Lindau

Es gibt ein Gerangel um den freien Sitz im Gemeinderat

Eine Frau und drei Männer wollen am 17. November die Nachfolge von SVP-Gemeinderat Hanspeter Frey antreten. Die Frau hat Exekutiverfahrung. Einer der Männer stand schon einmal zur Wahl.

Wer soll in den Lindauer Gemeinderat einziehen?

Wer soll in den Lindauer Gemeinderat einziehen? Bild: Enzo Lopardo

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Die Ausgangslage ist spannend: Um den Sitz des zurückgetretenen Hanspeter Frey (SVP), Ressortvorstand Werke und Tiefbau von Lindau, bewerben sich eine Frau und drei Männer. Den Wählern bereits bekannt sein dürfte der Parteilose Urs Vescoli aus Tagelswangen. Der ehemalige Skeletonfahrer, der heute den Nachwuchs trainiert und in Kemptthal eine mechanische Werkstatt führt, trat schon im März 2018 zu den Gesamterneuerungswahlen an. Er erreichte zwar das absolute Mehr, schied aber als Überzähliger aus. Damals sagte er noch, er wolle kein zweites Mal kandidieren, sollte er die Wahl nicht schaffen. Nun tritt er doch nochmals an.

Protestkandidatur

Es sei eine Protestkandidatur, gibt er als Grund an. «Weil der Gemeinderat sein Wort nicht gehalten hat.» In der Behörde habe man damals beteuert, dass niemand vorzeitig zurücktreten werde. «Und nun ist es doch passiert.» Frey hat seinen Sitz nach 21 Jahren abgegeben, weil er Verwaltungsratspräsident der neu geschaffenen EW Lindau AG wird. «Ich bin überzeugt, dass die Gemeinderäte das schon wussten», sagt Vescoli. Frey weist dies vehement von sich. «Wir konnten nicht ahnen, wie schnell es mit der Verselbständigung des EW vorwärts gehen würde.»

Urs Vescoli

Der «Protestkandidat» wollte bereits einmal in den Gemeinderat von Lindau. Bei der letzten Wahl schaffte er zwar das absolute Mehr, schied jedoch als Überzähliger aus. Er steht den bürgerlichen Parteien nahe. (red)

Vescoli, der der SVP und FDP nahe steht, setzte sich 2016 öffentlich gegen den Umzug des Gemeindehauses in eine gemietete Liegenschaft in Tagelswangen ein. Die Bevölkerung lehnte das Ansinnen im November 2017 dann auch ab. Derzeit sucht die Exekutive im Rahmen der Entwicklung des Dorfkerns nach einer längerfristigen Lösung für die Verwaltung, die dringend mehr Platz und modernere Räume braucht.

Ein weiteres Thema, das die Bevölkerung beschäftigt, ist die geplante Überbauung im Gebiet Ölwis/Blankenwis in Winterberg. Sie soll 250 neue Wohnungen und bis zu 800 zusätzliche Einwohner bringen. Vescoli lehnt das Projekt ab. «Es ist zu gross für unsere Gemeinde, die vorhandene Infrastruktur wird nicht ausreichen», sagt er. Es fehle vor allem an Schulraum.

Allein gegen das Bauprojekt

Mit dieser Meinung steht der 53-Jährige ziemlich alleine da. Denn alle anderen Kandidaten stehen der Überbauung positiv gegenüber. Allen voran die 45-jährige Treuhänderin Pia Lienhard (FDP). Die Mutter einer erwachsenen Tochter lebt seit 15 Jahren in Lindau. Sie ist die einzige Kandidatin mit Exekutiverfahrung. Seit Juli 2015 sitzt sie in der reformierten Kirchenpflege und steht dort dem Ressort Finanzen vor. «Die geplante Überbauung wird ein Mehrwert für die Gemeinde sein», sagt sie. Sie sei sich bewusst, dass die hohe Zahl neuer Anwohner eine grosse Herausforderung an die Infrastruktur darstelle, ebenso deren Integration in die Gemeinde. Sie glaubt aber, dass der vorgeschriebene Gestaltungsplan und das Mitspracherecht in der Bevölkerung zu einem guten Bauprojekt führten.

Pia Lienhard

Die einzige Kandidatin kann als einzige Exekutiverfahrung vorweisen. Sie leitet das Ressort Finanzen der reformierten Kirchenpflege. Die FDP-Frau sitzt zudem im Verwaltungsrat des Alters- und Pflegezentrums Bruggwiesen in Effretikon.(red)

Den Umzug der Verwaltung habe sie zwar angesichts der akuten Platzprobleme und anderer Mängel befürwortet, sagt sie. Nun stehe sie aber auch der Dorfentwicklung und einem Neubau positiv gegenüber. «Die Gemeinde muss auch als Arbeitgeberin attraktiv bleiben», sagt sie. Lienhard engagiert sich unter anderem auch im Vorstand der Genossenschaft Emdwis Lindau und ist Mitglied im Verwaltungsrat des Alters- und Pflegezentrums Bruggwiesen in Effretikon.

Auch der 50-jährige Informatiker Stephan Schori befürwortet die Überbauung in Winterberg. Er soll den Sitz im Gemeinderat für die SVP verteidigen. Man müsse sich zuerst fragen, ob man das Bauland überhaupt erschliessen wolle. Wenn ja, dann sei das ein gutes Projekt, sagt er. Zumal ein Gestaltungsplan Vorgaben mache, die Bevölkerung einbezogen werde und Begegnungsräume geschaffen würden.

Nicht gegen Umzug

Schori, der seit bald fünf Jahren in Tagelswangen lebt, Präsident eines Schützenvereins und Prüfungsexperte für Treuhänder ist, hat den Umzug des Gemeindehauses vor zwei Jahren nicht grundsätzlich abgelehnt. «Ein eigenes Gebäude ist längerfristig aber günstiger», sagt er. Man sei auch nicht auf jemand anders angewiesen, wie das bei einer Miete der Fall sei.

Stephan Schori

Der Präsident eines Schützenvereins würde eine eigene Immobilie für die Gemeinde zwar bevorzugen, jedoch lehnte er vor zwei Jahren den Umzug auch nicht ab. Der 50-jährige soll für die SVP den Sitz von Frey verteidigen.(red)

Wangdü de Silva (GLP) ist mit seinen 28 Jahren der jüngste Kandidat. Er hat keine Ortspartei im Rücken. Der Campaign Manager sitzt im Vorstand der jungen Grünliberalen der Schweiz und lebt seit neun Jahren in Lindau. Auch er hätte nichts gegen das Bauprojekt in Winterberg einzuwenden. Er befürworte grundsätzlich Projekte, welche die Entwicklung der Gemeinde vorantreiben, sagt er. Und was die Verwaltung betrifft, «so soll sie gemäss den Bedürfnissen der Gemeinde saniert werden».

Wangdü de Silva

Der GLP-Mann ist der jüngste Kandidat. Die Entwicklung der Gemeinde sei ihm ein Anliegen. Er sitzt zudem im Vorstand der jungen Grünlibralen.(red)

Derzeit sitzen im Gemeinderat Lindau zwei Vertreter der SP, drei der SVP und zwei der FDP. Die Wahl findet am 17. November statt. Am 29. Oktober laden die drei Ortsparteien um 19.30 Uhr zu einem Podium in den Bucksaal in Tagelswangen.

Erstellt: 18.10.2019, 16:11 Uhr

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