Lindau

Der Schreiber, ein Weinfreak

Fast 30 Jahre lang war Viktor Ledermann Gemeindeschreiber. Am 3. Mai tritt er in Lindau ab. Schreiben wird er weiterhin – vor allem über sein Hobby, den Wein.

Viktor Ledermann wird das Gemeindehaus von Lindau nächste Woche zum letzten Mal als Schreiber betreten.

Viktor Ledermann wird das Gemeindehaus von Lindau nächste Woche zum letzten Mal als Schreiber betreten. Bild: Madeleine Schoder

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Alle lieben Viktor Ledermann. Schlechtes über seinen Schreiber findet Lindaus Gemeindepräsident Bernard Hosang weit und breit nicht. Das Einzige, was ihm in den Sinn kommt, ist die Geschichte mit der Krawatte. Ledermann pflegte ihn vor offiziellen Anlässen zu fragen, ob er eine tragen müsse. «Irgendwann ist mir das verleidet», sagt Hosang. «Mach, was Du willst», habe er ihn dann aufgefordert. Gut zwölf Jahre lang hat der 60-Jährige die Verwaltung von Lindau geleitet, davor während 14 Jahren jene von Waltalingen. Ende Januar ist er frühzeitig in Pension gegangen. Er sei lange davon überzeugt gewesen, bis 63 zu arbeiten, sagt er. Doch dann habe er gemerkt, dass er älter und schneller müde wurde. Und dass er nicht von 100 auf 0 Prozent herunterfahren könne. Deshalb hört er jetzt in Raten auf.

Noch arbeitet er für die Firma Steinmann und Partner in Lindau als Springer, bis er das Amt am 2. Mai an seinen Nachfolger Erwin Kuilema übergeben kann. Kuilema lebt in Lindau und war als Schreiber in Berg am Irchel tätig. Die letzte Gemeinderatssitzung hat Ledermann schon hinter sich. Doch innerlich abgeschlossen hat er noch nicht. Gesamthaft hat er sechs Gemeindepräsidenten, allein in Lindau 30 Gemeindeversammlungen und 300 Gemeinderatssitzungen erlebt. «Ich hatte Glück», sagt Ledermann. Er sei mit allen Gemeinderäten immer gut ausgekommen. Und mit allen Präsidenten ganz besonders: Alle seien sehr engagiert gewesen.

«Ein enormes Fachwissen»

Diese Einschätzung beruht auf Gegenseitigkeit. Denn auch Gemeindepräsident Bernard Hosang kann ihn nur loben. Er sei ein grosser Schaffer, sehr initiativ, loyal und habe ein enormes Fachwissen. «Ich konnte ihm blind vertrauen.» Und weil er das Gemeindegesetz sehr gut kennt, hat Lindau erst noch Geld gespart. Andere mussten viel mehr Gutachten einholen.

Ledermann, der in Waltalingen lebt, ist ein Quereinsteiger. Er hat eine kaufmännische Ausbildung gemacht, liess sich zum Werbeleiter weiterbilden und blieb der Branche zehn Jahre lang treu. Für die Swissair hat er in jener Zeit die Weine beschrieben, die auf der Weinkarte der Erstklass-Passagiere aufgeführt waren.

Seit drei Monaten führt Viktor Ledermann einen Weinblog.

«Ich bin ein totaler Weinfreak», sagt er. Das Wissen hat er sich nach und nach selbst angeeignet. Zusammen mit einem Kollegen bewirtschaftet er auch einen kleinen Rebberg, das Keltern überlässt er allerdings einer Fachfrau.

Als heimlicher König, wie das den Schreibern oft nachgesagt wird, hat er sich nie gesehen, stattdessen hat er einfach darauf hingewiesen, welche rechtlichen Konsequenzen ein Entscheid haben kann. Genauso hat er auch den Spielraum im Gesetz aufgezeigt. «Den soll man durchaus nutzen.»

Er habe seine Arbeit sehr gerne gemacht, weil sie vielseitig sei. Im Rampenlicht steht er allerdings nicht gerne. Und er fügt an: «Ich hätte mir mehr Zeit für meine Mitarbeiter nehmen sollen.» Journalisten hat er als vierte Gewalt respektiert – und wo immer möglich mit den gewünschten Informationen beliefert. Mehr noch, er hat ihre Bedürfnisse gekannt, schrieb er doch selbst einige Zeit für das Weinmagazin Vinum.

Besonders stolz ist er darauf, dass das Bundesgericht die Beschwerde zum Richtplaneintrag der Kiesgrube in Tagelswangen gutgeheissen hat. Er selbst nämlich hat sie verfasst. Und auch, dass die Fluktuation auf der Verwaltung in den letzten zwölf Jahren unterdurchschnittlich war.

Bis Ende Jahr ist er in Schönenberg ob Wädenswil zu 40-Prozent als Schreiber tätig. Für weitere Aufträge ist er offen. Auf jeden Fall will er sich aber wieder öfter aufs Mountainbike setzen und in Ruhe ein Buch lesen. Das Schreiben und den Wein wird er nicht lassen: Seit drei Monaten führt er einen Weinblog und schreibt über alles, was ihn wirklich berührt, wie er dort sagt. (Landbote)

Erstellt: 26.04.2018, 13:50 Uhr

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