Illnau-Effretikon

Der kleine Verein, der Grosses denkt

Seit knapp zwanzig Jahren setzt sich das Forum 21 für nachhaltige Entwicklung ein. Ein Portrait über einen lokalen Verein mit globalen Zielen.

 Yves Grünwald ist seit fünf Jahren im Vorstand des Forum 21 von Illnau-Effretikon.

Yves Grünwald ist seit fünf Jahren im Vorstand des Forum 21 von Illnau-Effretikon. Bild: Marc Dahinden

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Yves Grünwald, Vorstand im Forum 21 von Illnau-Effretikon, fürchtet sich nicht vor Fragen. Denn im Zentrum des Forums steht eine der grössten Fragen überhaupt: «Wie wollen wir in Zukunft leben?» Das Forum 21 kümmert sich darum, das Thema Nachhaltigkeit in die Bevölkerung zu tragen. Die Wurzeln der Organisation reichen bis in die späten Neunzigerjahre zurück. Und wenn man so will, sogar bis nach Brasilien.

Das 21. Jahrhundert überleben

Sie hätten sich darüber sehr gefreut, sagt Yves Grünwald: Der Stadtrat hat im Dezember 19 Ziele für die nächsten vier Jahre beschlossen. Ein Grossteil der Ziele entspricht den Absichten der UNO-Agenda 2030, die auch das Forum 21 verfolgt. Wer ist dieser Verein, der für die Stadt Illnau-Effretikon die Agenda 2030 auf lokaler Ebene umzusetzen will?

Rio de Janeiro, 1992, Erdgipfel:

Die «Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung» tagte. Eines der wichtigsten Ergebnisse des Gipfels war die Agenda 21, ein Papier, das Ziele setzt, wie nachhaltige Entwicklung im 21. Jahrhundert aussehen soll. Oder etwas salopper im inoffiziellen Titel des Treffens: «Das 21. Jahrhundert überleben.»

«Je besser jemand in einem Thema informiert ist, desto besser kann er darüber debattieren und entscheiden.»Yves Grünwald,
Vorstand Forum 21

Doch grosse Ziele sind schwer zu erreichen. Schliesslich ist es nicht die Weltgemeinschaft, welche die Radiatoren um ein paar Grad herunterdreht, sondern der Einzelne bei sich zuhause. Also gibt es eine etwas konkretere Version: Die lokale Agenda 21 - Ziele zur nachhaltigen Entwicklung für die kommunale Ebene.

Illnau-Effretikon, 1999:

Am 17. März treffen sich 65 Gründungsmitglieder, um das «Forum 21 Illnau-Effretikon» zu gründen. Es beginnt die «kreative Arbeit für eine wünschbare Zukunft», wie der erste Präsident im ersten Jahresrückblick schreibt. Dem neugeborenen Forum steht die Stadt Pate.

Zum ersten Geburtstag gab es einen Leistungsauftrag und damit ein jährliches Budget von 10 000 Franken. Dazu drei Aufträge: Das Bewusstsein der Bevölkerung für Nachhaltigkeit fördern, Einzelne oder Gruppen zu zukunftsbeständigem Verhalten animieren und kommunale Nachhaltigkeits-Projekte unterstützen und begleiten. Grob gesagt, geht es darum, eine massgeschneiderte lokale Agenda 21 für Illnau-Effretikon zu erarbeiten. Das Forum 21 und die Stadt erneuerten diese Leistungsvereinbarung 2014 und sie ist gültig bis heute. Seit den Neunzigerjahren hat sich die globale Perspektive auf Nachhaltigkeit verändert.

New York, 2015, September:

Die Agenda 21 wurde abgelöst, Die UNO beschliesst die Agenda 2030. Die Stossrichtung bleibt ähnlich aber wird etwas konkreter. Das Forum folgt der Entwicklung. Etwas über hundert Mitglieder engagierten sich inzwischen ehrenamtlich im Forum von Illnau-Effretikon. Verschiedene Aktionen sind längst fixe Termine im städtischen Kalender. Die Kulturwoche, der Velotag, Quartierbegehungen im Rahmen der Revision der Bau- und Zonenordnung, um herauszufinden, was die Illnau-Effretiker wollen und brauchen. Aber auch in konkreten politischen Entscheidungen schaltet sich das Forum 21 ein.

