Persönlich

Der Kampfsportler zieht jetzt Tomaten

Stefan Meier nahm sich eine Auszeit, um sich dem Thaiboxen zu widmen. Doch dann wurde der Maurer auf dem Hof seiner Eltern in Schalchen gebraucht. Heute ist er Biobauer und kümmert sich am liebsten um den Gemüseanbau.

Im Gewächshaus kümmert sich Stefan Meier sorgfältig um Tomaten und Auberginen. In der Freizeit trainiert er Kampfsport.

Im Gewächshaus kümmert sich Stefan Meier sorgfältig um Tomaten und Auberginen. In der Freizeit trainiert er Kampfsport. Bild: Madeleine Schoder

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In den kräftigen Händen von Stefan Meier wirken die Tomaten ziemlich dünnhäutig, als würden sie in ängstlicher Erwartung des bald folgenden Drucks gleich platzen. Doch der 33-Jährige greift sorgfältig zu, um zu prüfen, ob die Tomaten schon reif sind. Er wiegt sie kurz in den tätowierten Fingern und erklärt mit ruhiger Stimme, welche Zweige er bald wieder schneiden muss und was sonst noch alles in seinem neuen Gewächshaus gedeiht. In einer Reihe nebenan ranken sich Gurken empor, näher am Boden wachsen schwarze Auberginen. Nicht mehr viel übrig ist vom Spitzkabis. Den konnte er bereits ernten.

Stefan Meier ist noch nicht allzu lange Vollzeitlandwirt. Der gelernte Maurer hat den Eschenhof vor rund zwei Jahren von seinen Eltern Renate und Christoph übernommen. Er liegt auf einem schönen Flecken Land am Dorfrand von Schalchen in der Gemeinde Wildberg. Zu weiten Teilen sind die umliegenden Felder von Wald eingerahmt.

Im Stall war er weniger gern

Als Jugendlicher hatte Stefan Meier noch ganz andere Pläne. Er liess sich erste Tattoos stechen und interessierte sich für Kampfsport. Die Arbeit auf dem elterlichen Hof begeisterte ihn hingegen weniger.

«Mit dem ständigen Melken hatte ich Mühe», sagt er. «Ich mochte den Geruch im Kuhstall nicht.» Eine Übernahme des Hofs konnte er sich deshalb lange Zeit nicht vorstellen. Zumal sein jüngerer Bruder dafür infrage kam und es ihm beruflich gut lief. Vom Maurer arbeitete er sich zum Polier hoch.

Das ging so lange, bis er seinen Fokus ganz auf Kampfsport legen wollte und sich eine einjährige Auszeit nahm. In dieser Zeit stellte sich jedoch heraus, dass der jüngere Bruder den Hof nicht alleine führen konnte. Nach einem halben Jahr kehrte Stefan Meier deshalb zurück und begann als bald 30-Jähriger eine Landwirtschaftslehre. Seit 2017 führt er den Eschenhof als Familienbetrieb weiter und hat bereits einige Änderungen angestossen.

Mehr Gemüse statt Kühe

Die biologische Grundausrichtung bleibt aber dieselbe wie vorher. Auch sein jüngerer Bruder arbeitet weiterhin Teilzeit auf dem Hof mit. Die Kühe hat Stefan Meier jedoch der Reihe nach verkauft. «Es macht keinen Sinn, sie zu behalten und dann die Kuhhaltung nach zehn Jahren doch aufzugeben.» Der Stall ist seit diesem Frühling leer. Dies, obschon seine Eltern auf Mutterkuhhaltung umgestellt hatten und das Melken somit weggefallen wäre.

«Meinen Eltern kann ich nur Danke sagen.»Biobauer Stefan Meier

Stattdessen vergrösserte Meier den Acker- und den Gemüseanbau und richtete wieder einen Hofladen ein. Ein wichtiges Standbein bleibt zudem der Hühnerstall mit rund 2000 Tieren. Die Hühner geniessen dabei viel Freilauf, sie können sich auf einer Wiese aufhalten, die eine Hektare gross ist. Auf Bestellung liefert die Familie Meier die Eier in der Umgebung nach Hause.

Keine Pestizide im Einsatz

Am meisten Freude bereitet Stefan Meier aber der Gemüseanbau. Er arbeitet dabei ohne Pestizide und künstlichen Dünger. «Das wirkt sich auf den Geschmack und die Struktur aus», ist er überzeugt. Unkraut jäte er entweder von Hand oder lasse es wachsen. «Wir denken in Kreisläufen», sagt er. Mit Parasiten hatte er bislang keine Probleme. Vielleicht seien dafür die Anbaumengen zu klein.

Einen Teil der Ernte verkauft er möglichst direkt an die Konsumenten. Er habe festgestellt, dass viele aus der Umgebung vor allem wegen des Gemüses in den Hofladen gekommen seien und nicht wegen des Fleischs. Regelmässig beliefert er zudem die Privatschule «Die neue Lernwelt» in Kollbrunn oder andere Hofläden in der Region.

Eltern stehen hinter seinen Ideen

Seine Eltern helfen weiterhin beide auf dem Hof mit. Bei Veränderungen lassen sie ihm jedoch freie Hand. «Er macht das super», sagt Vater Christoph Meier im Vorbeigehen. In der Landwirtschaft brauche es ständig Veränderungen und neue Ideen. «Ich kann ihnen nur Danke sagen», sagt auch Stefan. «Sie haben immer wieder in den Hof investiert. Alles ist in einem guten Zustand.»

Angesprochen auf seine auffälligen Tattoos, sagt der Jungbauer. «Sie gefallen mir. Ich habe schon immer mein Ding gemacht.» Was andere davon halten, sei ihm nicht so wichtig. Kampfsport trainiert er zwar weiterhin. An Kämpfen nimmt er aber nicht mehr teil. Seine Zukunftspläne haben sich geändert. Meier geht jetzt davon aus, dass er auf dem Eschenhof pensioniert wird.

Erstellt: 11.08.2019, 16:54 Uhr

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