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Helfende Hände aus ganz Europa packen an

Elf Freiwillige sanieren derzeit im Schöntal in Rikon das Dach von Werkstatt und Kiosk des Vereins Spielwerkplatz. Die Helferinnen und Helfer kommen aus verschiedenen Ländern und absolvieren ein Workcamp des Service Civil International.

Der Schuppen am Tössradweg im Schöntal beherbergt Kiosk und Werkstatt des Vereins Spielwerkplatz. Freiwillige erneuern derzeit das Dach.

Der Schuppen am Tössradweg im Schöntal beherbergt Kiosk und Werkstatt des Vereins Spielwerkplatz. Freiwillige erneuern derzeit das Dach. Bild: Heinz Diener

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Im Schöntal in Rikon ist in diesen Tagen die halbe Welt zu Hause: Russland, Portugal, Frankreich, Ukraine, Estland oder Afganistan. Die Menschen aus diesen Ländern haben gemeinsam mit ein paar Schweizern eine Mission. Sie erneuern ein Dach. Genauer gesagt das Dach eines Schuppens, der die Werkstatt und den Kiosk des Vereins Spielwerkplatz beherbergt, der dort einen öffentlichen Spielplatz unterhält. Zudem erhält das alte Holzhäuschen, das direkt am Töss-Veloweg liegt, ein Vordach.

Hammerschläge hallen durch die Morgenluft, eine Säge kreischt. Es klettern Leute zwischen abgedeckten Dachbalken herum, sie messen, schrauben und tauschen sich über die nächsten Arbeiten aus. Auf Englisch, Russisch oder Deutsch. «Irgendwie verständigen wir uns immer », sagt Irina und lacht. Sie kommt aus der Westschweiz und koordiniert das Projekt.

Die Studentin Juliette aus Frankreich will im Workcamp auch Deutsch lernen. Bild: hd

Die Stimmung ist locker, hier ist man per Du und die Herkunft spielt keine Rolle. Die Teilnehmenden im Alter zwischen 9 und 47 Jahren suchen den kulturellen Austausch mit Menschen aus aller Welt. Zwei Wochen lang sind sie im Tösstal im Einsatz. Sie sind alles Menschen, die sich bei der Non-Profit-Organisation Service Civil International (SCI, siehe Infobox) für dieses Workcamp beworben haben.

Mit wenig Geld unterwegs

Vor etwa einem Jahr fragte SCI den Verein Spielwerkplatz an, ob er Interesse an einem Freiwilligeneinsatz hätte. «Dafür waren wir sofort offen», sagt Adi, der Präsident des Vereins. Das Dach des Schuppens sei schon länger undicht und mit einem Vordach habe man eine bessere Infrastruktur für Projekte mit Schulklassen.

«Die Workcamps sind eine Möglichkeit, mich mit wenig Geld in diesen teuren Ländern aufzuhalten.»Iva, Teilnehmerin

«Mir hat es gefallen, dass wir hier etwas für Kinder bauen können», sagt Juliette. Die 20-jährige kommt aus Frankreich und studiert Ingenieurwissenschaften in Lausanne. Sie möchte gerne Schweizerdeutsch lernen, handwerkliche Erfahrung sammeln und sich in einer neuen Gruppe integrieren.

Auch Biologie-Studentin Iva aus der Ukraine sucht sich immer Projekte in deutschsprachigen Ländern aus. «Die Workcamps sind eine Möglichkeit, mich mit wenig Geld in diesen teuren Ländern aufzuhalten.» Hier im Schöntal sei es sehr luxuriös. Sie wohne allein in einem der Gästezirkuswagen, die auf dem Gelände stehen. «Da habe ich auch etwas Zeit für mich, also richtig Ferien.»

Das Quartier hilft

So wie praktisch das ganze Schöntalquartier den Spielwerkplatz mitgestaltet und den Kiosk betreibt, betreut es auch die Gäste. Eine Familie ist in den Sommerferien und hat den freiwilligen Helfern gleich die ganze Wohnung zur Verfügung gestellt. Andere engagieren sich bei der Verpflegung. Zum Beispiel Cecile, die mit ein paar Jugendlichen aus der Gruppe Gemüse rüstet. «Ich koche überall ein bisschen», sagt sie lapidar. Das mache sie einfach. Das Menü wird von den saisonalen Lebensmitteln bestimmt. «Wir bekommen Biogemüse von einem Bauern aus Wildberg und da schaue ich jeweils, was sich daraus machen lässt.»

Der Afghane Ezat arbeitet sonst als Käser, er will lernen, wie man ein Giebeldach baut. Bild: hd

Die Freiwilligen dürfen aber auch Spezialitäten aus ihren Ländern servieren. Iva hat einen Napoleon-Kuchen gebacken und der 25-jährige Ezat wird einen afghanischen Eintopf kochen. Er kam als Flüchtling in die Schweiz und lebt nun in Bern. Normalerweise arbeitet er als Käser, aber weil er eine Woche Ferien hat, engagiert er sich für das Workcamp im Schöntal. «Ich finde das einfach eine coole Sache, dass so viele Leute herkommen, um die Schweizer Kultur kennenzulernen.» Auch die Arbeit interessiert ihn. In Afghanistan gebe es nur Flachdächer. «Ich möchte lernen, wie so ein spitzes Dach gebaut ist und irgendwann in meiner Heimat ein solches Haus bauen», schwärmt Ezat.

Spielgefährten inklusive

Die alleinerziehende Mutter Inês ist mit ihren Söhnen Vincente (14) und Diogo (9) angereist. Für die Portugiesin, die in Frankreich lebt, ist der Einsatz eine gesellige und günstige Möglichkeit, in einem Land Ferien zu machen, das eigentlich zu teuer für sie ist. «Es ist so schön hier, zudem habe ich Erwachsene, mit denen ich mich unterhalten kann und meine Kinder haben Spielgefährten.» Die Kinder müssen natürlich nicht arbeiten, dürfen aber mitmachen, wenn sie wollen.

Morgens werken alle mit Schweissperlen im Gesicht. Nachmittags lockt dann ein Bad in der Töss. «Es ist im Moment einfach zu heiss, um den ganzen Tag dran zu sein», sagt Adi.

Erstellt: 29.07.2019, 11:58 Uhr

Service Civile international

Einsatz für den Frieden

Seit 1920 setzt sich der Schweizer Verein Service Civile International (SCI) für den interkulturellen Austausch, gewaltfreie Konfliktlösung und nachhaltige Entwicklung ein. In Workcamps und Langzeiteinsätzen arbeiten Freiwillige aus aller Welt für ökologische, soziale und kulturelle Projekte. Die parteipolitisch und konfessionell unabhängige Organisation versteht die Zusammenarbeit der Menschen aus verschiedenen Ländern als Friedensarbeit. (rut)

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