Illnau-Effretikon

«Kann man das noch mittragen?»

Nach einem Jahr will der Bischof prüfen, ob Monika Schmid in der Pfarrei St. Martin bleiben darf. Die Betroffene stellt sich auch grundsätzliche Fragen.

Monika Schmid ist Theologin und Gemeindeleiter in der katholische Kirche St. Martin, Illnau-Effretikon.

Monika Schmid ist Theologin und Gemeindeleiter in der katholische Kirche St. Martin, Illnau-Effretikon. Bild: Archiv, Marc Dahinden

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Die katholische Theologin Mo­nika Schmid schrieb Anfang Jahr in einer «Landbote»-Kolumne, dass Homosexualität in «unserer Kirche» offiziell «geächtet und verteufelt» werde. «Da liegt es nahe, dass Sexualität im Versteckten gelebt wird. Aber was ist das für ein Leben? Hat nicht Paulus von der Frei­heit der Chris­ten­men­schen gesprochen? Und wo bleibt das grosse Wort der Liebe, auf der das Christentum gründet?»

Bischof Vitus Huonder reagierte, indem er der Gemeindeleiterin der Kirche St. Martin in Illnau-Effretikon den Berufsauftrag nicht mehr wie sonst üblich um sechs Jahre erneuerte. Stattdessen wurde ihr die soge­nannte Missio des Bistums Chur, zu dem auch Zürich gehört, nur noch um ein Jahr verlängert, was faktisch einer Verwarnung gleichkommt.

Andere haben es auch getan

Der Vorfall wurde öffentlich, weil Monika Schmid ihn kürzlich auf Face­book mit klaren Worten kom­men­tierte: «Auch das ist Machtmissbrauch und purer Klerika­lismus.» Sie arbeite derzeit «quasi als Anfängerin, und das nach über 30 Jahren Pfarreiarbeit». Bis heute fehle eine schriftliche Begründung für die Massnahme. Zudem habe sie exakt die gleichen Worte verwendet, wie andere Kirchenvertreter dies auch schon getan hätten.

Ein Link, den sie auf Face­book dazu geteilt hat, führt zu einem Artikel der «Zeit», in welchem es um eine Untersuchung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche in Deutschland geht: Dem­nach sollen 4,4 Prozent aller­ Kleriker zwischen 1946 und 2014 Minderjährige sexuell missbraucht haben.

Absprache mit dem Bischof

Generalvikar Josef Annen bestätigt auf An­frage, dass er Mo­nika Schmid in Absprache mit dem Bischof­ eine einjährige Missio für ihre­ Seelsorgetätigkeit in der Pfarrei ausgestellt habe. «Ich gehe davon aus, dass die Missio auch in einem Jahr wieder erneuert werden kann.» Er kenne Mo­nika Schmid als engagierte Seelsorgerin, die sich pointiert äus­sere und auch gern mal provo­ziere. «Die katho­lische Kirche sieht Homosexualität differenziert und verteufelt sie nicht», sagt er. «Immerhin ruft das Lehramt zu Respekt ihnen gegenüber auf.» Ein solcher Umgang be­deute auch, dass sie in unseren Pfarreien und kirchlichen Organisationen willkommen seien und einen Platz haben sollen.

Sie suchte Öffentlichkeit nicht

Auf dem für jedermann einseh­baren Facebook-Profil von Mo­nika Schmid ist der Eintrag nicht sichtbar. Sie äussert sich auch auf An­frage des «Landboten» nur zurück­haltend: «Ich suche damit nicht die Öffentlichkeit, stehe aber dazu, was ich gesagt habe.» Für sie sei es ein schwieriger Spagat­, den sie machen müsse. Auf der einen Seite die schönen Begegnungen bei der täglichen Arbeit in der Gemeinde und der «ganze Reichtum des Glaubens». Auf der anderen Seite die offizi­elle Kirche mit ihren «starren Struk­turen» und den Problemen, etwa bei der Bewältigung von Miss­brauchsfällen. Sie frage sich: «Wie lange kann man das noch mittragen?» Ihr Facebook- Beitrag­ machte rasch die Runde. Die refor­mierte Pfarrerin Sibylle Forrer teilte ihn und schrieb dazu: «Das ist ein Skandal!» Es dürfe nicht länger hingenommen werden, dass im Bistum Chur und anderswo­ versucht werde, Menschen mundtot zu machen, die Miss­stände klar benennen.

Die Pfarrerin aus Kilchberg, die auf SRF einst das «Wort zum Sonntag» sprach, bittet die «katho­lischen Glaubensgeschwister», dem Bistum einen Brief zu schrei­ben. «Nur wenn die bestehenden Strukturen schonungslos diskutiert werden, können die Missbrauchsfälle eingedämmt werden.»

Erstellt: 19.09.2018, 08:28 Uhr

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