«Wir wussten nicht, ob wir Buh-Rufe oder Applaus für unsere Empfehlungen erwarten sollen»Yves Grünwald

Zuletzt bei der Abstimmung zum Richtplan. Doch die Art der Einmischung sei anders als bei klassischen Parteien. «Wir animieren die Leute dazu, sich zu informieren, zu engagieren, mitzureden und am Geschehen zu partizipieren.» Sie laden Expertinnen und Fachleute zu ihren Podien ein. Einige davon sind selber im Forum dabei. «Je besser jemand in einem Thema informiert ist, desto besser kann er darüber debattieren und entscheiden», sagt Grünwald. Die Zukunft und somit das Thema Nachhaltigkeit interessiere verschiedenste Leute. Das zeichnet sich nur schon beruflich ab: Im Vorstand sitzen Profis aus dem Bereich Energie, Architektur und Natur. Aber auch aus dem Bereich Web-Design und Vertreter der Kirche.

«Wenn wir einen Anlass organisieren, ist die Chance gross, dass aus allen Parteien des politischen Spektrums Leute kommen», sagt Yves Grünwald. Gut informierte Stimmbürger würden ihre Entscheidungen differenzierter fällen. In der Argumentation komme dann häufig ein «trotzdem» oder «dennoch» vor, sagt Yves Grünwald.

Der grösste bisherige Erfolg des Forums schlich sich ohne grosses Tamtam in die Öffentlichkeit. Eine Forums-Arbeitsgruppe beschäftigte sich schon länger mit dem eigentlichen Kernanliegen des Vereins. Die neue Agenda 2030 der UNO und deren Ziele für eine nachhaltige Entwicklung. Insgesamt 169 globale Unterziele fasst die UNO darin zusammen. Wie können diese Ziele für Illnau-Effretikon umgesetzt werden? Das Forum identifizierte 60 Ziele, die ihnen für die Stadt Illnau-Effretikon relevant scheinen.

Der 23. August, 2018:

An der zweiten Sitzung des neu konstituierten Stadtrates von Illnau-Effretikon, traten Mitglieder des Forums vor die Exekutiv-Politikerinnen. «Wir wussten nicht, ob wir Buh-Rufe oder Applaus für unsere Empfehlungen erwarten sollen», sagt Yves Grünwald. Weder noch. Der Stadtrat bedankte sich für die geleistete Arbeit und versprach, die 60 Ziele mit in die Retraite um die Legislaturziele der nächsten vier Jahre zu nehmen. Dann herrschte Funkstille bis im Dezember. Dann die grosse Überraschung.

Beteiligte und Betroffene

Yves Grünwald erinnert sich, wie er Mitte Dezember an der Vorstandssitzung das neue Schwerpunktprogramm der Stadt in der Hand hielt. Der Stadtrat hat sich darin unter anderem auch an den 60 Zielen des Forums orientiert. Es ist ein Meilenstein für das Forum. «Wir sehen es jetzt als unsere Aufgabe der nächsten Jahre, mit der Politik, der Verwaltung und der Gesellschaft diese Ziele anzugehen», sagt er. Für das Forum heisst das Schlüsselwort zu diesen Umsetzungen Vernetzung. «Betroffene zu Beteiligten machen», formuliert Yves Grünwald.

Vernetzung mit anderen örtlichen Vereinen, «Man könnte oft auch Ressourcen sparen durch Kooperation und Koordination mit anderen Vereinen», sagt Yves Grünwald. Oder Vernetzung mit anderen Foren, denn ähnliche Organisationen gibt es in vielen Schweizer Gemeinden, wo man ebenfalls von anderen Erfahrungen profitieren kann. Und schliesslich auch Vernetzung über die Landesgrenzen hinaus, denn das Forum 21 ist nicht alleine mit seinem Bestreben. Vielleicht verfolgt jetzt gerade in Rio de Janeiro eine ähnliche Organisation ähnliche Ziele.

Erstellt: 14.01.2019, 16:11 Uhr

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