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Eine Versammlung als Paartherapie

An der Gemeindeversammlung in Wildberg stand eine generelle Information zu Einheitsgemeinden im Zentrum. Der externe Fachmann wirkte dabei wie ein Paartherapeut.

Soll in Wildberg die politische Gemeinde die Schulgemeinde ehelichen? Die Informationsveranstaltung fand passenderweise in der Kirche statt.
Soll in Wildberg die politische Gemeinde die Schulgemeinde ehelichen? Die Informationsveranstaltung fand passenderweise in der Kirche statt.
Marc Dahinden

Offenheit und Interesse dem anderen gegenüber, das sei wichtig. Berater Peter Schlumpf von der Inoversum AG aus Meilen sprach an der Wildberger Gemeindeversammlung vom Mittwochabend über Einheitsgemeinden. Nebst den 59 Stimmberechtigten war auch der Wilemer Gemeindepräsident Hans-Peter Meier und Gemeinderat Sacha Huber anwesend.

Passenderweise fand die Information zur möglichen Verschmelzung der Politischen mit der Schulgemeinde auf neutralem Boden, in der Kirche, statt. Und es hörte sich zweitweise tatsächlich wie eine Paartherapie für die beiden Gemeinden an.

Wildberg könnte durchaus eine Paartherapie vertragen, die gescheiterte Fusion der Primarschule mit den Schulen Wila und Turbenthal ist im letzten Herbst einzig in Wildberg knapp abgelehnt worden. Die Politische Gemeinde hatte sich in die Fusionsabstimmung eingemischt und für eine Nein-Parole geworben.

«Es gibt heute kein Streitgespräch und auch keine eingeschlagenen Zähne.»

Dölf Conrad, Gemeindepräsident Wildberg

Seit Frühling liegt nun eine Initiative des Ehepaars Ruth und Andreas Wirth vor, laut der eine Einheitsgemeinde geprüft werden soll. Die Abstimmung, ob das geprüft werden soll, findet am 4. März 2018 statt. «Wenn es eine Initiative gibt, begrüsst das die Politische Gemeinde meistens und die Schulgemeinde eher nicht, das macht es schwieriger», sagte Berater Schlumpf.

«Nicht im Krieg miteinander»

Vor der generellen Information über Einheitsgemeinden trat Gemeindepräsident Dölf Conrad gemeinsam mit Swen Rüegg, Präsident der Primarschulpflege, vor die Versammlung. «Es soll heute eine reine Information über Einheitsgemeinden sein, die Behörden oder Initianten geben keine Einschätzungen ab», sagte Conrad und fügte an: «Es gibt heute kein Streitgespräch und auch keine eingeschlagenen Zähne.» Rüegg betonte: «Wir sind nicht im Krieg miteinander.»

Schlumpf sagte zu Beginn, dass mit einer Einheitsgemeinde das Problem der kreuz und quer verlaufenden Grenzen der Tösstaler Schulgemeinden nicht gelöst werde. Dies erlaubt das neue Gemeindegesetz ab 2022 nicht mehr. Er zeigte aber auf, dass sich die Zahl der Einheitsgemeinden sich in den letzten 20 Jahren verdreifacht hat. Immer wieder schob er ein: «Es gibt nicht das richtige Modell für alle.»

Dann ging Schlumpf ziemlich ins Detail: «Wer ist für den Gebäudeunterhalt zuständig, wie wird der Präsident der Schulpflege gewählt, wie hoch soll die Finanzkompetenz der Schulpflege sein?», waren einige der Fragen, die er der Versammlung präsentierte. Ein sorgfältiger Prozess sei notwendig, betonte er.

So könne etwa Geld beim Gebäudeunterhalt oder beim Einkauf eingespart werden. Eine Reduktion des Steuerfusses sei aber nicht zu erwarten. Die Kosten einer Prozessbegleitung seiner Firma liegen bei rund 40 000 Franken, der Kanton unterstützt Einheitsgemeinden einmalig mit 100 000 Franken.

«Skepsis ist ganz normal»

In der abschliessenden Fragerunde verlangte ein Einwohner von Schlumpf eine Einschätzung der Wildberger Situation, wo die beiden Gemeinden «den Nenner ja nicht auf der gleichen Höhe» hätten. Schlumpf sagte: «Es macht nichts, wenn die Schule skeptisch ist.» Das sei ganz normal, wenn die Autonomie gefährdet sei, beschwichtigte Schlumpf. Wichtig sei, genau zu schauen, was denn konkret verloren gehen könnte. Auf die Frage hin, warum man denn nicht einfach ohne Einheitsgemeinde enger zusammenarbeiten könne, sagte Schlumpf: «Wenn sie nicht müssen, tun sie es auch nicht.»

Nachdem Conrad zum Abschluss auf einen Informationsflyer hinwies, der in den nächsten Tagen verteilt würde, meldete sich noch Monique Blattmann, als Präsidentin der Kirchenpflege die Hausherrin der Versammlung, zu Wort: «Wir sind sehr zurückhaltend mit Fusionen, denn wir wollen eigenständig bleiben.» Conrad kommentierte dies mit: «Eigentlich haben wir Behörden uns einen Maulkorb auferlegt.»

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