Wila

Das Erbe gibt es nicht einfach so

Der Gemeinderat will das Millionenerbe von Jakob Schoch für gemeinnützige Zwecke einsetzen. Es gibt aber klare Kriterien, wer Anspruch auf Unterstützung hat.

Jakob Schoch bescherte der Gemeinde Wila 2013 einen unerwarteten Geldsegen. Nun soll die Bevölkerung entscheiden, was mit den 3,6 Millionen aus seinem Nachlass passiert.

Jakob Schoch bescherte der Gemeinde Wila 2013 einen unerwarteten Geldsegen. Nun soll die Bevölkerung entscheiden, was mit den 3,6 Millionen aus seinem Nachlass passiert. Bild: Johanna Bossart

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Jakob Schoch hat der Gemeinde Wila nach seinem Tod im Herbst 2013 ein ungewöhnliches Geschenk hinterlassen. Der kinderlose Mann hatte die Gemeinde als Alleinerbin eingesetzt. Plötzlich war Wila um rund 3,7 Millionen Franken reicher. Seit der überraschenden Schenkung hat sich die Gemeinde mehrmals damit beschäftig, wie sie mit dem Schoch-Erbe umgehen soll. Die Aufgabe ist auch nicht ganz einfach. Jakob Schoch hat keine konkreten Vorgaben gestellt. Im Testament heisst es nur, man dürfe «nach Gutdünken gemeinnützige Beiträge» sprechen. Nun hat der Gemeinderat einen Weg gefunden, wie er diesem Wille gerecht werden kann. Er will den Nachlass in eine Sonderrechnung überführen. Aus dieser sollen Beiträge für «einmalige, besondere und gemeinnützige Projekte» gesprochen werden. Die Kriterien für Auszahlungen sind in einem Reglement festgehalten. So sind etwa Beiträge an gewinnorientierte Organisationen oder wiederkehrende Zahlungen ausgeschlossen. Zudem müssen Projekte einen lokalen Bezug haben und für die Bevölkerung in Wila einen «gesellschaftlichen Mehrwert schaffen».

Damit geförderte Projekte auch von der Bevölkerung mitgetragen wird, müssen Gesuchsteller zudem mindestens 50 Prozent an die Projektkosten beitragen, wie es im Reglement weiter heisst. Als Eigenleistung ist auch Fronarbeit möglich, wie Gemeinderat Simon Mösch schon mehrmals sagte.

Gemeinde will Land kaufen

Abgestimmt wird am 25. November in Wila aber nicht nur über die Sonderrechnung, sondern auch über die Frage, wie diese mit flüssigen Mitteln gefüllt werden soll. Denn der grösste Teil des Vermögens besteht aus Grundeigentum. Das Filetstück ist die Schochenwiese, die mehrgeschossig überbaut werden kann. Aber auch zwei Scheunen, ein Wohnhaus, Wiesen und mehrere Waldgrundstücke gehören zum Nachlass.

Die Politische Gemeinde will diese vererbten Parzellen für rund 3,5 Millionen Franken aus der Sonderrechnung herauskaufen, damit dort Geld für die Auszahlung von Beiträgen verfügbar ist. Ansonsten müsste sie Land aus dem Nachlass konzeptlos veräussern, sobald die flüssigen Mittel von rund 171 000 Franken aufgebraucht wären.

Weiter Mitsprache möglich

Die Rechnungsprüfung empfiehlt den Stimmbürgern, die beiden Anträge des Gemeinderats gutzuheissen. Die Bildung einer Sonderrechnung scheint bisher auch sonst kaum umstritten. Als der Gemeinderat an einer Mitwirkungsveranstaltung Mitte Juli sein Vorhaben präsentierte, erschienen gerade mal zwölf Einwohner. Der Gemeinderat wies an der Veranstaltung darauf hin, dass die Einwohner weiterhin mitbestimmen können, was mit dem Erbe geschieht. Die Sonderrechnung müsste jährlich von der Gemeindeversammlung bewilligt werden. Förderbeiträge von über 200 000 Franken könnte der Gemeinderat selber beschliessen, für höhere Beiträge wäre die Gemeindeversammlung zuständig, ab 1,5 Millionen bräuchte es eine Urnenabstimmung. (Landbote)

Erstellt: 07.11.2018, 12:06 Uhr

Bodeninitiative

Ebenfalls abgestimmt wird in Wila am 25. November über die Bodeninitiative von Christoph Pohl (SP). Diese regt an, dass Liegenschaften und unbebaute Grundstücke grundsätzlich nicht mehr ersatzlos veräussert werden sollen. Stattdessen sollen sie im Baurecht abgegeben werden. Dadurch entsteht laut Initiant für die Gemeinde auf lange Sicht ein berechenbares Einkommen. Davon würden auch spätere Generationen profitieren, die dann neu bestimmen könnten, was mit dem Land geschieht. In der Stadt Winterthur wird am selben Tag ebenfalls über das Thema Baurecht abgestimmt. Anders als der dortige Stadtrat, empfielt der Gemeinderat in Wila ein Nein. Er befürchtet, dass nicht alle Grundstücke für die Vergabe im Baurecht geeignet wären. Zudem sei die Initiative zu rigide und schränke den finanzpolitischen Handlungsspielraum ein. Bei einem Ja zur Initiative müsste der Gemeinderat dennoch eine Gesetzesvorlage ausarbeiten, über die dann nochmals abgestimmt würde.(roh)

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