Illnau-Effretikon

Erbschaft ermöglicht Demenz-Bildungsreise

Ein ehemaliger Bewohner hat dem Alters- und Pflegezentrum Bruggwiesen in Effretikon rund eine Million Franken hinterlassen. Mit einem Teil des Geldes organisiert das Zentrum eine Bildungsreise für das Personal zum Thema Demenz.

Margrit Lüscher, Geschäftsleiterin, Kurt Eichenberger, Willensvollstrecker, und Barbara Hohmann Beck, Verwaltungsratspräsidentin (von links), wollen die Schenkung ans Alters- und Pflegezentrum Bruggwiesen im Sinne des Verstorbenen einsetzen.

Margrit Lüscher, Geschäftsleiterin, Kurt Eichenberger, Willensvollstrecker, und Barbara Hohmann Beck, Verwaltungsratspräsidentin (von links), wollen die Schenkung ans Alters- und Pflegezentrum Bruggwiesen im Sinne des Verstorbenen einsetzen. Bild: Madeleine Schoder

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Fast zehn Jahre lang lebte Peter Baumberger im Alters- und Pflegezentrum Bruggwiesen. Und offensichtlich hat es ihm dort gefallen, wie er kurz vor seinem Tod selber festgehalten hat: Man finde im Bruggwiesen liebe Menschen, die Pflege zu ihrer Aufgabe machten, damit betagte Patienten einen frohen und ruhigen Lebensabend geniessen könnten, schrieb er. Und weiter: «Welch ein Geschenk, dass wir hier bei den Menschen am schönsten Ort inmitten von Effretikon eine angenehme Zeit erleben dürfen. Dank an alle, die dazu beitragen, auch grossen Dank für ihre Aufopferung für uns alle. Lobet und danket und seid fröhlich!»

Als Peter Baumberger im Januar 2019 starb, hinterliess er dem Pflegezentrum nicht nur freundliche Worte, sondern auch eine Erbschaft von rund einer Million Franken. Mit einem Teil dieses Geldes organisiert das Pflegezentrum im Frühling 2020 eine fünftägige Bildungsreise nach Holland für das gesamte Personal. Ziel der Reise ist es, die dortigen innovativen Betreuungskonzepte und Wohnformen für Menschen mit Demenzerkrankungen kennen zu lernen.

Demenzstrategie fortführen

Geschäftsleiterin Margrit Lüscher und Verwaltungsratspräsidentin Barbara Hohmann Beck informierten am Montag an einer Medienkonferenz über die Erbschaft und die geplante Bildungsreise, dies gemeinsam mit Kurt Eichenberger. Er ist ehemaliger Stadtschreiber und Willensvollstrecker des Verstorbenen. Die drei glauben, dass sie mit der Reise im Sinne von Peter Baumberger handeln. Dieser habe ausdrücklich gewünscht, dass die Mittel auch den Mitarbeitenden zugutekommen sollen. «Profitieren werden zudem die Bewohnerinnen und Bewohner», ist Margrit Lüscher überzeugt. Denn mit der Bildungsreise könne sich das Bruggwiesen als Kompetenzzentrum für Demenz weiterentwickeln. «Das Thema geht uns alle an», sagte sie.

Seit 2014 hat sich das Pflegezentrum zunehmend mit Demenz beschäftigt. Damals konnte dank der Erbschaft einer weiteren ehemaligen Bewohnerin, Lore Frick, eine spezielle Gartenterrasse für Demenzkranke eingerichtet werden. Diesen Weg will man mit der Reise weiterverfolgen. Gleichzeitig sei die Bildungsreise ein Dank an das Personal und wirke verbindend. «Die Freude über das Angebot ist bei den Mitarbeitenden gross», sagte Margrit Lüscher weiter. Zudem will man sich auf dem Arbeitsmarkt für Pflegefachkräfte als attraktiver Arbeitgeber positionieren. Teilnehmen können an der Reise aber alle Mitarbeitenden. «Nicht nur Pflegende haben Kontakt zu Dementen.» Rund 170 Personen hätten sich angemeldet. Die fünftägige Reise gelte als Arbeitszeit. Durchgeführt wird sie zeitlich versetzt in Gruppen von 30 Personen. Aufgrund der Klimadiskussionen reisen die Gruppen im Car nach Holland und nicht per Flugzeug. Zur Überbrückung der Abwesenheiten würden temporäres Personal, Aushilfen und pensionierte Mitarbeitende eingesetzt.

Besuch im Demenzdorf

Besichtigen will das Pflegezentrum etwa das bekannte Demenzdorf Hogeweyk bei Amsterdam. Rund 150 Menschen mit Demenz leben dort in Gruppen zusammen. Der ganze Ablauf, inklusive «Supermarkt», «Theater» et cetera, ist im Dorf auf den Rhythmus der Dementen eingestellt. Kritiker des Modells sprechen hingegen von einer Scheinwelt, die einem Demenz-Disneyland ähnle.

«Die Freude über das Angebot ist bei den Mitarbeitenden gross.»Margrit Lüscher

Margrit Lüscher sieht es pragmatisch. «Für mich ist die Wirkung auf die Menschen entscheidend und dass es ihnen gut geht.» Kopieren wolle man das Modell jedoch nicht, sondern vor Ort schauen, welche Ideen vielleicht auch im Pflegezentrum Bruggwiesen funktionieren.

Wissen weitergeben

Wie das restliche Geld aus der Erbschaft eingesetzt wird, ist noch nicht konkret geplant. Verwaltet werden die Mittel über einen Fonds. Eine Idee ist es, das Bewusstsein für Demenzerkrankungen weiter zu schärfen und das Fachwissen weiterzugeben. «Dass wir als Pflegezentrum Spenden erhalten, ist ein Zeichen, dass wir eine gute Qualität anbieten», sagt Margrit Lüscher.

Erstellt: 12.08.2019, 18:14 Uhr

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