Russikon

«Eine neue Turnhalle ist nicht dringend»

Trotz Erbschaft reicht das Geld in Russikon für eine neue Turnhalle nicht aus. Präsident Hans Aeschlimann erklärt, weshalb das so ist und wo die geerbten 5 Millionen Franken hingekommen sind.

Die alte Turnhalle beim Primarschulhaus Sunneberg ist 60-jährig. Malerarbeiten oder eine neue Beleuchtung wären dringend nötig.

Die alte Turnhalle beim Primarschulhaus Sunneberg ist 60-jährig. Malerarbeiten oder eine neue Beleuchtung wären dringend nötig. Bild: Archiv / Donato Caspari

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Sie haben eben Vereine und Parteien informiert, dass sich Russikon nun doch keine neue Turnhalle leisten kann. Was ist denn mit den fünf Millionen Franken aus der Erbschaft passiert, die Sie vor zwei Jahren erhalten haben?
Hans Aeschlimann (SVP), Gemeindepräsident: Wir haben das Geld in die Laufende Rechnung einfliessen lassen. Das hat uns liquide Mittel verschafft. Andernfalls hätte sich die Gemeinde verschulden und Fremdkapital aufnehmen müssen.

Wollen Sie das denn nicht? Die Zinsen sind tief, der Moment wäre günstig.
Wenn wir uns verschulden, dann überlassen wir die Antwort auf die Frage, wie wir die Schulden später zurückzahlen sollen, der nächsten Generation. Und das will der Gemeinderat nicht.

Fehlt Ihnen einfach der Mut für ein Projekt, das die Vereine einst mit einer Initiative anstiessen?
Mut wäre in diesem Fall, einfach etwas zu tun und dabei das Gefühl zu haben, es komme schon gut. Mit dieser Einstellung können wir nicht arbeiten. Es stehen dringende Investitionen an und die Kosten im Bildungs- sowie Gesundheitsbereich sind ausserordentlich stark angestiegen. Gemäss aktueller Planung gehen uns die flüssigen Mittel spätestens 2021 aus. Wir hätten also schon vor zwei Jahren den Steuerfuss erhöhen müssen.

Wieso haben Sie das denn nicht getan?
Als die Vereine die Initiative 2013 einreichten, hatten wir die Erbschaft noch nicht. Dann kam sie, wir konnten ein Nettovermögen von 12 Millionen Franken ausweisen, eine Erhöhung des Steuerfusses wäre damals nie durchgekommen.

Wie hoch müsste der Steuerfuss denn sein, damit Sie die Turnhalle bauen könnten?
Wir müssten ihn von aktuell 113 auf 123 Prozent erhöhen und das für die nächsten zehn Jahre. Doch auch ohne Turnhalle kommen wir um einen um drei Prozent höheren Steuerfuss für das nächste Jahr wohl nicht herum.

«Wir hätten den Steuerfuss schon vor zwei Jahren erhöhen müssen.»Hans Aeschlimann (SVP), Gemeindepräsident

Wenn die Vereine genügend mobilisieren, dann könnten sie auch zehn Prozent durchbringen. Das haben sie ja mit dem Projektierungskredit von 900 000 Franken für dieses Jahr schon getan.
Das vielleicht schon. Aber das Bauprojekt muss ja dann an die Urne. Eine 8 Millionen Franken teure Zweifachturnhalle überschreitet die Finanzkompetenzen der Gemeindeversammlung. Dem Gemeinderat und den Vereinen ist es auch ein Anliegen, die 900 000 Franken für die Projektierung nicht einfach in den Sand zu setzen, wenn das Projekt an der Urne dann abgelehnt wird.

Was passiert jetzt mit dem Projektierungskredit?
Der wird einfach nicht gebraucht und verschlechtert das Ergebnis der Rechnung 2017 nicht weiter.

Und wie wäre es mit einer etwas kleineren Turnhalle?
Das haben wir angeschaut. Dann wären wir wieder gleich weit wie heute. Die 60-jährige Turnhalle beim Primarschulhaus Sunneberg reicht für die schulischen Bedürfnisse derzeit vollkommen aus. Zugegeben, es sind dringende Unterhaltsarbeiten wie etwa Malerarbeiten und eventuell eine neue Beleuchtung notwendig.

Und das kostet auch Geld. Wie hoch schätzen Sie die Kosten?
Ein paar Tausend Franken. Es ist schwierig, aus dem Bauch heraus einfach eine Zahl zu nennen.

Ist das Projekt einer grossen Halle nun komplett vom Tisch?
Nein, früher oder später wird es eine neue Turnhalle geben. Sie ist im Moment einfach nicht dringend. Auf jeden Fall nicht so dringend wie etwa der Hochwasserschutz und die Strassensanierung in Gündisau.

Wie sehr sind denn die Vereine auf die Halle angewiesen?
Wir haben in der Gemeinde zwei Turnhallen sowie eine Mehrzweckhalle, die auch genutzt werden kann. Natürlich wäre es besser, wenn sie mehr Kapazitäten hätten. Der Gemeinderat hat nichts gegen das Projekt als solches einzuwenden. Wir können es uns jetzt einfach nicht leisten. (Landbote)

Erstellt: 13.07.2017, 17:15 Uhr

Hans Aeschlimann (SVP), Gemeindepräsident von Russikon. (Bild: zvg)

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