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Das Neuthal wird zum Wilden Westen

Zwischen Bäretswil und Bauma wird derzeit das Freilichttheater «Spinnen im Neuthal» geprobt. Aufgeführt wird es vom 24. August bis zum 30. September.

Die Reiterinnen warten auf den nahenden Zug.
Die Reiterinnen warten auf den nahenden Zug.
Der Zug wird angegriffen.
Der Zug wird angegriffen.
ist die künstlerische Leiterin Elisabeth Wegmann.
ist die künstlerische Leiterin Elisabeth Wegmann.
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«Da sehe ich ja voll dick drin aus», sagt eine Schauspielerin, die eben ein Kostüm anprobiert. Es besteht aus weissen Stoffbahnen und aufgenähtem Vorgarn, länglichen weissen Wülsten aus Baumwolle, bevor sie zu Garn versponnen wird. «Das Kostüm hilft, in die Rolle hineinzuwachsen», erklärt Kira van Eijsden der Laienschauspielerin. Die Theaterpädagogin ist Spielleiterin im Theaterprojekt «Spinnen im Neuthal» und probt gerade mit einer Gruppe am Teich im Areal der Spinnerei im Neuthal.

Das einstige Fabrikgelände, der Bahnhof Bäretswil und die Bahnstrecke werden schon bald zu einer Bühne für ein Freilichttheater. Der Industriepatron Adolf Guyer-Zeller – gespielt von Profischauspielern – nimmt das Publikum per Dampfbahn und zu Fuss mit auf eine Zeitreise ins 19. Jahrhundert.

Jahrelang recherchiert

Elisabeth Wegmann und Melanie Mock von «T_Raumfahrt» sind die künstlerischen Leiterinnen, die sich rund um Bauma und Bäretswil auf Spurensuche nach Geschichte gemacht haben. Ihre Rechercheergebnisse sind in dreijähriger Arbeit in ein Freilichttheater eingeflossen, das für das Publikum mit einer Bahnfahrt in Bauma beginnt, Zwischenstation auf dem stillgelegten Bahnhof in Bäretswil macht und in einem Rundgang durch das Spinnerei-Areal gipfelt.

«Die Inszenierung muss optisch einen roten Faden haben.»

Eva Geiser,Kostümbildnerin

Im Garten kann der Besucher in geführten Touren an zahlreichen Schauplätzen wie der Grotte oder im Rittersaal Szenen mit und ohne Worte, Licht oder Musik oder Tanz bewundern oder auch Wortgefechte zwischen dem Frühkapitalisten Adolf Guyer-Zeller und aufgebrachten Gewerkschafterinnen verfolgen.

Die Frauen am Teich spielen die drei Nornen, nordische Schicksalsgöttinnen, die dem Menschen ihr Los zuspinnen. Derweil büschelt Kostümbildnerin Eva Geiser an einem weiteren Göttinnen-Kleid die Fäden. Sie hat für das Freilichttheater die Kostüme entworfen. «Die Inszenierung muss optisch einen roten Faden haben», erklärt sie ihr Konzept. «Ich habe aber bewusst keine Kostüme gestaltet, die historisch verbürgt sind», sagt sie. Es gehe darum, dass der Zuschauer Raum für eigene Überlegungen erhält.

«Hier begegnen sich Mittelalter und Neuzeit»

Derweil probt Spielleiterin Karin Arnold auf der Bahnstrecke zwischen dem Neuthal und Bäretswil. Mit erhobenem Arm bringt sie – auf den Gleisen stehend – die eigens zu Probezwecken georderte Dampflok zentimetergenau zum Stehen. Zwei Männer springen aus dem Waggon in die Wiese – und dann preschen Reiterinnen unter Jauchzen und mit gezücktem Holzschwert auf sie zu. Sie repräsentieren Ritter, die Guyer-Zeller auf freiem Feld auflauern. «Hier begegnen sich Mittelalter und Neuzeit», erklärt Melanie Mock. Sie schippt mit einer Schaufel offene Mauslöcher auf der Wiese zu. «Damit die Pferde nicht straucheln.»

Als Kind vom Pferd gefallen

Nicht allen Guyer-Zeller-Schauspielern gefällt die Inszenierung. «Ich bin als Kind vom Pferd gefallen», seufzt Patrick Slanzi, der seinen Kollegen grad gern den Vortritt beim Proben lässt. Die Pferde bleiben trotz Pfeifen der Dampflok ruhig. «Wir haben lange trainiert», schmunzelt eine der Reiterinnen. Jetzt scheuen die Tiere nicht mehr.

Kostümbildnerin Geiser rüstet die Reiter aus – «der Kettenhelm macht total Lärm beim Reiten», meldet eine Reiterin, «ich bin ganz schön erschrocken». Daran gewöhne sie sich, beruhigen sie Mock und Wegmann. Sie wurde, wie die übrigen auch, in lokalen Reitvereinen angeworben. Für alle ist die Schauspielerei eine Premiere – und Abenteuer, wie sie betonen.

Noch viel zu tun

Die beiden künstlerischen Leiterinnen gehen derweil weiter. Sie haben heute ein grosses Probenprogramm vor. Im Rittersaal der Fabrikantenvilla müssen Dialoge geprobt werden, am Bahnhof Bäretswil sollten die Szenen sitzen, in Bauma ist der Fahrplan für die Dampfbahn zu koordinieren. Am 24. August ist Premiere – dann muss alles wie am Schnürchen klappen.

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