 Franken verurteilt worden. Gegenüber der Sozialhilfe hatte er seine Einkünfte verschwiegen.

«Da kaum finanzielle Mittel vorhanden sind, würde darunter die ganze Familie und somit auch die Ehefrau leiden.»So begründet der Verteidiger seine Forderung nach einer milden Strafe.

Die Staatsanwaltschaft, die an der Verhandlung ebenso wie die beiden Privatklägerinnen nicht teilnahm, forderte für die einfache Körperverletzung und mehrfache Drohung sowie Beschimpfung eine zweijährige bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 30 Franken, dazu eine Busse von 1000 Franken und eine Verlängerung der Probezeit der Vorstrafe um ein weiteres Jahr bis 2020.

Der Verteidiger verlangte 100 Tagessätze à 30 Franken mit einer Probezeit von drei Jahren, dafür keine Busse. «Da kaum finanzielle Mittel vorhanden sind, würde darunter die ganze Familie und somit auch die Ehefrau leiden.»

Teilweiser Schuldspruch

Das Gericht verurteilte den Beschuldigten am Ende zu 150 Tagessätzen à 30 Franken. Davon sind allerdings bereits 45 Tage durch die Untersuchungshaft erstanden. Die restlichen 3150 Franken muss er nur zahlen, wenn er innerhalb der nächsten drei Jahre wieder straffällig wird. Zudem wird die Probezeit seiner Vorstrafe um ein Jahr verlängert.

Bezüglich der Drohung gegenüber der Nachbarin sprach ihn das Gericht frei, nicht aber von der Beschimpfung «Scheiss-Lehrerin». Auf eine Strafe verzichtete das Gericht aber, aufgrund der mutmasslichen Provokation. Eine Geldforderung der Nachbarin in Höhe von 1500 Franken schlug das Gericht ebenfalls aus. Ein grosser Brocken werden für den Verurteilten die Gerichtskosten sein, von denen er drei Viertel, also über 2500 Franken, übernehmen muss.

Erstellt: 29.04.2019, 13:46 Uhr

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