Lindau

Polizisten und Lastwagenfahrer nehmen sich eine Auszeit auf der Raststätte

Ein Gespräch mit der Polizei führen, ohne kontrolliert zu werden: Das konnten Chauffeure gestern in Kemptthal.

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In der Beziehung zwischen Lastwagenfahrer und Polizisten ist nicht immer alles zum besten bestellt. Auf der einen Seite stehen die Chauffeure und Chauffeusen, die ihre Ware unter Zeitdruck von A nach B bringen müssen.

Auf der anderen Seite die Polizeibeamten, die für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer sorgen und darum kontrollieren müssen, ob alle Vorschriften eingehalten werden. Das geht oft auf Kosten der Zeit der Fahrerinnen und Fahrer, die sie eigentlich nicht haben.

Damit beide Seiten mehr Verständnis für die Anliegen und Probleme des anderen aufbringen und um Fragen klären zu können, hat die Zürcher Kantonspolizei zusammen mit den Nutzfahrzeugverbänden Astag und Les Routiers Suisses gestern Morgen die Aktion Timeout auf der Raststätte Kemptthal durchgeführt.

Bei offeriertem Kaffee und Gipfeli kamen die Lastwagenfahrer und Beamten ins Gespräch. Frauen waren auf beiden Seiten stark in der Minderheit.

Frage zu Ruhezeiten

Walter Hurter, Chef der gleichnamigen Transportfirma in Mönchaltorf und vor kurzem pensioniert, war gekommen, um zu erfahren, «was im Transportgewerbe so abgeht». Auch hat er eine Frage bezüglich Ruhezeiten klären können. «Ich war mit einem Fahrer nicht einig», erzählt er. «Nun hat sichs aufgelöst, ich hatte recht.»

«Ein tödlicher Unfall ist das Schlimmste, was einem passieren kann.»

Die Arbeit in seinem Gewerbe sei hart, der Konkurrenzkampf gross und die Staus auf den Strassen nähmen laufend zu. «Das wirkt sich auf die Fahrer aus.» Er war in den 1990er-Jahren selbst in einen Unfall verwickelt. Eine Frau geriet auf seine Fahrbahn, er habe zwar gebremst, aber nicht verhindern können, dass es zum Zusammenprall kam, bei dem die Frau verstarb. «Das ist das Schlimmste, was einem passieren kann.» Es verfolge ihn bis heute täglich.

Damit es eben nicht zu Unfällen kommt, haben Spezialisten des technischen Verkehrszugs an verschiedenen Ständen aufgezeigt, wie man Ladungen korrekt sichert, Gefahrengüter transportiert und die verschiedenen Zeiten wie Ruhe-, Arbeits- und Bereitschaftszeit richtig in den digitalen Fahrtschreiber eingibt.

Gebrochene Bremsscheiben

An einem Stand waren gebrochene Bremsscheiben, verbogene Radschrauben und eine Sattelkupplung zu sehen. Letztere muss ein Fahrer vor der Wegfahrt kontrollieren. «Es ist auch schon passiert, dass Berufskollegen einem anderen die Kupplung aus Jux gelöst haben», erzählt ein Polizist. Als dieser dann wegfuhr, blieb der Anhänger stehen und kippte. Der Fahrer hatte die Kupplung nicht überprüft.

«Es gibt nicht nur böse LKW-Fahrer.»

Die Öffentlichkeit habe eine schlechte Meinung vom Fahrgeschäft, ist Michael Klose überzeugt. Er arbeitet in Winterthur und ist seit 15 Jahren Mitglied der Routiers. Er begrüsst es deshalb, dass Polizei und Verbände Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Denn: «Es gibt nicht nur böse LKW-Fahrer.»

Polizei und Verbände bestätigen: Das Gros der Fahrer verhalte sich korrekt und achte auf die Vorschriften. «Schwarze Schafe gibt es aber auch bei uns, und die schaden unserem Image», sagt Astag-Direktor Reto Jaussi. Und David Piras, Generalsekretär der Routiers Suisses, findet: «Gut gibt es die Polizei. Die sollen die schwarzen Schafe nur rausholen.» Er wäre bei einer weiteren solchen Aktion sofort wieder dabei. «Die Fahrer sollen mit den Polizisten reden können, ohne dass sie kontrolliert werden.»

Im Kanton Zürich fand der Anlass zum ersten Mal statt. Ähnliche gab es schon in den Kantonen Solothurn und Aargau. Die Kantonspolizei überlegt sich, diesen in Absprache mit anderen Kantonen künftig alternierend durchzuführen.

Erstellt: 04.07.2019, 11:54 Uhr

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