Lindau

Das Schwimmbad verliert seine Plättli

Für 2,52 Millionen Franken soll das einstige Bad der Maggi-Fabrikarbeiter in Grafstal saniert werden. Trotz der hohen Kosten sprechen sich die Ortsparteien für den Kredit aus. Am 9. Februar stimmen die Einwohner darüber ab.

Der Strömungskanal ist bereits mit Chromstahl ausgekleidet. Die Plättli des Schwimmbeckens (hinten) lösen sich.

Der Strömungskanal ist bereits mit Chromstahl ausgekleidet. Die Plättli des Schwimmbeckens (hinten) lösen sich. Bild: Archiv/Heinz Diener

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Über 30000 Personen haben 2018 das Schwimmbad Grafstal besucht. Das sind rund 50 Prozent mehr als noch 2016. Damals kamen rund 21000. Das hat Auswirkungen auf die Infrastruktur. «Das Schwimmbad verliert seine Plättli», überschrieb Sozialvorsteherin Esther Elmer einen Artikel im neusten Lindauer Mitteilungsblatt. Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken müssen deshalb dringend saniert werden. Kostenpunkt: 2,52 Millionen Franken. Über das Geschäft stimmt das Volk am 9. Februar an der Urne ab.

 «Das Projekt kostet viel Geld, aber es ist auch gut investiert.»Patrick Friedli, SVP-Präsident

Die Rechnungsprüfungskommission empfiehlt ein Ja, ebenso die Ortsparteien SP, SVP und FDP. Die Kosten seien vertretbar, sagt Susi Klaus, Interimspräsidentin der FDP Lindau. Denn: «Die Sicherheit geht vor.» Zudem spreche die solide Finanzlage der Gemeinde für die Annahme des Projekts. Das Budget 2020 sieht ein Plus von 9,4 Millionen Franken vor, der Steuerfuss ist im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozentpunkte auf 108 Prozent gesunken.

«Nachhaltige Sanierung»

Gleicher Meinung ist die SP. «Unserer Ansicht nach handelt es sich hier um eine nachhaltige Sanierung», sagt Präsidentin Ruth Alder. Und ergänzt: «Vielleicht wurde bei der Sanierung und dem Ausbau 2004 am falschen Ort gespart.» SVP-Präsident Patrick Friedli betont, wie beliebt das Schwimmbad bei Einheimischen und Auswärtigen sei und sagt: «Das Projekt kostet viel Geld, aber es ist auch gut investiert.» Es sei sinnvoll, dass jetzt umfassend saniert werde. Eine Parole fasst die Partei am Donnerstag.

Das 1939 einst für Fabrikarbeiterinnen und -arbeiter der Firma Maggi in Kemptthal erstellte Bad ist 2003 und 2004 grundlegend saniert worden. Es kamen Sprungtürme und ein Strömungskanal hinzu. Inklusive Erneuerung der Wasseraufbereitung, der Garderoben, der Umgebung und des Restaurants kostete das Projekt damals 2,8 Millionen Franken. Die einzelnen Becken wurden mit Keramik-Platten ausgekleidet, die Sprunganlage und der Strömungskanal in Chromstahl erstellt. 2011 und 2012 folgte eine Kletterwand, Kioskküche und Holzunterstand wurden angepasst.

Nun lösen sich in den Becken seit einigen Jahren die Plättli ab. Bis vor zwei Jahren wurden sie wieder neu verklebt. Doch mittlerweile hat sich gezeigt, dass sich diese notdürftige Reparatur nicht lohnt, weil sich der Kleber wegen der Feuchtigkeit nie richtig verfestigt. Deshalb werden die Lücken nun mit Zement ausgefüllt. Doch in den letzten Jahren haben sich die Plättli auch während der Saison gelöst. Badegäste haben sich an den Kleberresten Schnittwunden zugezogen.

Der Gemeinderat hat deshalb verschiedene Sanierungsmassnahmen geprüft und ist nach Abwägung aller Vor- und Nachteile zum Schluss gekommen, dass die Variante Chromstahlauskleidung die sinnvollste ist. Zu diesem Schluss kommt auch die FDP. «Es gäbe zwar Varianten, diese wären aber weitaus weniger attraktiv und nicht wesentlich günstiger», sagt Interimspräsidentin Klaus. Und die SP begrüsst, dass sich mit dem Einbau der Chromstahlwanne ausserdem die Betriebskosten sowie der Verbrauch von Chemikalien senken liessen.

Start im September

Sagen die Stimmbürger Ja, beginnen die Bauarbeiten nach Saisonschluss im kommenden September. Ende 2021 könnten sie abgeschlossen sein, sofern das Wetter mitspielt. Lehnen die Stimmbürger den Kredit ab, würden abgelöste Plättli weiterhin mit Zement ersetzt. Der Aufwand für die Reinigung nähme laut Gemeinderat zu, und für die Aufbereitung des Wassers müsste mehr Chemie eingesetzt werden, da sich auf rauen Oberflächen eher Dreck und Algen absetzen.

Erstellt: 21.01.2020, 16:48 Uhr

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