Wila

Ein Licht strahlt auf dem Hügelsporn

Seine Geschichte geht ins Dunkle zurück. Dafür ist er heute hell erleuchtet: Der Kirchturm hoch über dem Dorfkern von Wila.

Schon beim Eindunkeln wird die Kirche Wila angestrahlt.

Schon beim Eindunkeln wird die Kirche Wila angestrahlt. Bild: Madeleine Schoder

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Er strahlt nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern jede Nacht: Der Kirchturm von Wila. Bei Dämmerung schalten sich die Scheinwerfer an, und der gedrungene Turm hoch auf dem Hügelsporn leuchtet weit herum ins Tösstal, um dann punkt zehn Uhr im Nachthimmel wieder zu verschwinden. «Im Winter beleuchten wir den Turm auch am Morgen», sagt Marianne Heusi, Präsidentin der evangelischen Kirchgemeinde Wila.

Auf diese Art und Weise erweise die Kirche den Pendlern, die auf einen Zug eilen, einen Dienst: «Sie können sich auf die Zeiger am Kirchturm verlassen. Denn diese sind mit einer Funkuhr verbunden», sagt Heusi. Die Beleuchtung der Kirche verbindet sich mit ihrer Entstehungsgeschichte. Wenigstens der Legende nach.

«Nichts an der Kirche in Wila ist regelmässig»

Diese berichtet von einem Ritter von Landenberg, der von seinem Bruder ermordet wurde. Nach dem Tod des Ritters begann man einen Kirchenbau, allerdings, wie sich herausstelle, am falschen Ort. Drei Nächte lang trugen nebulöse Gestalten das Baumaterial an die Stelle, wo heute die Kirche steht, beleuchtet, als wollte sie, gerade in dunklen Winternächten, die alten Gespenster fern halten.

Der Turm von Wila strahlt schon seit vielen Jahrzehnten. Er hat sich inzwischen das Gewohnheitsrecht erworben, für die Beleuchtung etwas elektrische Energie einzusetzen. Generationen denken beim Namen Wila an den leuchtenden Turm auf dem Hügelsporn. Die landenbergischen Geister hingegen haben sich nicht mehr blicken lassen.

Pfähle aus dem Jahr 700

Dass die Legende vom Ritter im wörtlichen Sinn nicht stimmt, weiss man seit 1979. Damals wurde die Kirche umfassend renoviert. Gleichzeitig fanden archäologische Ausgrabungen statt. Dabei kamen unter der Kirche Vertiefungen von uralten Pfählen zum Vorschein. Sie zeigten den Grundriss eines Kirchenbaus an, der um das Jahr 700 entstanden sein muss, also lange vor der Zeit der Landenberger.

Später erfuhr die Kirche mehrere Ausbauten: zunächst zur Zeit Karl des Grossen um etwa 900, dann im Hochmittelalter. Um 1300 entstand ein gotischer Chor mit mächtigen Spitzbogen. Diese tragen bis heute den gedrungen Kirchturm von Wila. Etwa in diese Zeit fällt auch ein Streit zwischen Wila und Turbenthal, darüber, wer von beiden die bedeutendere Kirche besitze.

«Nichts an der Kirche in Wila ist regelmässig», sagt Heusi. Die zahlreichen Veränderungen haben ein fast organisches Bauwerk hinterlassen. Der Kirchenraum endet gegen Osten in zwei Chorgewölben mit je einem unterschiedlichen Spitzbogen. Der Turmaufsatz liegt auf dem quadratischen Turm, zeigt gegen oben Mittelgräte und endet achteckig. Er wirkt leicht verdreht. «Auch die Zifferblätter sind in jeder Himmelsrichtung von anderer Grösse», sagt Heusi.

Am 14. Januar entscheidet die evangelischen Kirchgemeinde Wila, ob sie sich mit Turbenthal zusammenschliesst. «Ein Streit darüber, welche der beiden Kirchen dann die wichtiger ist, wäre jedoch völlig unsinnig», sagt Heusi. Und welche schöner strahlt ist eh schon klar.

(Der Landbote)

Erstellt: 28.12.2017, 17:31 Uhr

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