Weisslingen

Sie züchten kleine «Fressmaschinen»

Im Garten von Rosmarie und Werner Meili in Weisslingen überwintern derzeit etwa 35 Puppen von Schwalbenschwänzen. Die beiden ziehen Schmetterlinge auf.

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Sie ist gräulich-schwarz und völlig unscheinbar, die Puppe des Schwalbenschwanzes, einer der grössten und auffälligsten Schmetterlingsarten der Schweiz. An einem seidenen Faden hängt sie, befestigt an einem Haselstrauch-Zweiglein neben vielen anderen im Aerarium von Werner und Rosmarie Meili in Weisslingen.Das Aerarium, ein quadratischer Netzbehälter, steht neben zwei weiteren im Garten unweit des Wohnhauses der Meilis unter einem Dach, geschützt vor Wind und Wetter. Es ist am Boden beschwert mit einem Stein, damit es nicht umkippen kann. Vor Mai/Juni wird sich hier allerdings nicht viel tun, die Puppen befinden sich in Winterstarre.

Erst wenn die Temperaturen im Frühling allmählich wieder steigen, schlüpfen die jungen Schmetterlinge, entfalten ihre Flügel, trocknen sie während etwa eineinhalb Stunden und fliegen davon. An den Blättern der Fenchel- und Rüeblipflanzen legen sie ihre Eier ab, aus denen dann junge Raupen schlüpfen.

«Fressmaschinen»

Und hier kommen die Meilis wieder ins Spiel. Sie sammeln die manchmal sehr kleinen, noch schwarz gefärbten Raupen samt den Pflanzen ein und stellen sie ins Aerarium. Sie beobachten, wie «die Fressmaschinen», wie sie sie nennen, in den nächsten sechs Wochen immer grösser und dicker werden, bis sie sich verpuppen und der Kreislauf sowie die Verwandlung wieder von neuem beginnen.

Der Lebenszyklus des Schwalbenschwanz. Erklärvideo: Blühendes Österreich via Youtube

Wieso sie das tun? Werner, gelernter Coiffeur, der aber auch Schuhe flickte und die Post vertrug, ist 74. Rosmarie, gelernte Damenschneiderin, die in einem Modegeschäft in Zürich arbeitete und 42 Jahre lang an der Berufsschule unterrichtete, ist 72.

Die beiden haben Zeit und sind naturbegeistert. «Biodiversität ist uns sehr wichtig», sagt Rosmarie Meili. «Damit gelten wir wohl aber als Exoten.» Ihr Vater war Biogärtner. «Bei ihm habe ich gelernt, wie man Schmetterlinge aufzieht.» Sie hätten die Raupen des Tagpfauenauges, ein Edelfalter, mit Brennnesseln gefüttert. «Damals waren die Pflanzen schwarz davon, so viele hatte es», erinnert sich Rosmarie Meili.

Fenchel-Liebhaber

Sie sitzt mit ihrem Mann am Esstisch im Wohnzimmer, die beiden zeigen Fotos von fünf Zentimeter langen, grün-schwarz gestreiften Raupen, die sich am Fenchelkraut aus ihrem Biogarten festklammern. Es sei faszinierend zu sehen, wie die Tiere mit ihren vielen Füssen den Stängel an einem Ende packten, ihn heranzögen und dann von oben nach unten abfrässen», erzählt Rosmarie Meili.

Im vergangenen Jahr sind in den drei Aerarien 80 Schmetterlinge herangewachsen. Im kommenden Frühling werden es nur etwa 35 sein. «Womöglich ist der heisse Sommer daran Schuld, dass es diesmal weniger sind», sagt Rosmarie Meili.

Sobald die ersten schlüpfen, schaut das Ehepaar täglich vorbei und lässt die Tiere frei, etwa zwei bis drei pro Tag. «Wenn die Flügel gerade sind, krabbeln sie auf den Finger und ich setze sie auf eine Blume», erzählt die Weisslingerin. Mittlerweile wüssten auch Nachbarn von ihrem Steckenpferd und würden ebenfalls Fenchel anpflanzen. «Um uns mit Futter zu versorgen». Wer aber selbst Schwalbenschwänze anlocken wolle, sodass diese ihre Eier ablegten, müsse den Fenchel und andere Futterpflanzen stehen lassen, sagt Rosmarie Meili. «Am besten auch noch einen wilden Blumen- und Kräutergarten.» Ansonsten würden sie woanders hinfliegen. «Und die fliegen weit.» (Landbote)

Erstellt: 08.01.2019, 13:22 Uhr

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