Bauma

Das Blumenau-Dorf wächst weiter

In der Blumenau heilten sie Frauen von der Trinksucht, gaben zuerst alten Menschen ein Daheim und dann den Pflegebedürftigen. Jetzt wird das alte Haupthaus umgebaut und erweitert.

Die Fassade der Blumenau bleibt unverändert, die Räume auf der Rückseite werden erweitert.

Die Fassade der Blumenau bleibt unverändert, die Räume auf der Rückseite werden erweitert. Bild: Heinz Diener

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Rose, Flieder, Tulpe und die Blumenau. Die vier Häuser stehen zwischen Steg und Bauma, unweit der Töss, wie ein Dorf formiert; zwischen ihnen liegt Schnee und Gras und zehn Meter Luftlinie.

Die Blumenau, das Haupthaus im Jugendstil des Pflegeheims, ist denkmalgeschützt und ragt heraus. Mit seiner Form, den Rosenfenstern, dem Vorbau.

Im kleineren Essraum löffeln ältere Menschen ihre Suppe, es ist fast Mittagszeit. In einer Stunde werden die Bewohner aus den anderen drei Häusern hier im grösseren Saal essen. In den oberen zwei Stöcken leben dreizehn Menschen in 13 m² kleinen Zimmern.

Sie werden jedoch bald in ein Provisorium auf dem Areal umziehen müssen. Denn die Blumenau, das Haus aus dem Jahr 1899, wird im Mai für 18 Monate saniert und der hintere Teil an der Nordseite erweitert.

Die Blumenau-Geschichte

«Das Gebäude entsprach der Vorstellung eines Heims aus dem 19. Jahrhundert», sagt Heimleiter Felix Graf. Die Räume sind nah aneinandergebaut, die Gänge so gestaltet, dass sich die Bewohner häufig kreuzen. Das will Graf so beibehalten, die Gemeinschaftsräume aber vergrössern, die Schlafzimmer ebenfalls.

Und sie mit Dusche und Toilette ausstatten, die sich die Bewohner bisher auf der Etage teilten, und einen Personenlift einbauen. Dies ist überfällig, denn im Haus Blumen­au leben die Menschen, die von allen 55 Bewohnern am meisten Pflege benötigen. Pläne für die Erweiterung gab es bereits in den 1990er-Jahren, doch es klappte erst beim dritten Anlauf.

Die Umsetzung kostet 8 Millionen Franken, die das Heim selbst finanziert. Die Heimtaxen werden dem Komfort moderat angepasst, sagt Graf. Die Blumenau hat eine lange Geschichte. Sie wurde 1899 als Trinkheilanstalt für Frauen gebaut, die zuerst im Haus Rose lebten. Der Gründer wollte denen helfen, die sich verstecken mussten.

Frauen, die tranken, waren in der Gesellschaft kaum akzeptiert. Sie kamen vorwiegend aus Österreich und Deutschland, weil sie sich den Entzug leisten konnten. Später kamen dann Frauen und auch Männer aus der näheren Umgebung des Tösstals. Nach dem Ersten Weltkrieg blieben die Patienten immer mehr weg. «Es lag nahe, etwas für ältere Menschen zu schaffen», sagt Graf. So wurde 1920 aus der Trinkheilanstalt ein Altersheim.

Als sein Vater 1969 die Heimleitung übernahm, wohnte Felix Graf im ersten Stock der Blumenau und verbrachte seine Jugend da. Dann zog er ins Hotel Waldhaus in Sils, lernte Koch und an der Hotelfachschule. Seine Karriere zum Hotelier war vorbereitet. Doch es kam anders: 1987 kaufte er, 29 Jahre alt, mit seiner Frau das Blumenau-Dorf und machte aus dem Altersheim ein Pflegeheim.

Heim für Jung und Alt

«Früher lebten Menschen hier, die zu Hause nicht kochen konnten. Heute geht deshalb keiner mehr in ein Heim», begründet Graf diesen Entscheid. Diese können sich heute anders helfen wie etwa mit der Spitex. «Menschen gehen erst ins Heim, wenn sie gar nicht mehr daheim leben können.» Die medizinischen oder psychischen Leiden haben indes zugenommen.

Daher leben im Haus Flieder, wo früher eine Heilsarmeestation stand, auch jüngere Menschen ab 50 Jahren in einer Wohngemeinschaft, die schwierige Biografien oder gerontopsychiatrische Probleme haben. Sie profitieren von der Heimsituation, etwa im Austausch mit anderen. «Wir haben einen jüngeren Mann, der französisch spricht», sagt Graf. «Er sitzt beim Essen neben einer betagten Frau aus dem Welschland.»

Alle leben überall, die Bewohner sollen sich bewegen und an der Gemeinschaft teilnehmen. Es gibt zentrale Orte, wie den Esssaal in der Blumenau, und dezentrale in den einzelnen Häusern. «Für uns ist die Einheit wichtig, es soll aber auch der individuelle Rückzug möglich sein», sagt Graf.

Der Umbau wird die Menschen im Heim-Dorf noch näher zusammenbringen. Bis einige von ihnen im Herbst 2017 wieder in die neue alte Blumenau ziehen. (Landbote)

Erstellt: 15.03.2016, 15:25 Uhr

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