Magie

Die Geisterjägerinnen

Romina Beer und Chantal Bächer sehen sich als Hexen. Sie wollen anderen dabei helfen, böse Geister zu vertreiben.

Wollen nichts Böses: Romina Beer (mit Hut) und Chantal Bächer sehen sich als gute Hexen.

Wollen nichts Böses: Romina Beer (mit Hut) und Chantal Bächer sehen sich als gute Hexen. Bild: Marc Dahinden

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Sie kennen sich aus einem anderen Leben. «Wir sind Seelenschwestern», sagt Romina Beer. Und obwohl die beiden oft lachen, meinen sie es ernst damit: Chantal Bächer und Romina Beer sind überzeugt davon, dass sie Hexen sind. Nicht bösartige Hexen, wie sie in Märchen so oft vorkommen, und schon gar keine Teufelsanbeterinnen. Sie sehen sich vielmehr als Vermittlerinnen zwischen Welten, in denen sich Tote und Geister bewegen und der Welt der Lebenden. Sie glauben an die Kraft der Natur, an Kobolde und an Waldelfen und daran, dass sie deren Treiben mit Magie wahrnehmen und beeinflussen können. Ihnen ist klar, wie verrückt das für Aussenstehende klingen mag, doch das kümmert sie wenig. «Es gehört einfach zu uns», sagt Chantal Bächer.

Ihre Arme und Hände sind mit mit Natursymbolen tätowiert, beide tragen schwarze Kleider, die Haare leuchten hell in der Abendsonne. Die wenigen Passanten an diesem Abend in Kyburg schauen ihnen nach, als sie vorbeigehen.

«Die Leute reagieren unterschiedlich darauf, die meisten positiv.»Chantal Bächer

Seit bald einem halben Jahr stehen die beiden Frauen auch öffentlich zu ihrem Glauben. Sie verstehen sich als Teil einer Natur-Religion, die unter dem Begriff Neuheidentum weltweit Anhänger findet. In der Schweiz gibt es wohl mehrere hundert Frauen, die sich als moderne Hexen bezeichnen. Vor allem zur Zeit der Walpurgisnacht treten sie hin und wieder in den Medien in Erscheinung.

Wohnungen ausräuchern

Für Romina Beer und Chantal Bächer, die in der Region Winterthur wohnen, hat es einiges an Überwindung gebraucht, bis sie sich in ihrem Umfeld als Hexen zu erkennen gegeben haben. «Die Leute reagieren unterschiedlich darauf, die meisten positiv», sagt Chantal Bächer. Unterstützt werden sie auch von ihren Partnern. Mittlerweile wüssten alle Bescheid. Deshalb haben sie im Internet das Projekt Rabenflug lanciert. Sie bieten auf ihrer Seite Unterstützung bei paranormalen Vorkommnissen an.

Das Projekt komme gut an, sagt Romina Beer, die Nachfrage sei da. So werden sie etwa von Leuten angefragt, bei denen sich der Fernseher wie von Geisterhand einschaltet oder die das Gefühl haben, bei ihnen spukt es.

Die beiden Hexen packen dann ihre Koffer mit einer Glaskugel, verschiedenen Kräutern oder anderen Utensilien und gehen auf Geisterjagd. Mit dabei bei solchen «Hausreinigungen» ist der Husky-Mischling Boy.

Bild: Marc Dahinden

Vor Ort räuchern die beiden Hexen mit selber gezogenen Kräutern die Räume aus und vertreiben mit Gedankenkraft unerwünschte Wesen oder negative Energie, «ohne grossen Hokuspokus», wie sie sagen. Die Hexen geben aber auch Kräuterkurse oder unterrichteten Demeter-Lehrlinge über paranormale Vorkommnisse in der Natur. Bislang machen die beiden dies alles nebenberuflich. «Davon leben können wir noch nicht», sagt Romina Beer. Sie arbeitet Teilzeit als Büroangestellte, Chantal Bächer als Gärtnerin.

Es geistert

Schon früh sei ihnen klar geworden, dass sie geistige Wesen wahrnehmen können, sagt Romina Beer, die ihre Gesprächspartner mit auffallend hellblauen Augen fixiert. Wie die Wesen konkret aussehen, sei schwierig zu beschreiben. Es sei ähnlich wie bei magischen Farbmustern, bei denen man mit dem richtigen Blickwinkel Figuren erkennen könne. «Als würde ein zweiter Film auf dem Auge ablaufen.»

«Davon leben können wir noch nicht.»Romina Beer

Wichtig ist ihnen aber vor allem, naturbewusst zu leben und unabhängig zu sein. Heute hätten viele den Bezug zur Natur verloren. «Es tut sicher jedem gut, mal eine halbe Stunde unter einen Baum zu sitzen und die Umgebung bewusst wahrzunehmen», sagt Chantal Bächer. «In der Region Winterthur gibt es so schöne Waldgebiete.» Ein besonders mystischer Ort sei die Gegend rund um die Kyburg, mit vielen wilden und friedlichen Ecken.

Der Begriff Hexe sei für viele negativ behaftet, was nicht sein müsse. Hexen seien wissbegierig und stark. «Wir wollen nichts Böses», sagt Romina Beer. Das Motto der beiden: «Leben und leben lassen.» (Landbote)

Erstellt: 28.05.2018, 11:01 Uhr

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