Lindau/Zürich

«Es geht nicht mehr nur um den Fluglärm»

Der in Lindau domizilierte Verein Bürgerprotest Fluglärm Ost (BFO) will sich umbenennen. Vorstandsmitglied und Kantonsrat Urs Dietschi (Grüne) sagt, weshalb «Fair in Air» der bessere Name ist.

Ein Flugzeug im Anflug auf die Piste 28 auf dem Flughafen Zürich Kloten. Foto: Heinz Diener

Ein Flugzeug im Anflug auf die Piste 28 auf dem Flughafen Zürich Kloten. Foto: Heinz Diener

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An der Versammlung vom kommenden Dienstag stimmen Ihre Mitglieder über eine Namensänderung ab. Statt Bürgerprotest Fluglärm Ost (BFO) soll die Bewegung neu Fair in Air heissen. Weshalb?
Urs Dietschi: Im Vorstand haben wir schon länger davon gesprochen, dass wir uns weiterentwickeln wollen. Denn wenn wir bei einer Abstimmung zum Ausbau des Flughafens bestehen wollen, müssen wir den ganzen Kanton Zürich ansprechen. Die einzelnen Regionen sollen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Bei unserer Gründung vor 14 Jahren haben wir uns vor allem gegen den Ostanflug gewehrt. Da hat der Name noch gestimmt. Doch nun wollen wir nicht mehr nur als «die Ostler» wahrgenommen werden.

Der Name BFO hatte eine klare Botschaft. Fair in Air hingegen ist schwammig und nicht mal Deutsch.
Wir haben lange am Namen herumgeknorzt. Dass er Englisch ist, hat sich in der Kommission, die 2018 die Kampagne «Fair in Air» ins Leben rief, so ergeben. Er soll suggerieren, dass alle Verkehrsträger, also nicht nur der öffentliche Verkehr, gleich behandelt werden sollen. Denn bisher wurde der Flugverkehr klar bevorteilt, er blieb vor Abgaben verschont. Der Name ist schon weniger prägnant, das stimmt. Heute geht es aber nicht mehr nur um den Fluglärm, das Thema ist komplexer.

«Wir wollen nicht mehr nur als ‹die Ostler› wahrgenommen werden.»BFO-Vorstandsmitglied Urs Dietschi.

Worum geht es denn?
Der Flugverkehr wirkt sich auf die Gesundheit, die Umwelt und das Klima aus. Studien belegen das. Gegen die negativen Auswirkungen wollen wir etwas tun.

Wollen Sie das Thema Fluglärm mit der Klimadebatte verbinden, um wieder mehr Aufwind zu bekommen?
Die Klimadebatte hilft sicher mit. Wir müssen uns aber ebenfalls bewegen, das haben wir schon vor einiger Zeit gemerkt. Dass wir in diese Richtung gehen würden, haben wir bereits vor der Klimadiskussion entschieden.

Früher war der BFO präsenter, hat Missstände aufgedeckt. Mittlerweile hört man nicht mehr viel von ihm.
Das hängt damit zusammen, dass wir wenig Leute sind. Im Vorstand sind wir mittlerweile vier und ein Ehemaliger, die dort ehrenamtlich tätig sind und auch sonst noch arbeiten. Die zeitliche Belastung ist gross. Es ist wie überall. Die Leute haben zwar Freude, dass wir etwas machen. Leute zu finden, die etwas machen, ist aber schwierig.

Sie fordern neben einer Lenkungsabgabe auch eine Klimakompensation. Können Sie das näher ausführen?
Der Ständerat hat zwar kürzlich eine Lenkungsabgabe in Form einer Flugticketabgabe beschlossen. Doch das ist in unseren Augen zu wenig. Ausserdem betrifft das nur die lokalen, nicht aber die Transitpassagiere. Die Lufthansa wird also versuchen, noch mehr Leute nach Zürich zu bringen, die dort umsteigen. Wir fordern deshalb auch eine Klimakompensation, die alle Passagiere bezahlen müssen. Egal, woher sie kommen.

Der Flughafen solle seine «geheimen Verhandlungen» über einen Ausbau stoppen. Wie meinen Sie das?
Bisher hat der Flughafen Änderungen von Slots sowie Ausbaupläne jeweils veröffentlicht. Das will er künftig nicht mehr tun. Und das darf nicht sein. Denn Interessengruppen, die damit nicht einverstanden sind, sollen sich melden und wehren können.

Sie wollen mit dem Namen auch Ihre Statuten ändern und Ihre geografische Reichweite ausdehnen. Wen werden Sie künftig vertreten?
Alle Einwohner rund um die Landesflughäfen der Schweiz über unsere Mitgliedschaft bei Klug, der Koalition Luftverkehr, Umwelt und Gesundheit. Aber primär wollen wir uns auf den Flughafen Zürich konzentrieren und der Zürcher Bevölkerung im Kampf gegen die negativen Auswirkungen des Flugverkehrs eine Stimme geben.

Sind Namens- und Statutenänderung eine reine Formsache, oder erwarten Sie Widerstand?
Als wir letztes Jahr unseren Mitgliedern die Kampagne «Fair in Air» vorgestellt haben und uns das Okay geben liessen, gab es praktisch keine Gegenstimme. Wir erwarten an der Mitgliederversammlung deshalb ebenfalls Zustimmung.

Erstellt: 31.10.2019, 18:18 Uhr

Die Mitgliederzahl steigt wieder an

Der Verein Bürgerprotest Fluglärm Ost (BFO) wurde im Februar 2004 mit Sitz in Lindau gegründet. Zweck war es damals, die Interessen der Einwohnerinnen und Einwohner östlich des Flughafens sowie aller Gemeinden zu vertreten, die sich durch Fluglärm und andere Emissionen von Flugzeugen gestört fühlen.

Die Organisation soll nun neu «Fair in Air» heissen. Sie will im Rahmen der Klimakrise umweltbewusste Einwohnerinnen und Einwohner im ganzen Kanton Zürich vernetzen und gegen alle negativen Auswirkungen des Luftverkehrs vorgehen. Zu den Forderungen gehört eine Lenkungsabgabe in Form einer Flugticketabgabe sowie eine Klima-Kompensation. Im Weiteren soll die Nachtruhe zwischen 23 und 6 Uhr eingehalten werden, inklusive dem Abbau von Verspätungen. Der BFO stellt sich gegen den Ausbau von Pisten und den dazugehörigen Infrastrukturen und befürwortet den Ausbau des Schienenverkehrs für die Überwindung von Strecken unter 1000 Kilometern.

In den letzten Jahren ist die Mitgliederzahl eher gesunken und lag im Frühling 2018 bei noch etwa 1800. Der Grund seien aber vor allem Wegzüge und Todesfälle gewesen, sagt Vorstandsmitglied und Kantonsrat Urs Dietschi (Grüne). Mittlerweile steigt die Zahl wieder an und liegt bei 2500. Der BFO ist nicht zu verwechseln mit der Behördenorganisation Region Ost, die zwar die gleichen Interessen, aber nicht direkt die Bürger, sondern 122 Gemeinden im Osten des Flughafens vertritt. Präsidentin ist die Winterthurer Stadträtin Barbara Günthard-Maier.

www.fluglaerm-ost.ch

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