Russikon

Hitzige Debatte um Russikons Zukunft

Diskussionen und Dutzende Änderungsanträge prägten die Russiker Gemeindeversammlung vom Montag. Zu reden gab die Teilrevision der Richt- und Nutzungs­planung. Die Meinungen gingen auseinander.

Wie soll sich Russikon weiterentwickeln? Diese Frage bot an der  Gemeindeversammlung viel Diskussionsstoff.

Wie soll sich Russikon weiterentwickeln? Diese Frage bot an der Gemeindeversammlung viel Diskussionsstoff. Bild: Archivfoto: Fabio Meier

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Bei der ausserordentlichen Gemeindeversammlung am Montagabend stand mit der Teilrevision der Richt- und Nutzungs­planung ein Geschäft auf der Traktanden­liste, das die Gemeinde über die nächsten Jahrzehnte prägen wird. Entsprechend gross war das Interesse. 198 Stimmbürger kamen. Bereits im Vorfeld hatte etwa der Politische Gemeindeverein Russikon (PGR) diverse Punkte der aktuellen Revisionsvorlage kritisiert.

Tempo-30-Zonen gefordert

Bei der Richtplanung gab vor ­allem das Thema Verkehr zu reden. Fast ein Dutzend Votanten meldeten sich zu Wort, und es entstand eine angeregte Diskussion. Ein grosses Anliegen war die Sicherheit. Bereits während der öffentlichen Auflage waren aus mehreren Quartieren Petitionen eingegangen, die Tempo-30-Zonen forderten. Der Gemeinderat hatte das Thema daraufhin in die Revision des Verkehrsplans aufgenommen. In den nächsten vier Jahren soll über das ganze Gemeindegebiet ein Konzept erarbeitet werden, um die Verkehrssicherheit in den Quartieren zu verbessern, so der Plan.

Das reichte aber nicht allen. «Wir fühlen uns nicht ernst genommen. Es kann nicht sein, dass wir in vier Jahren erst ein Konzept haben», sagte eine der Petitionärinnen. Sie forderte mit einem Antrag eines bis 2020. Und bis in vier Jahren sollten erste Massnahmen umgesetzt sein. Ihr Änderungsantrag wurde jedoch mit grossem Mehr abgelehnt.

»Wir fühlen uns nicht ernst genommen. Es kann nicht sein, dass wir in vier Jahren erst ein Konzept haben.»Eine Petitionärin

Beat Mathys, Vizepräsident des Politischen Gemeindevereins Russikon, trat mit einer ganzen Liste von Kritikpunkten vor die Versammlung. So bemängelte er etwa, dass viele der im Richtplan verzeichneten Velowege und Velostreifen nicht nötig seien und nur hohe Kosten verursachen würden. Zudem mache es keinen Sinn, dass in Russikon viele Strassen als sogenannte Sammelstrassen definiert würden, darunter auch die mit einem Fahrverbot belegte Berggasse. «Sammelstrassen sind per definitionem verkehrsorientiert und sollten mit einem Trottoir ausgestattet sein. Dafür fehlt an ­vielen Orten schlicht der Platz.» Wegen vieler Unstimmigkeiten forderte Ma­thys, den Verkehrsplan zurückzuweisen.

Und fast wäre es so weit gekommen. Die Abstimmung fiel mit nur einer Stimme Unterschied (90:89) denkbar knapp aus. Darum liess Gemeindepräsident Hans Aeschlimann noch einmal nachzählen. Beim zweiten Mal war das Resultat deutlicher. Der Verkehrsplan wurde mit 94 zu 84 Stimmen gutgeheissen. Mit seinen Änderungsanträgen hatte Mathys aber mehr Erfolg. Die Mehrheit stimmte zu, auf die Verkehrsplaneinträge für Velowege und Velostreifen sowie auf dieBezeichnung Sammelstrassen im Siedlungsgebiet zu verzichten.

Ausnützung nicht erhöhen

Nach fast zwei Stunden intensiver Diskussionen konnte sich die Versammlung der Nutzungsplanung zuwenden. Die Diskussionen um die BZO und den Zonenplan hatten es ebenfalls in sich. Erneut standen die Vertreter des PGR an vorderster Front. Beats Bruder, Stefan Mathys, kritisierte die Absicht des Gemeinderats, künftig den Ausbau eines zweiten Dachgeschosses zuzulassen. Das würde den Anreiz schaffen, steile Satteldächer zu bauen, welche die Aussicht der Nachbarn beeinträchtigen würden. Zudem würden die Eigentümer von Häusern mit Flachdächern diskriminiert, ergänzte ein anderer Votant.

Bausekretär Lukas Weilenmann widersprach. «Es ist unwahrscheinlich, dass wegen dieser Änderung plötzlich überall hohe Satteldächer gebaut werden. Die Anpassung dient dazu, bereits bewohnte Dach­geschosse nachträglich zu erlauben.»

Ausnutzung erhöhen

Auch mit den geplanten Aufzonungen in den Quartieren Bettelacher und Rebenacher sei er nicht einverstanden, so Mathys. Dies würde zu einer verdichteten Bauweise führen, die nicht zu den heutigen Einfamilienhausquartieren passen würde. Dabei stehe in der Struktur­analyse, dass in Russikon noch rund 100 000 Quadratmeter Geschossflächenreserven vorhanden seien. Statt Aufzonungen solle man lieber in allen Wohn- und Gewerbezonen die erlaubte Ausnützung um fünf Prozent erhöhen.

Dem widersprach Fiona Mera vom Planungsbüro Suter von Känel, die in beratender Funktion anwesend war. Die Geschoss­flächenreserven seien ein rein rechnerischer Maximalwert. «Es ist völlig unrealistisch, dass ­dieses ganze Potenzial genutzt wird.» Die Aufzonungen seien hingegen in Quartieren geplant, in denen von der Bevölkerungsstruktur her in den nächsten Jahren mit erhöhter Bautätigkeit zu rechnen sei. «Darum möchten wir dort punktuelle Anreize für eine stärkere Verdichtung schaffen.» Eine generelle Anhebung der Ausnützung würde hingegen nur zu grösseren Baukörpern und einer stärkeren Versieglung des Bodens führen, ergänzte Bausekretär Lukas Weilenmann.

Am Schluss klare Annahme

Der Änderungsantrag von Ma­thys zur Erhöhung der Ausnützungsziffer und zur Streichung der Dachausbauten kam nicht durch. Angenommen wurde dafür ein anderer Antrag des PGR, der forderte, die Baumassenziffer in den Gewerbe- und Industriezonen moderat zu erhöhen.

Auch beim Zonenplan kam es zu einer Änderung. Simon Mink (FDP), Gemeinderat und Präsident des Verwaltungsrats des Alterszentrums Rosengasse, forderte, das Grundstück der Institution in die Zone für öffentliche Bauten aufzunehmen. Damit stiess er bei den Russikern auf grosse Zustimmung.

Eine halbe Stunde vor Mitternacht, nach fast dreieinhalb Stunden intensiver Debatten, kam die Vorlage in der Schluss­abstimmung schliesslich mit nur zwei Gegenstimmen durch.

(Landbote)

Erstellt: 05.09.2018, 16:57 Uhr

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