Bundeshaus

«Ich habe schweren Herzens meinen Job gekündigt»

Der Illnauer SP-Nationalrat Fabian Molina (27) wurde Ende der letzten Session zum derzeit jüngsten Nationalrat vereidigt. Momentan erlebt er in Bern den ganz normalen Parlamentsalltag – und zieht bereits erste Konsequenzen.

Hat sich bereits am Rednerpult zu Wort gemeldet: SP-Nationalrat Fabian Molina im Nationalratssaal.

Hat sich bereits am Rednerpult zu Wort gemeldet: SP-Nationalrat Fabian Molina im Nationalratssaal. Bild: Keystone

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Wie geht es Ihnen nach den ersten zwei Wochen der Sommersession als jüngster Nationalrat unter der Bundeskuppel?
Fabian Molina: Ich fühle mich gut. Es ist für mich als Neuling natürlich alles noch wahnsinnig interessant und spannend. Gleichzeitig ist es jedoch aufgrund der verschiedenen Eindrücke und Termine auch ziemlich anstrengend. Insgesamt würde ich aber meinen Start ins Parlamentarierleben als geglückt bezeichnen.

Was hat Sie überrascht?
Die Lautstärke im Saal. Wenn man über mehrere Tage diesem Lärmpegel ausgesetzt ist, ist man am Schluss «nudelfertig».

Wurde Ihnen in den ersten ­Tagen eine Art Coach oder ­SP-Gspänli zur Seite gestellt?
Die Neuen im Parlament werden grundsätzlich nicht gecoacht. Weder vonseiten der Parlamentsdienste, noch vonseiten der Fraktion. Man darf aber natürlich immer Fragen stellen, was ich relativ häufig nutze. Ansonsten ist man jedoch auf sich allein gestellt.

Haben Sie schon Fehler gemacht?
Ja. Ich habe leider eine Abstimmung im Ratssaal verpasst. Der Alarm, der einen auf eine bevorstehende Abstimmung hinweist, hatte aus irgendwelchen Gründen nicht funktioniert. Daraufhin hatte ich von einigen Gspänli zu Recht eine Schelte erhalten. Sie haben mir jedoch auch glaubhaft versichert, dass dies allen einmal passiere.

Was ist aus Ihrer Sicht eines der wichtigsten politischen Geschäfte in der laufenden Session?
Ein wichtiges Geschäft ist sicher der indirekte Gegenvorschlag zur Konzernverantwortungsinitiative, über den wir diese Woche abstimmen. Ich finde, dass man bei Regeln für Menschenrechts- und Umweltverletzungen durch Konzerne keine Ausnahmen machen sollte. Trotzdem wäre ein Gegenvorschlag ein wichtiges Zeichen. Ich bin aber nicht besonders traurig, falls er dann doch nicht durchkommt. Denn ich bin sicher, dass wir in einer Volksabstimmung gewinnen würden.

Was sagen Sie zu dem vom Ständerat aufgegleisten AHV-Deal, der eine Steuervorlage und die AHV-Finanzierung verknüpft?
Ich bin sehr skeptisch, was diesen Deal angeht. Denn aus meiner Sicht fehlt die Gegenfinanzierung. Man beteiligt die Unternehmen an den Steuerausfällen von rund zwei Milliarden Franken nicht. Das sehe ich als einen Fehler. Es ist zwar sicher zu begrüssen, wenn man neue Mittel und Wege sucht, um die AHV zu finanzieren. Aber die Steuerreform hat ja im Grunde genommen nichts mit der AHV-Finanzierung zu tun. Und deshalb bin ich schon der Ansicht, dass der Nationalrat hier noch nachbessern muss, wenn die Vorlage bei einer Abstimmung vor dem Volk bestehen will.

In keiner anderen Partei gibt es so viele Sesselkleber wie in der SP. Manche Genossinnen und Genossen im Rat könnten problemlos Ihre Grossmutter oder Ihr Grossvater sein. Wie lange ­wollen Sie bleiben?
Wir haben bei der SP im Kanton Zürich zum Glück eine relativ klare Regelung. Es gibt eine Quasi-Altersbeschränkung von zwölf Jahren. Wer dennoch länger bleiben möchte, der braucht eine Zweidrittelmehrheit der Delegierten. Auch für mich persönlich könnte ich mir im Moment durchaus vorstellen, etwa zwölf Jahre als Nationalrat tätig zu sein.

Sie tanzen derzeit auf vielen Hochzeiten: Sie sind Nationalrat, arbeiten als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Hilfswerk Swissaid, studieren an der Uni Zürich Geschichte und sollten jetzt eigentlich Ihre Bachelorarbeit machen. Zudem spielen Sie noch ein Schaf beim Laientheater Freie Szene Winterthur.
(schmunzelt) Ja, das stimmt. Das ist alles etwas viel. Deshalb habe ich jetzt schweren Herzens meinen Job bei Swissaid auf Ende Juli gekündigt. Das gibt mir Luft, um mich der Frage, was ich künftig prioritär behandeln soll, besser widmen zu können. Denn klar ist, dass mein Nachrücken in den Nationalrat recht unvermittelt kam und mein Leben anschliessend ganz schön umgekrempelt hat.

Zumindest punkto Laientheater könnte man aber sagen, dass Sie jetzt einfach nur die Bühne ­gewechselt haben.
(lacht) Ja, das könnte man so sehen. Doch gerade weil die Politik in meinem Leben schon sehr lange einen hohen Stellenwert hat, finde ich es umso wichtiger, einen Ausgleich zu haben. Und das ist für mich ganz klar das Theater. Das werde ich nicht aufgeben.

Erstellt: 11.06.2018, 22:15 Uhr

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